01.06.2013

Das perfekte Paar

Von: Amrey Depenau

DPD in Hamburg kombiniert Rad und Lieferwagen

Herr Economidis hat mir am Telefon gesagt, ich solle nach einem schwarzen Lieferwagen Ausschau halten. So gleitet mein Blick mehrfach über den glänzenden Audi Kombi, bevor ich verstehe, dass dieser gemeint ist. Freundlich begrüßt mich der DPD-Systempartner und öffnet den Kofferraum, der mein Klapprad verschlingt. Dabei fahren wir nur vom Wiesendamm über den Kreisverkehr in die Fuhle hinein. Auf der linken Spur der Einbahnstraße steht mit Warnblinker ein DPD-Zustellfahrzeug und auf dem Standstreifen daneben sehe ich schon ein großes Lastenrad. Der Verkehr braust an uns vorbei, als wir aussteigen und Herr Economidis die Fahrer begrüßt.

In der Detmerstraße.
In der Detmerstraße.
Die Päckchen müssen nach Adressen sortiert werden.
Die Päckchen müssen nach Adressen sortiert werden.
Talismane können nicht schaden ...
Talismane können nicht schaden ...
... beim Holperritt über die Radwege in Barmbek.
... beim Holperritt über die Radwege in Barmbek.

Immer parallel

Fahrer Roger nimmt gerade aus dem Wagen die Pakete für seine Tour entgegen. Er sortiert sie nach den Adressen und packt die Kiste des Lastenrades von Wulfhorst dann in der richtigen Reihenfolge voll. Währenddessen erklärt mir Herr Economidis das Konzept: Der Lieferwagen und das Lastenrad fahren die ganze Zeit parallel. Das Auto auf den Hauptstraßen, das Rad in den schmalen Seitenstraßen, die den schweren Wagen viel Zeit kosten würden. Parkplatzsuche, Einbahnstraßen, Sackgassen, alles kein Problem für das Fahrrad. Sind alle Pakete verteilt, übernimmt der Radfahrer eine neue Fuhre aus dem Kraftfahrzeug.

Der Mix macht's

Ein Modell, das sich laut Herrn Economidis rechnet. Drei Fahrer beschäftigt er und würde gerne mit noch mehr Rädern arbeiten. Leider ist es schwer, Fahrer zu finden. Viele scheuen den Wechsel von vier Rädern auf zwei bzw. drei Räder und vertrauen lieber einem Motor als der eigenen Muskelkraft.

Roger ist mittlerweile begeistert von der Arbeit mit dem Rad: »Ich werde von so vielen Kunden angesprochen und höre nur Gutes. Außerdem bleibe ich wie von selbst fit.«

Schritttempo

Nun bin ich neugierig und freue mich auf die Spazierfahrt mit Roger durch die Nebenstraßen Barmbeks. Schnell noch das Klapprad aus dem Kofferraum genommen und los geht's … hoppla, der fährt ja auf dem Fußweg! Daran muss ich mich als leidenschaftliche Fahrbahnradlerin natürlich erst gewöhnen. Tatsächlich gibt das Schritttempo der Karre kaum etwas anderes her. Sämtliche Fußgänger, die ausweichen müssen, tun dies mit einem sehr verständnisvollen Lächeln. So kann dann auch die eine oder andere Abkürzung durch Grünanlagen genutzt werden und schnell leert sich die Transportkiste.

Nach Steilshoop

Am Barmbeker Bahnhof treffen wir wieder auf den Lieferwagen, aus dem Roger noch einige Päckchen für die nächste Fuhre holt. Nach teilweise nur ein paar hundert Meter voneinander entfernten Stopps, die hinter uns liegen, fahren wir nun etwas weiter die Steilshooper Straße hinauf. Die nächste Lieferung geht in eines der schönen kleinen Altbauhäuser, die es dort zwischen Hellbrookstraße und der Bahnlinie noch gibt. Die Tür öffnet sich sofort, was bei den bisherigen Kunden eher selten der Fall war. Ich aber habe nun genug gesehen und verabschiede mich von Roger, der Richtung Steilshoop weiterfährt, um eine andere Tour zu unterstützen.

Auf meiner Rückfahrt überlege ich, wie sich dieses gelungene Modell in die Breite tragen lässt. Vielleicht entwickle ich mit Herrn Economidis einen Vortrag und reise demnächst von Systempartner zu Systempartner, um für das Konzept zu werben. DHL, UPS, Hermes – sie alle sind potenzielle Kunden…

Amrey Depenau in RadCity 3/2013

DPD-Initiative

Die drei Lastenräder, die für Herrn Economidis fahren, gehen auf ein Pilotprojekt zurück, das die DPD-Niederlassung in Hamburg im Mai 2011 gestartet hat. Ursprünglich fuhren die Cargo Bikes – es waren verschiedene Modelle von Wulfhorst, Velocab und Pedalpower – neben Barmbek und Steilshoop auch in Rotherbaum, Winterhude und Alsterdorf. Bei den anderen Systempartnern konnte sich das alternative Transportmodell jedoch nicht durchsetzen.