25.11.2013

Sehen und gesehen werden

Von: Malte Wiedenmann

»Licht an!« – ja, wenn das mal so einfach wäre! Die Vorschriften sind verwirrend, und bei Fehlern drohen Verwarnungen und Versicherungsprobleme bei Unfällen. Die RadCity bringt Licht ins Dunkel: Was bietet der Markt dem, der Erleuchtung sucht?

Fahrradbeleuchtung aus mehreren Jahrzehnten
Olaf Schultz fotografierte für unseren Titel aus seinem Fundus lauter zugelassene Teile – bis auf den historischen Bosch-Seitenläufer. »Der wäre jedoch auch durchaus zulassungsfähig! Hat über 30 % Wirkungsgrad bei 30 km/h«. Das Bild unterstreicht einen Vorteil der bisherigen Beleuchtungsregelungen: Seit Jahrzehnten sind alle Teile untereinander kompatibel.

Die Straßenverkehrszulassung schreibt uns »lichttechnische Einrichtungen« am Fahrrad vor, die uns teils sinnvoll, teils übertrieben, teils sinnlos erscheinen.

Woraus besteht so eine Beleuchtung?

Es beginnt bei der passiven Beleuchtung. Sie besteht aus elf Reflektoren, die an allen über elf Kilo schweren NICHT-Rennrädern ständig angebracht sein muss.

Die aktive Beleuchtung besteht aus einer Stromquelle, einem Scheinwerfer, einem Rücklicht und den dazugehörigen Kabeln und Steckern. Als Stromquellen kommen Dynamos und seit kurzem auch Akkus mit einer Spannung von 6 Volt zum Einsatz. Benutzen darf man aber nur, was Prüfzeichen hat (siehe Beitrag »Licht an«). Nehmen wir uns die einzelnen Komponenten vor:

Dynamo

Lange Zeit war der klassische Seitenläufer-Dynamo Standard. Er wird direkt oder mit einer Schelle an einer Hinterbaustrebe befestigt, seltener an der Gabel. Dreht sich der Reifen, dreht sich auch das Reibrad aus Metall oder Kunststoff, und dessen Bewegungsenergie wird vom Generator im Dynamo in elektrischen Strom mit einer bestimmten Spannung umgewandelt. Der Generator soll laut Vorschrift bei 15 km/h eine Spannung von 6 Volt und einen Strom von 0,5 Ampere abgeben. Nachteile der Seitenläufer: Sie verbrauchen einen beträchtlichen Teil der aufgewendeten Kraft allein für die Übertragung vom Reifen zum Reibrad. Bei Nässe, Matsch oder Schnee besteht die Gefahr, dass das Reibrad durchrutscht und zu wenig Energie für die Lampen erzeugt. Als Vorteil ist der geringe Preis (ab ca, 8,50 Euro) zu nennen. Für Radler, die selten Licht benötigen, jedoch die gesetzlichen Vorgaben erfüllen wollen, ist der Seitenläufer eine preiswerte Variante.

Höhere Betriebssicherheit bieten Nabendynamos. Sie haben weitere Alternativen wie Speichen- Felgen- und Walzendynamos an den Rand der Bedeutungslosigkeit verdrängt. Ein kleiner Nachteil ist bei getriebelosen Modellen, dass sie im Vergleich zur normalen Vorderradnabe einen leicht erhöhten Reibungswiderstand haben. Nabendynamos gibt es ab 25 Euro im Handel. Für bessere Qualitäten sind 70 bis 120 Euro fällig, und Spitzenmodelle von Schmidt aus Tübingen sind erst ab 199 Euro zu haben. Achtung: Für Sonderanfertigungen bei Scheiben-, Rollen- oder Trommelbremsen, Steckachsen oder Dreiräder kommen teils beträchtliche Aufpreise hinzu!

Wer einen Nabendynamo nicht selber einspeichen kann oder möchte, kauft sich am besten ein komplettes Vorderrad für – je nach Speichen- und Felgenqualität – für 65 bis 300 Euro.

Scheinwerfer

Halogenscheinwerfer gibt es in anständiger Qualität ab etwa 10 Euro. Nachteil: Das etwa alle 40 Betriebsstunden nötige Auswechseln der Lämpchen geht ganz schön ins Geld. Und Halogen-Lämpchen werden durch Ablagerungen auf der Innenseite des Glaskolbens schnell dunkler.

Bei Scheinwerfern mit Leuchtdiodenlicht treten diese Probleme nicht auf, die Lebensdauer erstreckt sich laut Herstellerangaben über viele tausend Stunden! Doch auch hier gibt‘s große Unterschiede. Bei einfacheren LED-Scheinwerfern (ab 20 Euro) sitzt die Diode direkt auf der Platine, und ihr Licht wird durch eine Linse gebündelt. Höherwertige Modelle (55 bis 150 Euro) bündeln das Licht durch einen Reflektor. Das erlaubt Leuchtweiten von mehr als 50 Metern. Einige Scheinwerfer bieten sogar ein Tagfahrlicht: In diesem Modus wird das Licht der Dioden waagerecht nach vorne abgestrahlt. Auch eine Standlicht-Funktion ist nützlich, um an Kreuzungen oder Einmündungen stehend gesehen zu werden. Einige Scheinwerfer enthalten sogar USB-Anschlüsse zum Laden von Akkus oder für Navis oder Smartphones. Für solche Extras sind dann bis zu 180 Euro zu berappen.

Rücklichter

Leuchtdioden-Rücklichter gehören seit über zehn Jahren fast schon zur Grundausstattung – sie gibt es ab 18 Euro. Wer erst mal wenig Geld ausgeben will, für den gibt es weiterhin die klassischen Leuchten mit Lämpchen für unter 10 Euro.

Kabel

Verbunden werden die Komponenten mit zweiadrigem Kabel (etwa 1 Euro pro Meter) und Flachsteckhülsen, vulgo: Quetschverbinder. Wer noch sicherer gehen möchte, kann das Kabel in Bougierrohr (Kunststoffschlauch) verlegen oder das etwas teurere, aber deutlich stabilere Koaxialkabel verwenden.

Malte Wiedenmann in RadCity 6/2013

Beleuchtung für jeden Geldbeutel

Es gibt schon lange keinen Grund mehr, Fahrrad ohne Licht zu fahren. Wir haben für Sie vier Beispielpakete für unterschiedliche Budgets zusammengestellt. Der Einbau im Fachhandel schlägt mit etwa 50 Euro zu Buche.

einfache Beleuchtung

1. Scheinwerfer Halogen 10,90

2. Rücklicht 7,95

3. Seitenläufer-Dynamo 10,95

4. Kabel, Kleinteile 6,00

Summe 35,80 Euro

Nabendynamo-Beleuchtung »einfach«

1. Dioden-Scheinwerfer 20,-

2. Dioden-Rücklicht m. Standlicht 18,-

3. Vorderrad m. Nabendynamo 65,-

4. Kabel, Kleinteile 6,-

Summe 109,- Euro

Nabendynamo-Beleuchtung »Mittelklasse«

1. Dioden-Scheinwerfer 55,-

2. Dioden-Rücklicht m. Standlicht 18,-

3. Vorderrad m. Nabendynamo 155,-

4. Kabel, Kleinteile 6,-

Summe 234,- Euro

Nabendynamo-Beleuchtung »hochwertig«

1. Dioden-Scheinwerfer 129,-

2. Dioden-Rücklicht m. Standlicht 29,-

3. Vorderrad m. Nabendynamo 269,-

4. Kabel, Kleinteile 6,-

Summe 433,- Euro