13.12.2011

Ab auf die Straße!

Von: Merja Spott

Radfahren IST SICHER ...

weil Sie auf der Straße gesehen werden, selbst gut sehen und nicht in Konflikt mit Fußgängern geraten

Eine der Hauptunfallursachen zwischen Radfahrenden und Kfz sind Rechtsabbiegerunfälle. Dabei vergessen Autofahrer entweder den Schulterblick, rechnen nicht mit Rädern oder können diese schlicht nicht sehen. Oft verdecken parkende Autos oder andere Gegenstände den Radweg oder dieser wird kurz vor der Kreuzung zum Fußgängerüberweg hin verschwenkt. So kann der Kfz-Lenkende nicht erkennen, ob der Radfahrende den Überweg benutzt oder in die Seitenstraßen einfährt.

Auf der Fahrbahn sind Räder immer im Blickfeld und können somit weniger schlecht übersehen oder „vergessen“ werden. Auch die Radler selbst können hier die Gefahren besser überblicken, weil ihr Blickwinkel nicht durch übergroße Werbeplakate und andere Hindernisse verstellt wird.

Die Hamburger "Bürgersteigradwege" werden gerne als Abstellfläche für Sperrmüll, Werbeplakate, Mülltonnen, Motorrädern oder Laubhaufen zweckentfremdet. Ein Glück für den Radfahrenden, der es rechtzeitig sieht und bremsen kann.

Immer wieder kommt es auf Radwegen zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrenden, da Fußgänger auf den Radweg laufen. Entweder weil sie nicht dran denken oder weil der Radweg als solcher auch gar nicht zu erkennen ist. An den Ampeln stehen die Fußgänger auf den Radwegen, die Radfahrenden müssen unerwartet abbremsen - auch das kann zu Unfällen führen.

 

 

Radfahrern IST ZÜGIG

weil die Straße frei von unvorhersehbaren Hindernissen ist

 

Die Geschwindigkeiten von Autos und Fahrrädern sind ähnlicher als die von Fußgängern und Fahrrädern. Deshalb ist das Fahrrad laut Straßenverkehrsordnung ein Fahrzeug. Auf der Fahrbahn kann es genau das auch sein und fahren! Das zügige Fahren ist hier besser möglich, da man weniger auf Hindernisse, schlechte Oberfläche oder Fußgänger reagieren muss.

Zügiges Fahren ist keine Forderung von rasenden "Rüpelradfahrern", die sich jedes Recht nehmen. Es ist der Wunsch vieler Verkehrsteilnehmer auf alltäglichen Wegen schnell und zügig voran zu kommen. Zudem verlängern die Radwege in Hamburg oftmals den Weg für die Radfahrenden, da sie nicht geradlinig verlaufen, sondern ständig verschwenkt werden. Besonders an Kreuzungen führt der Radweg oft plötzlich zum Fußgängerüberweg. Durch die fast rechtwinkligen Verschwenkungen muss der Radfahrende stark abbremsen.

Langsames Fahren an den Kreuzungen ist in Hamburg allerdings sowieso angeraten, da der gemeinsame Übergang mit den Fußgängern dazu führt, dass es an jeder Ampel ein heilloses Durcheinander gibt. Auf dem Radfahrstreifen, auf der Fahrbahn kommt man gradlinig und zügig über die Kreuzung.

 

 

Radfahren IST EFFEKTIV ...

weil sie gemeinsam für alle Fahrzeuge gereinigt, geräumt und repariert wird.

 

Den Radverkehr auf die Fahrbahn zu führen kann eine kostengünstige und effektive Verbesserung der Mobilität der Bewohner sein. Zum einen ist der Unterhalt organisatorisch einfacher, da die Straßenreinigung automatisch auch die Wege für den Radverkehr reinigt. Zur Reinigung von Rad- und Gehwegen werden dagegen besondere Geräte und teure Handarbeit benötigt.

In Hamburg wurden die Radwege in den letzten Jahrzehnten nur sehr schlecht unterhalten. Deswegen sind jetzt an zahlreichen Wegen teure Reparaturen notwenig, für die kein Geld zur Verfügung steht. Die schlechten Radwege sind ein Grund, weshalb viele Radfahren in Hamburg als unangenehm bewerten.

Die zumeist in den 1960ern angelegte Radwege der Hansestadt entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik. Um sie sicher zu gestalten, wären aufwändige Straßenumgestaltungen notwendig.

