02.08.2009

Der Navigator

Von: Ulf Dietze

Seinen Weg findet ADFC-Tourenleiter Stefan Kayser schon seit Jahren nicht mehr nur auf der Radwanderkarte, sondern auch auf digitalen Karten, im Internet und nicht zuletzt mithilfe seines GPS-Gerätes am Lenker. Nun will er den Einstieg in die schwer zu ergründende Welt der Satelliten­navigation erleichtern: Ende August startet seine Firma »preferad« mit dem Verleih von GPS-Geräten für Tagestouren in der Metropolregion. Außerdem soll eine »GPS-Werkstatt« Anfängern wie auch Erfahrenen die Möglichkeiten und Grenzen der Satellitennavigation vermitteln – mit Tipps, Hintergrundwissen und viel Praxis.

Radcity: Deine Firma heißt preferad. Nicht ganz eindeutig auszusprechen, was hat es damit auf sich?

Stefan Kayser: Den Namen gibt es, seit ich mir die ersten Notizen zum Thema Selbstständigkeit gemacht habe. Ganz am Anfang dachte ich an so etwas wie einen »Professionellen Recherchedienst für erlebnisreiche Radreisen«, kurz preferad. Außerdem gefiel mir das Wortspiel mit dem Begriff Präferenz in Verbindung mit Rad. Weil Präferad aber ziemlich schräg daherkommt, lehne ich mich eher ans englische »prefer« an, also »etwas bevorzugen«.

Wenn du dir schon so viel Gedanken um den Namen gemacht hast, wie lange hast du dann über deinem Geschäftskonzept gebrütet?

Das zieht sich tatsächlich schon eine Weile hin. Vor acht Jahren hörte ich das erste Mal von GPS. 2007 fing ich an, mir mit GPS-Tracks und GPS-Schulungen für touristische Regionen eine Existenz aufzubauen. Das funktioniert gut, hat aber auch gezeigt, dass GPS für das Rad noch ganz am Anfang steht, viel Überzeugungsarbeit erfordert und sehr arbeitsintensiv ist. Meine Pläne reichen aber über GPS hinaus.

Wie sehen deine aktuellen Pläne aus?

Besonders auf Tages- und Kurzreisen fällt die Orientierung oft schwer. Ich möchte daher Ende August mit dem Verleih von GPS-Geräten beginnen, die eine kleine, aber gut dokumentierte Anzahl von Touren in der Metropolregion anbieten, Arbeitstitel »60/3«. Das soll heißen, dass die Touren nicht weiter als 60 Kilometer vom Hauptbahnhof oder Altona entfernt sind, mit den Regionalbahnen im HVV-Gesamtgebiet innerhalb von einer Stunde ohne Umsteigen erreicht werden und dann ca. 60 Kilometer radtouristisches Neuland erschließen. Die Anfahrt ist für HVV-Abokartenbesitzer am Wochenende sogar kostenlos …

… mal abgesehen von einer Fahrradtageskarte für 3,50 € …

Dafür bietet der erweiterte Geltungsbereich dem Hamburger ein großes Landschaftspotenzial: Wendland, Kehdinger Land, Holsteiner Auenlandschaft oder die Seen und Wälder im Herzogtum Lauenburg – das alles ist höchstens eine Stunde von der Stadt entfernt!

Und dort kommt dann vermutlich die elektronische Navigation ins Spiel!?

Ja! Meist ist die Anreise schon ein kleines Abenteuer, vor allem wenn man nicht regelmäßig mit der Bahn unterwegs ist. Am Ziel beginnt die eigentliche Herausforderung: Entweder muss ich auf einer Radwanderkarte den Einstieg in eine Tour finden, oder ich suche nach der Beschilderung einer Themenroute, der ich folgen möchte. Beides ist schwierig und das bleibt es auch für den Rest der Tour.

Ein GPS-Gerät am Lenker kann eine Radtour leichter machen. Allerdings müssen ein paar Voraussetzungen erfüllt sein: Der Tourenradler sollte ausreichend Erfahrung mit dem eigenen oder einem geliehenen Navigationsgerät haben. Von preferad kommen die GPS-Daten, und dazu umfassende Informationen für eine erfolgreiche Tour: Wann und wie oft fährt die Bahn, wo verläuft die Strecke und was finde ich am Wegesrand an Einkehrmöglichkeiten, Picknick- und Badeplätzen oder tollen Aussichten. Zusätzlich gibt es Unterstützung im Bedarfsfall: Wo sind Werkstätten und wann haben sie geöffnet? Welche Nummer hat das örtliche Taxiunternehmen? Nicht zuletzt: Wer hilft mir, wenn gar nichts mehr geht?
Das wäre dann preferad! Unterm Strich glaube ich, dass es ein gelungener Tagesausflug werden kann, wenn alle Rahmenbedingungen stimmen, und preferad gibt sich dafür große Mühe.

