28.11.2013

Licht an

Von: Olaf Schultz, Ulf Dietze, Michael Link

Ein Fahrrad, an dem alle Leuchten funktionieren? Die RadCity erklärt, wieso der Weg zu einer vernünftigen und funktionierenden Beleuchtung so schwierig zu sein scheint.

Rückleuchte eines Radfahrers auf der Fahrbahn

Klare Sache: Gutes Licht am Rad ist wichtig: Damit sind Unebenheiten und Fremdkörper auf dem Weg gut zu erkennen. Außerdem hilft’s, von anderen frühzeitig gesehen zu werden. Man mag sich als Freund der Finsternis ja noch so sicher fühlen – für die anderen taucht im Lichtergewirr der Großstadt ziemlich unvermittelt auf, wer auf Beleuchtung verzichtet. Doch so einfach und nachvollziehbar sich das anhört: Trotzdem fährt weiterhin ein nennenswerter Anteil der RadfahrerInnen unbeleuchtet durch die Nacht. Wieso? Das mag viele Ursachen haben: Durchgebrannte Leuchten (und schwieriger Leuchtenwechsel) sowie kaputte Kabel stehen auch weiterhin noch ganz oben auf der Liste der Erklärungen. Wie kommt es, dass sich ausgerechnet das Hochtechnologieland Deutschland so schwer tut mit etwas, das eigentlich so einfach ist? Dazu muss man ein wenig in die Gesetzeslage eintauchen.

Der Dynamo quietscht und eiert

Die Straßenverkehrszulassungsordnung regelt im Paragrafen 67 haarklein, wie eine Beleuchtungsanlage auszusehen hat. Danach muss ein Fahrrad mit einer stattlichen Armada von Reflektoren ausgerüstet sein: Vier gelbe an den Pedalen, ein weißer vorn, noch mal vier gelbe Reflektoren (zwei pro Laufrad, gleichmäßig verteilt, alternativ je Reifenseite ein weißer durchgehender Ring) und schließlich zwei rote Reflektoren (ein großer mit Z) nach hinten. Die Beleuchtung: eine weiße Front-Leuchte (6V/2,4W) sowie ein rotes Rücklicht (6V/0,6 Watt). Als Stromquelle für die Beleuchtung kommt bis auf Sonderfälle ein 6V/3W-Dynamo zum Einsatz. Nicht wenige Experten kritisierten, dass die vorgegebenen Spannungen nach wie vor auf die veralteten und störanfälligen Glühlampen ausgelegt sind. Allerdings sorgt das auch dafür, dass der Dynamo eben alles befeuern kann, von der altertümlichen Glühlampe bis hin zur LED-Leuchte. Was zulässig ist und was nicht, bescheinigt dabei das Lichttechnische Institut in Karlsruhe mit einem Prüfzeichen: einem Welle-Symbol und einer K-Nummer.

Trotz der peniblen Vorschriften war es den Radherstellern aber jahrzehntelang kaum möglich, zuverlässige Fahrradbeleuchtungen zu bauen: Seitenläufer-Dynamos frästen eher Löcher in die Reifen, als Energie zu erzeugen. Bei den besseren Nordlicht-Seitenläufern verbrauchte sich der Gummiring, andere Zipperlein traten bei Kollege Axa auf, von den alten Union-Rollendynamos gar nicht zu sprechen. Auch Speichendynamos brachten keinen Durchbruch – oder eben doch, aber leider zu wörtlich genommen. Hinzu kam der mächtig spürbare Widerstand beim Treten, wenn denn mal alles ging. Auch brannte gern ein Birnchen durch oder ein Kabel hatte einen Wackelkontakt. Dann kam der Nabendynamo. Er ist etwas teurer, zuverlässig und hat einen geringen Widerstand beim Pedalieren. Die subjektive Beobachtung des Radverkehrs zeigt durchaus: Die »Dunkelziffer« wurde damit verringert. Bleiben unzuverlässige Lampen und Kabel.

Akkuleuchten sind umstritten

Nun wurde im August der besagte Paragraf 67 geändert. Wer mit Dynamobeleuchtung fährt, für den ändert sich nichts. Jedoch erlaubt der neue Paragraf 67 statt des Dynamos eine anscheinend einfache Lösung: Anklemmbare Batterie- beziehungsweise Akkuleuchten. Diese sind nun auch bei normalen Fahrrädern (über 11 Kilogramm) zulässig und nicht mehr nur bei Rennrädern.

