30.05.2013

Hermann Knoflacher: Zurück zur Mobilität!

Von: Ulf Dietze
Knoflacher: Zurück zur Mobilität.
Knoflacher: Zurück zur Mobilität.

Mobil machen

»Lasst uns einen Schritt zurücktreten und das Verkehrssystem einmal von außen betrachten.« Diesen Ansatz wählt Professor Knoflacher (TU Wien) für sein neues Buch. Er kritisiert in diesem Bändchen den falsch verstandenen Begriff der »Mobilität«. Bezugnehmend auf die Historie bedauert er, dass Verkehrsplaner die Folgen ihres Tuns heute nicht mehr verantworten müssen – andernfalls hätten wir ein völlig anderes Verkehrssystem. Der Autor prangert das irrsinnige Rechtswesen in Bezug auf den Straßenverkehr an, erklärt, warum der Abbau von Widerständen beim Autoverkehrsfluss zwangsläufig zu immer neuen Problemen führt. Er räumt mit dem Unsinn auf, schnelleres Autofahren generiere volkswirtschaftlichen Nutzen – ein Argument, das auch beim Einrichten der Bettelampeln in Hamburg eine wichtige Rolle spielte.

Vieles kennen wir aus Knoflachers anderen Büchern (z. B. »Virus Auto« (2009)). Manches ist überspitzt (z. B. wenn er Kinderkrippen mit Käfighaltung gleichsetzt). Doch das Buch sei allen ans Herz gelegt, die sich in Politik oder Planung mit Angelegenheiten des Verkehrs oder des Städtebaus befassen. Wenn sie auch manche Schlussfolgerung im Detail nicht akzeptieren werden, sollte die Lektüre trotzdem wertvolle Anregungen zum Nachdenken geben: Denn es ist nicht naturgegeben, dass Eltern Angst um die Sicherheit ihrer Kinder haben, dass alte Leute keine Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe mehr finden und dass wir trotz aller Subventionierung des Autoverkehrs immer mehr Staus haben.

Zitat Knoflacher: »Es sind die Strukturen, die gebauten, finanziellen und organisatorischen, die aus Menschen Autofahrer machen. Ändert man diese, werden sie wieder zu Menschen.«

Ulf Dietze in RadCity 3/2013

Hermann Knoflacher: Zurück zur Mobilität! Anstöße zum Umdenken. Ueberreuter. 12.0 x 19.0 cm. April 2013. ISBN: 978-3-8000-7557-7. 9,70 Euro