08.08.2012

Sichere Fahrbahn, gefährlicher Radweg!

Von: Georg Sommer
Radweg oder Fahrbahn? Diese Frage können sich Radfahrer immer öfter stellen.

„Sichere Fahrbahn, gefährlicher Radweg! Warum trauen wir dem nicht?“ fragte der ADFC am Montag, den 6. August auf einer öffentliche Diskussion im Centro Sociale. Rund vierzig Radlerinnen und Radler diskutierten über die Vor- und Nachteile des Radfahrens auf der Fahrbahn oder auf dem Radweg.

„Ab auf die Straße" forderte der ADFC in der gleichnamigen Kampagne 2011. Mit Erfolg: Inzwischen entfällt auf vielen Strecken die Benutzungspflicht der Bordsteinradwege. Viele Radler nutzen die Möglichkeit und bewegen sich  als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer auf der Fahrbahn. Andere fühlen sich weiterhin auf den Radweg sicherer – ein Stück abseits der als bedrohlich empfundenen Kraftfahrzeuge.

Die erstaunlich sachlich und differenziert geführte Diskussion des Abends erarbeitete viele Aspekte des Für und Wider, Radfahren auf der Fahrbahn ist sicherer, sagen Unfallstatistiken und Verkehrsforscher. Die Fahrbahnen sind meist in besserem Zustand und ermöglichen zügiges Fortkommen, die Verkehrsführung ist logisch und sachgerecht, Autofahrer stellen sich zunehmend auf die Radler ein und verhalten sich angemessen. Das stellte auch die Diskussionsrunde schnell zugunsten des Fahrbahnfahrens fest. Gegen die Bordsteinradwege konnte man auch eine ganze Anzahl von Aspekten zusammentragen:

Bordsteingeführte Radwege bergen schon dadurch Gefahren, dass sie die Räder vom Kraftverkehr trennen. Vor allem an Kreuzungen sind durch die Unübersichtlichkeit Unfälle vorprogrammiert. Und viele weitere Nachteile der Bordsteinradwege sprechen für das Fahrbahnfahren:

Hindernisse wie Mülltonnen, kaputte Oberflächen, Verschmutzung oder Bäume und Büsche behindern den Verkehr. Die schmalen Wegelchen bieten oft zu wenig Raum für die zunehmende Menge der Freizeit- und Alltagsradler – Überholen ist bestenfalls gefährlich, wenn nicht unmöglich. Dazu kommen weitere Gefahren wie unachtsam geöffnete Autotüren oder Fußgänger, die den Bordstein in voller Breite beanspruchen.

Dennoch gibt es nicht wenige Radler, die den Bordsteinradweg der Fahrbahn vorziehen. Auch sie nannten nachvollziehbare Gründe für ihre Wahl des defensiven und gemütlichen Fahrens abseits der Autopiste. Immerhin lassen sich auch einige Radwege bei geringerem Tempo noch akzeptabel befahren, führen bequem an Staustellen vorbei und bedienen das Bedürfnis, sich selbst nicht in erster Linie als Verkehrsteilnehmer verhalten zu müssen. Besonders Genuß- und Freizeitradlern, Kindern oder weniger geübten Fahrern kommt das entgegen. Die Gefahren an Einmündungen sind bekannt und können entsprechen berücksichtigt werden, fanden die Befürworter der Radwegnutzung, die zum Teil auch einfach gerne an dieser Gewohnheit festhalten.

Demgegenüber berichteten frisch gebackene Fahrbahnfahrer von einem regelrechten Training zur Umstellung. Diejenigen, die Radwege bevorzugen, scheuen sich auch oft, die Fahrbahn zu nutzen: Zu schnell und zu knapp überholende Kraftfahrer machen nicht nur Kindern Angst. Völlig von der Straße vertrieben fühlen sich manche, wenn es gar zu Anhupen, Belehren, Bedrängen und gefährlichen Manövern kommt. Hingegen stellten erfahrene Fahrbahnbefürworter fest, dass Hamburgs Autofahrer besser seien als ihr Ruf. Besonders auf mehrspurigen Straßen wird der Raum zum Ausweichen von den Kraftfahrern zu angemessenem Überholen genutzt.

Schließlich zog die Diskussionsrunde ein differenziertes Fazit, das im Ganzen für das Fahrbahnradeln spricht. Dennoch: Es lohnt sich, weiter für geringere Regelgeschwindigkeiten des Autoverkehrs zu kämpfen, für mehr Akzeptanz des Radverkehrs durch Kraftfahrer und gegenseitige Rücksichtnahme. Auch für mehr Regelbefolgung aller Verkehrsteilnehmer wurde plädiert, ebenso wie für veränderte Schwerpunkte in der Arbeit der Verkehrsbehörden, Sicherheitskräfte und Verkehrserzieher.