03.04.2013

Hoch hinaus im tiefen Sitz

Von: Katja Nicklaus

In der Reihe »Hobbythek« strahlt der NDR 1984 eine Sendung zum Liegerad aus. Zwei interessierte Zuschauer sind die Brüder Kurkofka, die kurz nach ihrem Abitur in Eigenregie ihr erstes Liegedreirad bauen.

So fing alles an: Bernd und Reiner Kurkofka mit ihrem Selbstbau-Liegedreirad 1986
So fing alles an: Bernd und Reiner Kurkofka mit ihrem Selbstbau-Liegedreirad 1986

Dabei soll es nicht bleiben. »Liegeräder hatten ein Sandalen-Image«, so erzählt mir Bernd Kurkofka. Die Brüder wollen das Ansehen des Liegerades verbessern und setzen es als Sportgerät ein. Nachdem Reiner und Bernd Kurkofka schon einige Mountainbike-Rennen absolviert haben entschließen sie sich zwischen 1995, 1996 und 1998 an den HEW-Cyclassics teilzunehmen.

Sie fahren im vorderen Drittel mit und stehlen vielen Rennrädern mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 39,5 km/h die Show. 1999 werden Liegeräder allerdings bei den Rennen wegen angeblicher Sicherheitsrisiken verboten.

Die Kurkofka-Brüder sind da aber schon nicht mehr am Start, da sie viel Zeit in ihr Fahrradgeschäft in Harburg investieren – eine logische Folge aus dem Wunsch, professionelle und alltagstaugliche Räder für eine breite Bevölkerung anzubieten.

Power und Komfort

Der Traum vom Liegerad wird aber nicht erst in den 1980er Jahren geboren, sondern bereits im 19. Jahrhundert. In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg erlangen dann die Liegeräder des Leipzigers Paul Rinkowski internationale Bekanntheit. In den 50er und 60er Jahren passiert nicht viel: Es ist das Zeitalter der Motorisierung. Neues Statussymbol ist das Auto und die Verkehrsplanung passt sich dem an. Erst mit der Ölkrise in den 1970er Jahren wird das Primat des Automobils wieder hinterfragt. Der Boden für Entwicklungen im Radsektor ist geebnet.

Es ist also kein Wunder, dass in den 80er Jahren ein neues Interesse am alten Liegerad aufkommt. Ergonomisch und mit Perspektive auf effizienten Krafteinsatz ist es anderen Radtypen überlegen.

Wer nun eine kleine Zeitreise zu den verschiedenen Liegeradtypen unternehmen möchte, kann das mit dem Quartett »Human Powered Vehicles« tun, das es bei den Brüdern Kurkofka zu kaufen gibt – oder eben selbst eines ausprobieren.

Katja Nicklaus in RadCity 2/2013

RBK im Web: www.rbk-fahrräder.de