10.02.2012

»Wenn möglich, bitte wenden«

Von: Vincenz Busch
Der Autor legt bei seinem Fahrrad eigentlich nicht viel Wert auf neueste Technik.

Mit Fahrrad und GPS durch die Stadt – Ein Erfahrungsbericht.

Nachdem mir auf der Straße immer wieder Radfahrer mit einem GPS-Gerät aufgefallen waren, wollte ich das selbst mal ausprobieren. Die Auswahl ist groß: Von einfachen Navis für unter hundert Euro bis zu Hochleistungsgeräten für mehrere hundert Euro; aber auch ein Smartphone lässt sich zur Navigation nutzen. Im Herbst konnte ich mir sowohl ein Outdoor-GPS-Gerät als auch ein Navigationsgerät von ADFC-Mitgliedern ausleihen und für diesen Bericht testen.

Günstig und einfach – Navigation vom Discounter

Navi vom Discounter: bei Regen besser gut verpacken.

In meinen Tests brachte mich das Gerät sicher und auf Nebenstraßen zum Ziel. Leider lag dem Gerät keine Fahrradhalterung bei, so dass man die Autohalterung mit einer selbst gebauten Konstruktion am Fahrrad befestigen müsste. Für den Test genügte es mir, das Gerät einfach in die Jackentasche zu stecken und mich von der integrierten Befehlsstimme zum Ziel leiten zu lassen. Anfangs befürchtete ich, dass der GPS-Empfang in meiner Jacke nicht ausreichend sein würde und ich häufig falsch abbiegen würde. Meine Bedenken bestätigten sich aber nicht und die Stimme kündigte vorher immer »In 100 m in die Max-Mustermann-Straße abbiegen« an. Nur bei starkem Verkehr konnte ich die Stimme trotz maximaler Lautstärke nicht verstehen und hätte mir eine Fahrradhalterung gewünscht, um zwischendurch auf die optische Wegbeschreibung schauen zu können. Von Passanten wurde ich zudem häufiger komisch angeschaut, wenn meine Jacke mich an der Ampel forsch dazu aufforderte, »jetzt links« abzubiegen.

Für jemanden, der von A nach B kommen will und den Weg nicht kennt, ist diese Lösung durchaus empfehlenswert. Nachteile sind neben der fehlenden Halterung das nicht stoß- und wasserfeste Gehäuse sowie der nicht austauschbare Akku. Die von dem Gerät berechneten Wege waren alle für Radfahrer befahrbar, auch wenn ich mir manchmal eine Alternative mit weniger stark rüttelndem Kopfsteinpflaster gewünscht hätte.

Der Alleskönner – das Outdoor-GPS-Gerät

Macht sich gut am gelben Rad: modernes Outdoor-GPS-Gerät.

Das zweite getestete Gerät war ein Outdoor-GPS-Gerät einer namhaften Firma. Dieses Gerät kann alles, was man sich mit GPS vorstellen kann, ist aber dadurch auch recht kompliziert zu bedienen und teuer. Es fängt damit an, dass beim Kauf eines solchen Gerätes nicht einmal Karten mitgeliefert sind. Diese muss man sich getrennt besorgen und die Auswahl ist ungefähr genau so riesig wie die der GPS-Geräte selbst.

Das gewählte Kartenmaterial entscheidet dann auch stark, welche Funktionen des Gerätes nutzbar sind. So lässt sich das Gerät zum Beispiel nur als Navigationsgerät benutzen, wenn das Kartenmaterial dies unterstützt, und auch der berechnete Weg hängt direkt vom Kartenmaterial ab. Es empfiehlt sich also auf jeden Fall, sich auch bei der Kartenauswahl zu informieren, damit man das Gerät auch wie gewünscht einsetzen kann.

Als reine Navigationsgeräte sind diese Geräte aber auch weniger funktional als einfache Navigationsgeräte. So beschränkt sich die akustische Ausgabe bei diesen Geräten auf Pieptöne, wenn das Gerät mitteilt, dass man zwecks neuer Informationen auf den Bildschirm schauen soll.

Natürlich liegt die Stärke des Gerätes darin, dass es noch viel mehr kann. Das Aufnehmen von Tracks machte mir wirklich Spaß. In der Testzeit fuhr ich des Öfteren kreuz und quer mit einer losen Richtungsvorgabe durch unbekannte Gebiete in Hamburg. Falls ich mich wirklich einmal leicht verloren glaubte, konnte ich mir auf der Karte des Geräts wieder eine neue Peilung in bekanntes Terrain suchen. Wenn man sich den aktuellen Ort merken will, kann man auf dem Gerät eine Markierung hinzufügen. Später kann man sich den Track zusammen mit allen Markierungen auf dem Computer anzeigen lassen und - mit der nötigen Software in »3D« - sogar abfliegen. Der Reiz ist schwierig in Worte zu fassen, ich fand es jedoch sehr interessant, während der Fahrt gar nicht auf meine Position zu achten und später am Computer zu sehen, wo ich überall vorbeigekommen bin. Des Öfteren gab es dabei auch ein überraschendes Aha-Erlebnis.

Mit einem zusätzlichen Programm können auf dem Computer Routen geplant und auf das Gerät übertragen werden. So kann man sich in Ruhe überlegen, wohin die nächste Radtour führen soll, und muss sich unterwegs über die Wegführung keine Gedanken mehr machen, vorausgesetzt das Kartenmaterial war akkurat.

Für einen Technikbegeisterten ist ein Outdoor-GPS-Gerät auf jeden Fall ein tolles Spielzeug. Es gibt bestimmt selbst nach Jahren noch neue Einsatzgebiete und Funktionen zum Ausprobieren. Der große Vorteil dieser Geräte ist die Konstruktion als Outdoor-Gerät. So beinhaltet das Gerät eine Fahrradhalterung, ist stoß- und wasserfest (bis zu einem gewissen Grad) und hat als Stromquelle Standardakkus, die man leicht auswechseln und laden kann. Nachteile sind der sehr viel höhere Preis und der viel größere Beschaffungs- und Betriebsaufwand. Gerade für Menschen, die nur ein funktionales Navigationsgerät haben möchten, sind die vielen Einstellungs- und Funktionsmöglichkeiten eher Fluch als Segen.

Vincenz Busch in RadCity 1/2012

Beratung rund um GPS: ADFC-Arbeitskreis GPS