Hört sich nach rundum-sorglos-Paket an. Hat aber sicher seinen Preis, oder!?

Ja, an dem Punkt wird es immer schwierig, was ist die Sache wert? Ein Blick ins Internet offenbart Dutzende von Radportalen, die Tracks kostenlos zur Verfügung stellen. Aber die Kehrseite ist, dass man die Qualität nicht einschätzen kann. Hat da jemand am Schreibtisch eine Strecke zusammengeklickt oder ist es die Hausrunde eines Hundebesitzers … Mir wäre meine Freizeit zu schade, sie einem der vielen tausend Kilometer aus dem Internet anzuvertrauen, um nach einem halben Tag zu bemerken, dass sich da jemand einen Scherz erlaubt hat. Wenn aber jemand für gute Vorbereitung, gut ausgearbeitetes Infomaterial und noch dazu ein GPS-Leihgerät einen gewissen Betrag in Rechnung stellt, ist das eine sinnvolle Investition. Meine Preise gibt‘s ab September auf der Webseite.

Und davon kannst Du in Zukunft leben?

Frag mich das in einem Jahr! Ich glaube daran, dass viele Radtouristen sich Unterstützung wünschen, die ihren Bedürfnissen entspricht.

Die Ausarbeitung von Touren in der Metropolregion ist aber nur ein Standbein. Daneben möchte ich in einer »GPS-Werkstatt« Besitzern und Interessierten die praktische Anwendung der Geräte nahebringen. Das funktioniert nach meiner Erfahrung nicht nach dem Besuch eines Infoabends oder eines Kompaktseminars. Die für Radfahrer geeigneten Geräte sind komplex, haben aber nur ein mäßiges Handbuch. Wer sein Gerät sicher beherrschen will, muss viel Zeit investieren. Meine »GPS-Werkstatt« bietet Informationen und Hintergründe zu den Geräten. Hier kann man sich in kleiner Runde entweder vor dem Kauf ausführlich informieren oder nach dem Kauf Schritt für Schritt mit dem eignen Gerät vertraut machen. Das verkürzt die mühselige Startphase erheblich.

Nun verrate noch deine StadtRad-Idee!

Die Grundidee ist, individuelle Stadttouren anzubieten. Das StadtRAD (siehe Seite 14) bietet neue Möglichkeiten, die Stadt zu entdecken. Von August bis Oktober 2009 werde ich das ausprobieren: Mittwoch bis Freitag komme ich auf Bestellung innerhalb einer halben Stunde zu einer der fast 70 Fahrradstationen. In der Zeit können sich Gäste oder Neuhamburger anmelden und ein Rad ausleihen. Dann verabreden wir gemeinsam Richtung und Thema der Stadttour: das reicht von der Shopping-Tour durch drei Szeneviertel bis hin zu dem Wunsch, sich einfach mal eine oder zwei Stunden durch die Stadt leiten zu lassen, über ruhige Straßen, vorbei an einem versteckten Café oder durch einen der vielen Parks, die Hamburg so attraktiv machen …

Das Interview führte Ulf Dietze für RadCity 4/2009

Stefan Kayser

preferad

Dienstagabends finden Entdecker-Touren mit eigenen oder Leihrädern durch die „angesagten Stadtviertel“ statt. Mittwoch bis Freitag können zwischen 10:00 Uhr und 18:00 Uhr kurzfristige City-Trips mit dem StadRAD oder Leihrädern gebucht werden. Jeden Donnerstag von 18:30 – 21:00 Uhr ist »GPS- Werkstatt« zum Lernen, Ausprobieren und Ausleihen. Am Wochenende finden unregelmäßig begleitete Touren durch Norddeutschland mit kleinen Gruppen statt. Weitere Informationen: ab dem 4. September 2009 im Internet: www.preferad.de per Mail: preferad@hamburg.de oder Telefon: 040 / 89 01 93 23