11.04.2012

Entspannt zu Hamburgs Hot Spots cruisen

Von: Lars Kraft

Hamburg City Cycles bietet eine umweltfreundliche Alternative zu klassischen Stadtrundfahrten. Hier können selbst Hamburger noch eine Menge lernen. RadCity traf Lars Michaelsen, den umtriebigen Chef des jungen Bike-Unternehmens, zum Interview auf St. Pauli.

Lars Michaelsen

RadCity: Wie bist du auf die Idee gekommen, geführte Radtouren durch Hamburg anzubieten?

Lars Michaelsen: Während meines Studiums in Berlin habe ich eine geführte Radtour durch die Stadt mitgemacht. Dieses Erlebnis hat mich so begeistert, dass ich mir ein Konzept für spannende Touren durch Hamburg überlegt habe. Sozusagen als aktive Alternative zur klassischen Stadtrundfahrt mit dem Bus. Der Trend zu mehr Bewegung und umweltschonendem Tourismus spielte mir dabei erfreulicherweise in die Arme.

Was macht eine Stadterkundung auf zwei Rädern so besonders?

Mit dem Rad nimmst du das Feeling einer Stadt viel intensiver wahr. Eine Bustour rast relativ schnell an den Dingen vorbei. Bei unseren Fahrten geht es entspannt zu. Die Teilnehmer können unterwegs auch mal stehen bleiben und sich umsehen. Es bleibt mehr Zeit für Fotos, Hintergrundinfos und den interaktiven Austausch mit den Guides. Ein weiteres Plus ist, dass wir mit den Rädern auch schwer zugängliche Ecken erreichen können. Autos oder gar Busse haben hier oftmals keine Chance.

Ist euer Programm hauptsächlich auf Touristen ausgerichtet oder auch ein Geheimtipp für echte Hamburger?

Was hat es mit den Straßennamen auf sich? Der Tourguide weiß Bescheid.

Unsere Gruppen sind bunt gemischt. Wer zum ersten Mal in Hamburg ist, will natürlich die Klassiker sehen, wie den Hafen, den Michel oder die Reeperbahn. Selbstverständlich decken unsere Touren alle bekannten Attraktionen ab. Wir haben auch Leute aus Hamburg dabei, die ihren Gästen die Stadt zeigen. Dabei entdecken sie oft selbst noch unbekannte Ecken und erfahren die Geschichten hinter Hamburgs berühmten Wahrzeichen. Es ist zum Beispiel erstaunlich, wie viele alteingesessene Hamburger noch nie durch den alten Elbtunnel gefahren sind.

Hamburg verkauft sich gerne als moderne maritime Metropole. Nichtsdestotrotz sind viele stadtpolitische Entwicklungen umstritten. Geht ihr in euren Touren darauf ein?

Stadtführungen ohne eine transparente Darstellung der Verhältnisse sind aus meiner Sicht nicht komplett. Beispielsweise ist in der HafenCity ein gänzlich neuer Stadtteil mit erstaunlicher Architektur entstanden. Dennoch sollen unsere Gäste auch erfahren, welch enorme gesellschaftliche Diskussion den Bau der Elbphilharmonie begleitet.

In anderen Stadtteilen, wie etwa St. Pauli, ist das Thema Gentrifizierung hoch aktuell. Hier geht es darum, wie sich ehemals preisgünstige Viertel durch den Zuzug wohlhabender Einwohner verändern. Diesen Brennpunkten der Stadtentwicklung widmen wir eine eigene Tour.

Mit welchen Vorurteilen habt ihr zu kämpfen?

Hamburgs Wahrzeichen, wie den Michel oder den alten Elbtunnel, per Rad entdecken.

Einige Leute meinen, drei Stunden Fahrt seien sehr lang und anstrengend. Wir achten jedoch auf ein geruhsames Fahrtempo, machen ausreichend Pausen und kehren auch mal in ein Lokal ein.

Andere wiederum haben Sicherheitsbedenken oder Angst vor Pannen. Dabei kommt man in der City auf ausgebauten Nebenstrecken erstaunlich gut voran. Für den Fall der Fälle sind unsere Guides fit bei der Pannenhilfe und als Ersthelfer.

Auch das berühmt-berüchtigte Hamburger Schietwetter macht uns weit weniger zu schaffen, als man annehmen könnte. Seit der Gründung von Hamburg City Cycles musste nur eine Handvoll Touren wetterbedingt ausfallen.

Was habt ihr 2012 Neues zu bieten?

In dieser Saison steht der jüngste Stadtteil Hamburgs im Fokus – die HafenCity. Unsere neue Tour startet sonntags nachmittags in St. Pauli. Knapp drei Stunden lang erkunden wir gemeinsam dieses einzigartige Bauprojekt. Von der Speicherstadt über die Elbphilharmonie bis hin zu den Elbbrücken. Wer es kräftesparend mag, kann auf der knapp zehn Kilometer langen Strecke eines unserer neuen Elektroräder nutzen.

Wohin zieht es dich persönlich, wenn du Städte mit dem Rad erkundest?

Überall wohin ich komme, besorge ich mir als Erstes ein Fahrrad. Damit lässt sich die Gegend herrlich entspannt erkunden. Zurzeit bin ich gerne in Südeuropas Hauptstädten unterwegs. Metropolen wie Rom und Lissabon sind nicht unbedingt für ihre Fahrradfreundlichkeit bekannt. Trotzdem gibt es dort ein wachsendes Radangebot für Besucher. Auf diese Weise kommt man seinem Reiseziel ganz besonders nah.

Interview: Lars Kraft in RadCity 2/2012
Fotos: Klongtham Benjasirimongkol, Hamburg City Cycles

Lars Michaelsen (35)

ist waschechter Hamburger und immer wieder fasziniert von seiner Heimatstadt. Trotzdem zog es den Diplom-Landschaftsplaner zuerst zum Studium nach Berlin und dann in die weite Welt. Nach Arbeitsaufenthalten in Mexiko, Australien und Spanien kehrte er 2008 in die Hansestadt zurück und gründete sein Unternehmen Hamburg City Cycles.

Neben Klassikern wie der Hafentour und der Außenalster haben Michaelsen und sein Team auch Spezialthemen wie die »Gentrifizierungs-Tour« im Programm. Unter der Woche sind nachmittags auch spontane und individuelle Touren möglich.