12.08.2012

Rollende Box für Kind und Kegel

Von: Lars Kraft
Wer keine Kinder hat, schafft sich jetzt spätestens welche an: Lastenräder bringen Spaß in den Alltag. © Fotos: Sabine Pochwyt

Eine Fahrt mit dem Lastenrad ist nicht nur für die Kleinen ein Riesenspaß, sondern lässt auch die Herzen von Mama und Papa höher schlagen. Gerade in dicht bevölkerten Stadtteilen sind Cargo Bikes eine Alternative zum Auto. RadCity machte den Praxistest und fuhr zwei der rollenden Schwergewichte Probe: das nihola Family und das Bakfiets.

Test-Kandidat 1: nihola Family

Das nihola Family ist ein beliebtes Transportvelo für junge Familien. Das Trike wird in Dänemark handgefertigt und soll Kleinkinder besonders sicher befördern.

Auch bei Wind und Wetter bleibt es im nihola Family schön trocken.

Kindertransport

Der leicht abgerundete Transportkasten am Kopf des Rades ermöglicht den sicheren Transport von Kindern. Er besteht aus einem Doppelrohr-Stahlrahmen, der bei einem Unfall zusätzlichen Aufprallschutz bietet. In der Box ist eine herausnehmbare Sitzbank montiert. Bei Bedarf genügen ein, zwei Handgriffe und die Bank weicht einem Kinderautositz oder einer Babytragetasche. Ist der Nachwuchs mit dem beiliegenden 3-Punkt-Gurt gesichert, kann's losgehen. Schnell noch die richtige Sitzhöhe per Schnellspanner einstellen und schon setzt sich das Lastendreirad locker in Bewegung.

Solide Wertarbeit: Lenksytem und Bremsen

Technische Ausstattung

Die 5-Gang-SRAM-Schaltung bietet auf flachen Strecken ausreichend Schwung. Schnelle Bremsmanöver sind dank tadellos arbeitender Rücktritt- und Handbremse kein Problem. Im Stand sorgt eine Feststellbremse zusätzlich für sicheres Ein- und Aussteigen oder Beladen. Wer kurz weg muss, sichert sein nihola mit dem eingebauten Rahmenschloss. Lediglich die schwache Beleuchtung mittels batteriebetriebener Leuchtdioden ist noch ausbaufähig.

Alltagstauglichkeit

Gewöhnungsbedürftig ist der im Vergleich zu normalen Rädern größere Wendekreis. Wer jedoch im Stand das Hinterrad anhebt, kann das Bike leicht um 180 Grad drehen. Dank durchschlagsicherer Bereifung muss der Fahrer nicht permanent auf Scherben oder sonstige spitze Gegenstände auf dem Fahrweg achten. Kurze Schiebestrecken bergauf oder über eine Bordsteinkante sind aufgrund des hohen Eigengewichts schnell mühsam. Dazu kommen die Abmessungen: Mit knapp 90 Zentimetern Breite und 2 Metern Länge nimmt das Dänengefährt sowohl auf Radwegen, als auch geparkt im Flur oder vor dem Haus reichlich Platz ein. 

Fazit

Das nihola Family ist ein echter Spaßbringer. Sicherheitstechnisch – bis auf die schwache Beleuchtung – bestens ausgestattet, wird das Lastenrad aus Skandinavien schnell zum Liebling der ganzen Familie.

Test-Kandidat 2: Bakfiets Cargobike (Long-Version)

Kandidat Nummer zwei ist ein fliegender Holländer. So luftig gleitet das aus den Niederlanden stammende Bakfiets (Bak = Kiste; Fiets = Fahrrad) auf seinen pannensicheren Marathonreifen über die Straße. Für unsere Testfahrt haben wir das Cargobike in der Long-Version gewählt.

Kein Exot mehr: Lastenräder gehören in Eimsbüttel, Altona & Co. mittlerweile zum Straßenbild.

Kindertransport

Im Vergleich zur Basisausführung bietet die Long-Version Platz für zwei Klappsitzbänke oder eine zusätzliche Baby-Schale. Ideal für Großfamilien – denn in dieser Radausführung sitzen bis zu vier Kleinkinder inklusive Picknick-Korb oder Einkäufen.

Gut gesichert ist der Nachwuchs durch einen Dreipunktgurt. Dieser lässt sich allerdings nicht so einfach einstellen wie beim Wettbewerber nihola. Schön trocken bleiben kleine Passagiere samt Ladung durch das leicht aufsetzbare Regendach. Wer sich diesen Komfort wünscht, muss die transparente Plane allerdings extra dazu kaufen.

Damit der Betrieb in der Familie reibungslos läuft, spielt die ergonomische Bauweise eine wichtige Rolle. Die schnell verstellbare Sattelstütze und der Vierpunkt-Ständer sind dabei wichtige Details: Durch die Höhenverstellung des Sattels ändert sich gleichzeitig die Distanz zum Lenker erheblich. Der feste Stand und der niedrige Einstieg ermöglichen Kindern, leicht und sicher ein- und auszusteigen.

Fest im Stand, wakelig während Fahrt. Ungeübte müssen das Bakfiets erst einmal zähmen.

Technische Ausstattung

LED-Lichtanlage mit Naben-Dynamo, serienmäßige 7-Gang Shimano-Nabenschaltung und eine zugkräftige Trommelbremse vorne lassen keine Wünsche offen. Darüber hinaus liefert Bakfiets sein Cargobike mit einem Felgenschloss, zusätzlichem Gepäckträger hinten und einem geschlossenen Kettenschutz – typisch Hollandrad eben.

Alltagstauglichkeit

Die Testfahrt beginnt wackelig: der fröhlich hin und her schwingende Reifen vor der Transportbox irritiert zunächst ungemein. Also den Blick lieber nach vorne auf die Straße gerichtet – da wo er sowieso hingehört. Nach kurzer Fahrt sind Fahrer und Rad wieder im Gleichgewicht. Im Stand ist das Cargobike hingegen wesentlich stabiler. Wen wundert’s? Schließlich ruht es auf einem soliden Vierpunkt-Ständer, der sich beim Hochklappen magnetisch an die Transportbox heftet. 

Fazit

Ist das Gleichgewicht auf dem zweieinhalb Meter langen Gefährt erst einmal gefunden, lässt sich das Bakfiets Cargobike sicher durch die Großstadt steuern. Die technische Ausstattung überzeugt auf ganzer Linie.

Lars Kraft in RadCity 4/2012