Deutlich günstiger für die Stadt Hamburg ist es daher, das Tempo an vielen Stellen auf 30 km/h zu reduzieren und den Mischverkehr zu ermöglichen oder eine Spur für Räder auf der Fahrbahn zu markieren.

 


 

Radfahren IST KOMFORTABEL ...

weil die Fahrbahn zum Fahren gebaut ist: geradlinig, eben, breit

 

Radfahren soll Spaß machen und dafür braucht es Wege, die eben und breit genug gebaut sowie geradlinig geführt sind. Um das zu realisieren benötigen wir in vielen Fällen keine Umbaumaßnahmen zum "Radfahrerparadies", denn es gibt diese Wege bereits heute flächendeckend in unseren Städten. Sie beginnen meist sogar direkt vor der Haustür: die Fahrbahnen!

 

 

Selbstbewusst und sicher Rad fahren auf der Fahrbahn

1. Selbstbewusst fahren!

 

Als Radfahrender führen Sie laut StVO ein Fahrzeug. Deswegen ist das selbstbewusste Radeln auf der Fahrbahn keineswegs verzweifelter Todestmut, sondern rationales Verhalten.

Es ist wichtig, dass sie sich den Platz nehmen, den Sie brauchen, um als gleichwertiger Verkehrsteilnehmer beachtet und ernst genommen zu werden. Die Autofahrenden hinter Ihnen sollten das eindeutig erkennen. Grundsätzlich gilt natürlich, dass wie überall im Straßenverkehr auch beim Fahrbahnradeln Vorsicht und auch Rücksicht geboten ist.

2. Abstand halten

Wer ausreichenden Abstand zum rechten Fahrbahnrand hält, vermeidet, von Autos dicht überholt zu werden. Wenn Sie ohne Not dicht am Bordstein entlang fahren, ist die Versuchung für Autofahrer groß, Sie noch weiter an den Rand der Fahrbahn zu drängen. Denn so sind diese nicht gezwungen zum Überholen die Fahrspur zu wechseln. Wer aber einen Mindestabstand von 0,8 bis 1 m zum Bordstein und zu parkenden Autos hält, der lässt die Gullis rechts liegen und signalisiert: Ich gehöre hierhin!

Durch den Abstand zum Bordstein haben Sie außerdem genügend Platz zum Ausweichen im Ernstfall - zum Beispiel wenn sich plötzlich die Türen parkender Autos öffnen. Halten Sie zu diesen mindestens 1 m Abstand! Dies widerspricht im Übrigen nicht dem "Rechtsfahrgebot" der StVO.

3. Sichtbar und eindeutig fahren

Fahren sie sichtbar und berechenbar. Das heißt, fahren Sie eine klare Linie und gradlinig und scheren Sie nicht zwischen parkenden Autos ein. Wenn sie vom Bürgersteig auf die Fahrbahn wechseln wollen, "schießen" Sie nicht ohne zu gucken hinter parkenden Autos oder anderen Hindernissen hervor. Geben Sie den anderen auch eine Chance Sie zu sehen!

Denken Sie immer an den Toten Winkel. Machen Sie sich bewusst, wie groß er ist und beziehen in Ihr Fahrverhalten ein, dass es Punkte gibt, an denen Sie nicht gesehen werden. Suchen Sie den Blickkontakt. Ordnen Sie sich richtig auf den Fahrspuren ein und zeigen Sie den Fahrspurenwechsel an. So sind Sie im Blickfeld der Autofahrer.

Aktionen der Kampagne

September 2012: Radweg oder Fahrbahn? Sie haben die Wahl!

Einzige Ausnahme sind benutzungspflichtige Radwege, die am bekannten, blauen Schild zu erkennen sind. Um diese leider immer noch erstaunlich unbekannte Verkehrsregel bekannter zu machen, startet der ADFC Hamburg im September 2012 eine Plakataktion in ganz Hamburg. Außerdem informieren wir auf der BilleVue (22./23.9.) und der Klimawoche (28.-29.9.) mit Infoständen und Verteilen Flyer.

06.08.2012: Diskussionsveranstaltung "Sichere Straße, gefährlicher Radweg! Warum trauen wir dem nicht?"

Podiumsdiskussion zum Thema »Radfahren auf der Straße«.
Centro Sociale, 19 Uhr.

