01.06.2013

City-Flitzer

Von: Amrey Depenau

Elektro-Lastenrad bei der Kurier AG

Gibt's hier irgendwo nen Lappen?« – Ich sitze im Eingangsbereich der Kurier AG in Winterhude und warte auf Eva Dommasch, die das Projekt »Ich ersetze ein Auto« in dem Transportunternehmen seit Sommer 2012 leitet. Vor mir steht Denis, der noch mal eben schnell über sein iBullit wienern will. Gleich kommt nämlich Frank von Urban e. Die Berliner stellen die Lastenräder zur Verfügung, die Arbeitsgeräte also für die Kuriere. Sie sind geleast und müssen dementsprechend pfleglich behandelt werden.

Denis in Fahrt.
Denis in Fahrt.
Frank erklärt Kurier Denis, wie er die Bremsbeläge wechselt.
Frank erklärt Kurier Denis, wie er die Bremsbeläge wechselt.

Leasing

»Der normale Verschleiß ist in der Gebühr enthalten, aber wenn die Fahrer etwas kaputt machen oder schlecht mit den Rädern umgehen, müssen sie die Reparatur selbst tragen.«, erläutert Frank, während er etwas später auf dem Parkdeck der Kurier AG die Cargo Bikes wartet.

Im Rahmen des Forschungsprojektes, das vom Umweltministerium gefördert wird, ist die Leasing-Gebühr reduziert auf 39 Euro. Später werden es rund 100 Euro monatlich sein. Immer noch ein Schnäppchen im Vergleich zu den Kosten eines PKW, die ein Autokurier tragen muss.

City-Problem

Aber ersetzt das Lastenrad tatsächlich ein Auto, wie der Projektname verspricht? Im Innenstadtbereich auf jeden Fall, weiß Eva zu berichten. »Die kurzen Touren in der Stadt sind mittlerweile für viele Autokuriere unattraktiv, da sie im dichten Verkehr langsam vorankommen und Probleme haben, einen Halteplatz zu finden. Da wird eine Tour schon mal eine Stunde alt, bevor sich jemand erbarmt, sie anzunehmen.« Das wiederum ist dann natürlich für die Kunden ein Problem. Schließlich beauftragen sie ja einen Kurier, damit es schnell geht!

City-Vorteil

Seit es die Cargo Bikes gibt, werden keine Touren mehr alt, denn sie sind ideal für City-Fahrten.

»Die Fahrten werden uns sogar bevorzugt angeboten.«, so Denis, der erst im April auf das Lastenrad umgestiegen ist. Da die klassischen Kurierdienste, die sich mit dem Rad erledigen lassen, immer weniger werden, gehört dem Lastentransport die Zukunft. So sieht es auch Denis, der kein Problem damit hatte, sein Bahnrad gegen das Pedelec zu tauschen. »Sportlich kann ich trotzdem fahren, denn ich kann ja frei entscheiden, wieviel E-Unterstützung ich nutze.«

Perspektive Cargo

Wer mit dem E-Antrieb maßvoll umgeht, kann so mit einer Akku-Ladung rund 100 km zurücklegen. Das reicht gut für eine Tagesschicht, verursacht Stromkosten von sage und schreibe 25 Cent und müsste eigentlich jedem Autokurier Tränen in die Augen treiben. Trotzdem sind es in Hamburg bisher nur Radkuriere, die sich auf die Cargo Bikes eingelassen haben.

Bei zweien ist schon sicher, dass sie die iBullits nach Ende des Projektes übernehmen werden. Ein weiterer hat sich sogar sein eigenes E-Bike gebaut. Auch Denis kann sich gut vorstellen, das Projektrad zu übernehmen. Zumal die Räder immer weiter optimiert werden: Alle Teilnehmer des Projektes aus sieben Städten tauschen regelmäßig ihre Erfahrungen aus und geben ihre Daten an das Institut für Verkehrsforschung weiter. So machen die coolen Cargo Bikes hoffentlich bald Schule und ersetzen in Zukunft mehr als nur ein Auto!

Amrey Depenau in RadCity 3/2013

»Ich ersetze ein Auto«

ist ein Projekt des Instituts für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. In sieben deutschen Großstädten liefern insgesamt gut 100 Kuriere ihre täglichen Sendungen mit Elektro-Lastenrädern aus. Der Feldversuch, der über zwei Jahre läuft, untersucht und bewertet das Potenzial der Fahrzeuge für Citylogistik und Klimaschutz. Im engen Dialog mit Kurieren und Vermittlungszentralen werden Daten zu Aufträgen, bei Kunden und Technikern erhoben. In Hamburg fahren im Rahmen des Projektes vier Kuriere für die Kurier AG.

www.ich-ersetze-ein-auto.de