24.11.2011

Bei Anruf Hausbesuch

Von: Michael Prahl

Rad eins kaputt, Rad zwei macht Probleme? Schnell verkommt der Rad-aktive Mensch zur Immobilie – doch das muss nicht sein. Bei Hunger bestellt man sich eine Pizza ins Haus, und jetzt kann man sich bei Bedarf eben auch den Fahrradmechaniker in Haus kommen lassen: einfach telefonisch Termin vereinbaren und abwarten, was passiert.

Es klingelt an der Haustür, deren Milchglas von einer massigen Silhouette verdunkelt wird. Felix Viole ist ohne Frage ein ganzer Kerl: Typ Wagenheber oder besser einer, der so etwas nicht braucht. Doch anstatt der barschen Phrase »Wo steht das Klavier?!« begrüßt dich der 23-jährige Hüne mit einem freundlichen Lächeln und kräftigem Händedruck.

Das Trekkingrad hat einen Schlag in der Vorderradfelge, der Pannensichere ist blank und die V-Brakes hinten sind runter. Und die Ultegra der Rennmaschine zickt mal wieder rum.

Ihr Patient, Herr Doktor.

Felix öffnet die Hecktüren seines am Straßenrand geparkten Werkstattmobils und offenbart den Blick auf eine komplette Profiausrüstung auf engstem Raum. Flugs erwächst aus dem Nichts ein mannshoher Montageständer, in den der gelernte Zweiradmechaniker das Fahrrad einhängt – natürlich mit einer Hand.

Mobiler Fahrradladen in Hamburg
Innensechskant statt Skalpell: erst die Diagnose, dann die Behandlung

»Und damit messe ich den Schlag«, erklärt er, während er ein nie gesehenes Spezialwerkzeug mit Messgerät an der Gabel anklemmt. Nachdem die Speichennippel neu gespannt sind, läuft das Rad wieder rund. Nun wird der bestellte neue Mantel samt Schlauch montiert. Natürlich ein pannensicherer, diesmal von einer andern Marke, mit mehr Profil vor allem an den Seiten. Schließlich heißt es im Winter »No grip, no fun.«

Jetzt noch die V-Brakes am Hinterrad. »Grenzwertig«, murmelt Felix, »tja, und der Seilzug ist fast hin ...« Tatsächlich sind die Beläge fast bis auf den Metallträger durchgebremst und der Bowdenzug ist ausgefranst.

Für den Laien ist es eine Freude, dem Fachmann bei der Arbeit zuzusehen und noch etwas dazuzulernen. Auf dumme Fragen erhält man kluge Antworten und geduldige Erklärungen. Der Mann liebt seinen Beruf, keine Frage, und er strahlt dabei mit jeder Faser grundsolides Handwerk aus – da ist nichts hip oder fancy.

Operation geglückt

Nach gut einer Stunde hat er das Trekkingrad repariert und das Rennrad inspiziert und sorgfältig justiert, nicht ohne höchstselbst eine abschließende Proberunde zu drehen.

Die präsentierte Rechnung geht voll in Ordnung – da ist auch noch ein Trinkgeld drin. Eigentlich ist es sogar billig, wenn man bedenkt, dass man den Weg zum Fahrradladen hin und zurück mit zwei defekten Bikes eingespart hat, bei nettem Klönschnack auf die Reparatur warten konnte und obendrein noch eine Lehrstunde in Zweiradmechanik erhalten hat. Wer darauf verzichten will, mag sich währenddessen angenehmeren Dingen widmen, wie z.B. Bügeln, Staubsaugen oder Rasenmähen ...

Mit seiner Geschäftsidee »Mobiler Fahrradladen« möchte Felix Viole Leute erreichen, die keine Zeit, keine Lust oder keine Möglichkeit haben, einen Fahrradhändler aufzusuchen, und solche, die ihr Rad möglichst schnell repariert haben möchten. Neben den Reparaturen werden auch Ersatzteile besorgt und Neuräder verkauft. Ein richtiger Fahrradladen eben, der mittlerweile für den jungen Unternehmer die Existenzgrundlage geworden ist.

Text und Fotos Michael Prahl für RadCity 6/2011

Mobiler Fahrradladen
Felix Viole
22159 Hamburg
Tel. 0178 - 204 333 1
info@mobiler-fahrradladen.de
www.mobiler-fahrradladen.de