01.06.2013

Lastentransport und Kurierdienst bei Post und Telekom

Von: Katja Nicklaus

Mit dem Slogan »Sicher abstellen, entspannt zustellen« wirbt die Cycle Union GmbH für das seit 2009 für die Deutsche Post entwickelte Zustellerrad. Wenn Zustellung so einfach wäre ...

Pro Jahr durchlaufen Briefzusteller das 26-fache einer Marathonstrecke. Die Wege innerhalb von Gebäuden sind dabei nicht eingerechnet. Sie verschleißen dabei zwei Paar Arbeitsschuhe und bringen pro Tag bis zu 125 Kilogramm Post, mit Spezialkonstruktionen sogar 137 Kilogramm zu den Kunden.

Das übliche Postrad verfügt über einen eigens entwickelten Teleskopständer, den die Fahrenden per Hebelwerkzeug aus- und wieder einfahren können. Das Rad hat ein kleineres Vorderrad für mehr Wendigkeit. Der Rahmen ist pulverbeschichtet und damit recht schlagfest. Das Rad erlaubt eine Zuladung von bis zu 60 kg und hat Platz für zwei Behälter. Im Alltag sieht man oft noch Taschen links und rechts hängen.

Quadracycle Foto: (c) Deutsche Post AG
Quadracycle Foto: (c) Deutsche Post AG
Postrad noch ohne Akku.
Postrad noch ohne Akku.

Elektrounterstützung

Ein Zusteller vertraut mir jedoch an, dass es oft 100 Kg oder mehr sind, die auf einmal zugeladen werden. »Diejenigen, die einen Akku am Fahrrad haben, bleiben im Winter auch schon einmal liegen«, erzählt er weiter. Der Grund ist die höhere Selbstentladung der Akkus bei niedrigeren Temperaturen.

Aber nicht nur Akkus, sondern größere Zustellbezirke, viele Stockwerke in gründerzeitlichen Häusern und Arbeitszeiten bis zu knapp 11 Stunden machen den Postboten das Leben schwer.

Ver.di beklagt, dass es z. B. in Hamburg statt vormals 1250 jetzt nur noch 1200 Tourbezirke gibt. Ein hoher Krankenstand ist die Folge aus der hohen Belastung in diesem Knochenjob.

Postlers Traum: Das Quadracycle Wie anders gestaltet sich da die Auslieferung von Päckchen und Briefen in London. Hier wirbt die DHL mit CO2-freier Zustellung per Quadracycle – ein futuristisches Gefährt auf vier Rädern.

Die Idee des Quadracycles gibt es schon seit 1853 und wurde von Willard Sawyer entwickelt. Seitdem wurde das Fahrzeug auf vier Rädern stets weiterentwickelt. Die Einsatzbereiche reichen heute vom Tourismus über Warentransport bis hin zu Rennfahrten.

Mit einem Quadracycle ist das Halten der Balance kein Problem mehr. Das wäre schon eine Erleichterung für die Zusteller. Trotzdem blieben die vielerorts zugeparkten Fahrradwege, die noch der Benutzungspflicht unterliegen. Ebenso schwierig gestalten sich im Arbeitsalltag Schäden auf den Radwegen, die dann eine Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h konterkarieren.

Oder doch lieber ein Cargobike

Die aus der Bundespost hervorgegangene Telekom hat ein ähnliches Projekt am Start. Sie setzt auf drei statt auf vier Räder und nutzt eine Wasserstoff-Brennstoffzelle statt eines Batterieakkus. Die Telekom setzt die sogenannten H2 Cargobikes bei Kundenbesuchen ein und will nicht nur den CO2-Ausstoß mit diesem Konzept verringern, sondern auch die Gesundheit ihrer MitarbeiterInnen fördern. Da heißt es dann nicht mehr »mit dem Rad zur Arbeit«, wie bei der Aktion von ADFC und AOK, sondern mit dem Rad auf der Arbeit.

Das Cargobike wird z.B. in Berlin eingesetzt und erlaubt eine Zuladung von 150 kg. Es verfügt mit seiner Brennstoffzelle über eine Reichweite von bis zu 250 km. Das Cargobike erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 25 km/h und ist somit auf Radwegen zugelassen.

Fehlt nur noch ein Netz aus Wasserstofftankstellen. Denn so lange es diese nicht gibt, kann auch das Cargobike nicht flächendeckend fahren.

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob Quadracycle und Cargobike Modelle für eine weitergehende Nutzung sind. Leicht ist die Postzustellung trotzdem nicht: Es bleiben noch genügend Treppenhäuser, die es für Postboten und Kundendienstler zu bezwingen gilt.

Katja Nicklaus in RadCity 3/2013