Ende 2011: Diskussionen in den Bezirken

Zum Abschluss unserer Kampagne »Ab auf die Straße! Sicher Rad fahren auf der Fahrbahn« wollen wir Ende 2011 mit Ihnen ins Gespräch kommen. Dazu veranstalten wir mehrere öffentliche Podiumsdiskussionen. Eingeladen sind alle, die ihre Meinung zum Radfahren auf der Straße in ihrem Bezirk äußern möchten. Außerdem wollen wir hören, was Politik und Verbände dazu sagen.

Die Veranstaltungen bestehen jeweils aus einer moderierten Podiumsdiskussion und anschließend ausreichender Zeit für Ihre Fragen und Redebeiträge.

Dienstag, 29. November 2011, 19:00 Uhr
Öffentliche Podiumsdiskussion: Rad fahren in Altona (Ort: W3, Nernstweg 32 – 34)
Carsten Butenschön, Fachamtsleiter Management des öffentlichen Raumes, Bezirksamt Altona
Henrik Strate, Verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Altona
Dirk Lau, Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Hamburg
Holger Sülberg, Sprecher für Umwelt, Verbraucherschutz und Gesundheit, GAL Altona
Thomas Horwege, Verkehrsdirektion

Freitag, 02. Dezember 2011, 19:30 Uhr
Öffentliche Podiumsdiskussion: Rad fahren in Mitte (Ort: ADFC-Geschäftsstelle, Koppel 34-36)
Markus Weiler, Dezernat Wirtschaft Bauen Umwelt im Bezirksamt Mitte
Michael Osterburg, GAL Fraktion Hamburg Mitte
Susanne Buhl, SPD Bezirksfraktion Mitte/Vorsitzende des Verkehrsausschuss
Merja Spott, ADFC Hamburg
Heike Bunte, HPV e.V. (Human Powered Vehicles)
Gerhard Schenk, Hochbahn AG

Montag, 05. Dezember 2011, 19:00 Uhr (Ort: Ehrenstein 9, ETV, Bundesstr. 96)
Öffentliche Podiumsdiskussion: Rad fahren in Eimsbüttel
Thorsten Sevecke, Bezirksamtsleiter Eimsbüttel
Fabian Klabunde, GAL Fraktion Eimsbüttel
Niels Böttcher, Aktionsgemeinschaft Quartier Osterstraße e.V.
Merja Spott, ADFC Hamburg, Referentin für Verkehr

Donnerstag, 08. Dezember 2011, 19:30 Uhr
Öffentliche Podiumsdiskussion: Rad fahren in Harburg (Ort: Gemeindessaal der Evangelischen Kirche Marmstorf)
Jörg Penner, Bezirksamt Harburg, Dezernatsleiter Wirtschaft, Bauen und Umwelt
Christian Carstensen, Vorsitzender des Auto Club Europa (ACE) in Hamburg
David Johnston, Radfahrer aus Harburg
Martin Schmitt, Fuss e.V.

Diskussionsveranstaltung für ADFC-Mitglieder am 21. Juni 2011

Rad fahren auf der Fahrbahn - das empfiehlt der ADFC Hamburg in seiner Jahreskampagne. Aber auch wenn es objektiv sicherer ist - viele RadlerInnen und auch ADFC-Mitglieder fühlen sich auf der Straße nicht wohl oder haben Angst.

Mit dieser Diskussion in der ADFC Geschäftsstelle (21.6. 19 Uhr) wollen wir das Thema der Jahreskampagne nicht nur an die Öffentlichkeit tragen, sondern auch in den Verein selbst. Es gibt Gelegenheit seine Meinung zu sagen und gemeinsam zu überlegen, wie mit diesem oft schwierigen Sachverhalt umgegangen werden kann.

Fahrrad-Demonstration »Ab auf die Straße« am 15.06.11, 18 Uhr S-Sternschanze

Wir wollen damit die Ziele unserer Kampagne in die Öffentlichkeit bringen. Radfahrerinnen und Radfahrern soll Mut gemacht werden, auf der Fahrbahn zu fahren. Und alle anderen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer sollen verstehen, dass es ganz normal ist, dass wir auf der Fahrbahn unterwegs sind!

Wir beginnen um 18 Uhr an der S-Bahn Sternschanze und fahren eine kleine Runde durch St. Pauli. Für Demo-Material wird gesorgt. Bitte 5 Freunde mitbringen und weitersagen!