Doch diese Idee ist umstritten. Klingt zwar praktisch: Lampe an den Halter klemmen, losfahren und zum Schutz gegen Diebstahl einfach immer mitnehmen. Doch es gibt nicht nur Vorteile:

Das Deutsche Institut für Normung (DIN) bildete vor zwei Jahren einen Arbeitsausschuss zum Thema »Freigabe von Batteriebeleuchtungen für Straßenfahrräder«. Das Gremium erkannte bereits damals, dass die Technik mit Nabendynamos, LED-Scheinwerfern und -Rückleuchten mit Standlichtfunktion und Anschaltautomatik schon für sehr viel mehr Zuverlässigkeit gesorgt hatte. Und Strom für die Beleuchtung lässt sich in beliebiger Menge produzieren, wie lange auch immer die Fahrt dauern mag. Das ist bei Akkuleuchten nicht so, führte der DIN-Ausschuss an: Mit Akkuleuchten sei sogar die Verkehrssicherheit gefährdet, denn welcher Schüler würde schon absteigen und sein Rad schieben, weil die Akkus seines Scheinwerfers entladen sind? Und welcher Radfahrer sähe jeden Morgen nach dem Ladezustand seiner Akkus? Bemerkenswert auch die Frage des DIN-Ausschusses, ob der Gebrauch von millionen Akkus und Batterien im Sinne des Umweltschutzes sei. Der Ausschuss NA 112-06-02 AA stellte also den Antrag, dass auch zukünftig die Ausrüstung von Straßenfahrrädern mit einer Dynamo-Beleuchtung verpflichtend bleiben sollte. Damit setzte er sich allerdings nicht vollständig durch – Batterieleuchten sind nun auch ohne Dynamoanlage zulässig. Das legalisiert ganz nebenbei auch die Lichtanlagen vieler Pedelecs, die sich den Strom für die Beleuchtung häufig direkt aus dem Fahr-Akku holen.

Schade: Der Gesetzgeber stiftete leider Verwirrung mit seiner missverständlichen Forderung, dass die Lampe fest am Rad angebracht sein müsse. Gemeint war dann doch nur, dass die Lampe so sicher am Rad befestigt sein muss, dass die Ausleuchtung andere Verkehrsteilnehmer nicht blendet und sich auch während der Fahrt nicht verstellt. Ob die Neuregelung – wie befürchtet – dazu führt, dass sich Radhersteller den zuverlässigen und für lange Strecken günstigeren Dynamo künftig ganz sparen, müssen die nächsten Fahrrad-Kollektionen zeigen. Vielleicht wollen die Kunden auf einen Dynamo für alle Fälle nicht verzichten. Die RadCity hat für Sie Lichtanlagen für jeden Geldbeutel zusammengestellt.

Olaf Schultz, Ulf Dietze, Michael Link in RadCity 6/2013

Kontrolle der Fahrradstaffel Nähe Bahnhof Dammtor
Kontrolle der Fahrradstaffel Nähe Bahnhof Dammtor

DAS SAGT DIE POLIZEI

Die teils komplizierte Rechtslage ist das eine, die polizeiliche Praxis vielleicht noch etwas anderes. Wir befragten die Fahrradstaffel der Polizei, worauf sie bei ihren Fahrradkontrollen besonderen Wert legt:

• Fahrradbeleuchtungen und Dynamos müssen vorschriftsmäßig funktionieren und dürfen nicht verrutschen bzw. »durchrutschen« (insbesondere Seitendynamos)

• Fahrradbeleuchtungen dürfen nicht durch Taschen o. ä. verdeckt werden

• das Stecklicht muss nach vorne weiß und nach hinten rot strahlen

• es muss sich um aktive Fahrradbeleuchtung handeln (Taschen-, Stirnlampen o.ä. dürfen alleine nicht verwendet werden)

• auch am Tage muss betriebsbereites Stecklicht immer mitgeführt werden

• die Beleuchtung muss optimal eingestellt sein (wirksame Ausleuchtung, keine Blendwirkung)

• die Beleuchtung sollte frühzeitig, also auch schon bei Dämmerung oder schlechten Sichtverhältnissen eingeschaltet werden

• Stecklichter dürfen nicht in der Blinklichtfunktion eingeschaltet sein