03.06.2013

GPS am Rad

Von: Michael Link

Die GPS-Hersteller haben den Radler entdeckt. So beglücken Falk, Garmin und Co. die Welt auf zwei Rädern durch Navigationsgeräte mit Fahrrad-Modus. Doch die Routenberechnung ist oft unterirdisch. Wieso eigentlich?

Zunächst: Wie macht es ein Auto-Navi? Viele lassen bei dem Ausknobeln der Route die Wahl des Verkehrsmittels zwischen »Auto«, »LKW«, »Fahrrad« und »Fußgänger«. Danach berechnen sie anhand möglicher Geschwindigkeiten und Straßen die wohl beste Strecke.

Und bei Radfahr-Navis? Routen-Profile müsste es ja auch dafür geben, oder? Die einen fahren filigrane Renner, am liebsten auf glatten Straßen – die anderen wollen den Adrenalinschub matschiger Downhill-Pfade. Und dann sind da ja noch die vielen, die im Alltag mit ihrem ganz normalen 0815-Fahrrad einfach die schnellste Route von A nach B suchen.

Garmins Auswahl ...
Garmins Auswahl ...

Und richtig: Profile gibt’s auch bei Rad-Navis. Falk sortiert dazu sechs Stufen nach dem durchschnittlichen Fahrtempo. Garmin hingegen hat drei Profile (»Fahrrad«, »Mountainbike«, »Tourradfahren«), die sich hauptsächlich nach den benutzten Straßenarten unterscheiden. Ärgerlich dabei: Im meist zuerst ausprobierten Modus »Fahrrad« schließt das Navi unbefestigte Wege (etwa in Feld und Flur) aus – zusätzlich sogar gut ausgebaute Radwege an Bundesstraßen. Folge: Routenvorschläge aus Absurdistan. Lässt sich zwar korrigieren (unter »Routing/Aktivität/Vermeidungen« die entsprechenden Haken entfernen), aber: Wer’s nicht weiß, schimpft.

Apropos Navi-Karten: Wer vermag schon einzusehen, dass man je nach verwendeter Karte die Wege und Straßen zwar sehen, sie aber nicht für die Routenberechnung benutzen kann? So überspielen viele Tourenradler von vornherein fertig berechnete Touren von Internetportalen aufs Gerät, die man dann nur noch abfahren muss. Doch beim Überspielen lauern abermals einige böse Fallen. Denn wer es falsch anstellt, dem berechnet anschließend sein Navi die Tour kurzerhand neu – mit haarsträubenden Fehlern, wenn man, wie beschrieben, das falsche Profil gewählt hat. Papierkarte lesen ist leichter.

Als Autofahrer stöpselt man einfach sein Navi an und fährt los. Dass sich ein GPS-Radfahrer mit so vielen Detailproblemen herumschlagen muss, mögen nur die Gutwilligsten als Beleg dafür sehen, dass Radfahrer schlauer sind. Einfacher wäre trotzdem besser.

Michael Link in RadCity 3/2013