Plakataktion in der ganzen Stadt vom 7.6. bis 20.6.11

 

Fahrrad-Sternfahrt "Mobil ohne Auto" am 19. Juni2011

Aktionswoche "Betreutes Fahrbahnradeln" vom 7. bis zum 15. Mai 2011

ADFC-Ehrenamtliche zeigen den Radlern vor Ort, wie sie sicher auf der Fahrbahn fahren, begleiten sie und fordern dabei die Autofahrer auf, die Sicherheitsabstände einzuhalten. Die einzelnen Termine in den Bezirken werden am 5. Mai (Pressegespräch zur Kampagne) bekannt gegeben.

Pressegespräch zum Kampagnenauftakt am 5. Mai 2011, 15 Uhr

Herzlich eingeladen sind Vertreter der Presse. Wir informieren über den Anlaß der Kampagne und über fachliche Hintergründe. Anschließend laden wir ein zum betreuten Fahrbahnradeln in St. Georg auf der Langen Reihe.

Videos

Demonstration "Ab auf die Straße" am 15. Juni 2011 Video 1, Video 2

Aktion »Betreutes Fahrbahnradeln«

Zum Weiterlesen:
Hintergrundinformationen (pdf, 130 KB)
Verhaltenstipps (pdf, 130 KB)

Plakate, Postkarten, T-Shirt

Im Rahmen der Kampagne »Ab auf die Straße!« entstanden Plakate, Faltblätter und T-Shirts. Wir stellen diese Materialien auf dieser Seite vor.

Postkarten zur Kampagne

Postkarte 1 - Vorderseite
Postkarte 1 - Rückseite

Copyright © ADFC Hamburg I Mai 2011 I Foto: Tom Bayer - fotolia.com

Kampagnen-Logo (jpg)

(c) ADFC Hamburg 2011

Hänger für Radlenker und Autospiegel (pdf)

(c) ADFC Hamburg 2011

Postkarte 2 - Vorderseite
Postkarte 2 - Rückseite

Copyright © ADFC Hamburg I Mai 2011 I Foto: hercules-bikes.de I pd-f

Postkarte 3 - Vorderseite
Postkarte 3 - Rückseite

Copyright © ADFC Hamburg I Mai 2011 I Foto: Tom Bayer - fotolia.com

Selbstbewusst Radfahren im Mischverkehr (jpg, 1.448 KB)

(c) ADFC Hamburg 2011, Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über "Ab auf die Straße" frei

Beim betreuten Fahrbahnradeln begleitet der ADFC ängstliche Radfahrende auf der Fahrbahn und bittet Autofahrende um den vorgeschriebenen Abstand beim Überholen.

(c) ADFC Hamburg 2011, Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über "Ab auf die Straße" frei

Plakat "Ab auf die Straße" A1 (pdf, 2,6 MB)

Copyright © ADFC Hamburg I Mai 2011 I Foto: Tom Bayer - fotolia.com

Plakat zur Fahrad-Demo am 15.6. 18 Uhr, A4 (pdf, 4 MB)

Copyright © ADFC Hamburg I Mai 2011 I Foto: Tom Bayer - fotolia.com

Damit alle unsere Forderung fürs Fahrbahnradeln auf die Straße tragen können, haben wir für "Ab auf die Straße" ein schickes T-Shirt entworfen. Das T-Shirt ist ökologisch, Fair Trade und klimaneutral. Gelegenheiten das T-Shirt zu tragen gibt es mit Sternfahrt und der Demo am 15.6. genug.

Bestellung über info@hamburg.adfc.de für 20 Euro (Abholung in der Geschäftsstelle). Verfügbare Größen: Damen XS, S, M, L, XL, Herren S, M, L, XL, XXL.

Vademecum zum Fahrbahnfahren: Warum auf der Straße fahren? (pdf, 60 KB)

Plakat "Radweg oder Fahrbahn? Sie haben die Wahl!"  vom September 2012 (pdf, 4,3 MB)

Aufkleber "share the road" vom November 2012
Abgabe für den Hausgebrauch gegen Spende (Adresse und Stückzahl nicht vergessen!)

Empfänger: ADFC Hamburg
Bank: GLS Gemeinschaftsbank eG
BLZ: 430 609 67
KtNr: 2029445600