12.12.2014

Sorgenfrei zum Festival

Von: Amrey Depenau
Fahrradgarderobe

Eine Lösung fürs Fahrradparken bei Großveranstaltungen

Wenn diese RadCity erscheint, wird es abends früh dunkel und auf dem Rad müssen wir uns warm und regenfest anziehen. Noch nicht lange her jedoch, da radelten wir im T-Shirt umher, stöberten auf der Altonale herum, genossen die Atmosphäre auf der MS Dockville und später beim großartigen Reeperbahn-Festival. Immer dabei: die FahrradGarderobe.

Wie jetzt?

Eine rollende Garderobe, wo man doch eh nur ein T-Shirt anhat? – Nee, endlich eine sichere und komfortable Möglichkeit, zu Großveranstaltungen dein geliebtes Edelrad mitzunehmen und sicher zu sein, es nach dem Event genauso heil und am gleichen Platz vorzufinden – Wegweisung per Taschenlampe inklusive. Ach ja, einen netten Schnack gibt's natürlich auch immer gratis.

Anfänge

Die Geschichte der FahrradGarderobe beginnt 2012 mit der Idee, auf kleineren Festivals einen Fahrradverleih anzubieten. Die Umweltwissenschaftlerin Helen Schepers bewegt die Frage der Nachhaltigkeit solcher Events, ihr Co-Gründer Michael Kellenbenz bringt Erfahrung in der Konzert- und Festivalszene ein. Auf dem Immergut-Festival in Neustrelitz werden sie später angesprochen, ob sie nicht neben dem Verleih auch bewachte Stellplätze anbieten können. Die FahrradGarderobe ist geboren, doch wie soll sie konkret aussehen? – »Mit ein paar Freunden haben wir dann bei einem Kaffee zusammengesessen und rumgesponnen.«, erzählt Kellenbenz. »Wir stellten uns eine leere Wiese vor. Jemand nahm einen Fahrradlenker in die Hand und wir spielten Fahrradgarderobe. 'Hallo, ich möchte mein Fahrrad abgeben! – Ja, dann komm mal mit …' «

Preisverdächtig

Im Mai 2013 geht es dann richtig los, Altonale, Dockville, Hurricane – rund 3000 Räder parken 2013 in der FahrradGarderobe, die Schepers und Kellenbenz nun unter dem Label KonzertKultour betreiben. Leben kann man davon noch nicht, aber es ist ein Anfang. Im Frühjahr 2014 gibt es für diese wunderbare Idee den Deutschen Fahrradpreis in der Kategorie »Fahrradfreundlichste Entscheidung – Freizeit/Tourismus«. Nach und nach steigt die Nachfrage nach dem Service-Angebot und damit auch der Bekanntheitsgrad. »Ach, ihr seid auch wieder da. Schön.« oder »Ihr wart doch neulich auch bei …« hören sie immer häufiger. In diesem Jahr sind es schon gut 7000 Räder, die den Schutz der FahrradGarderobe in Anspruch genommen haben.

Aussichtsreich

Jetzt im Winter läuft die Akquise für 2015. Die Zahl von 2014 soll übertroffen werden. Im Idealfall zahlen die Veranstalter einen Festbetrag, sodass das Risiko durch Wetter und andere Widrigkeiten nicht an KonzertKultour hängen bleibt. Schepers und Kellenbenz sind nun auch gefragt worden, ob sie nicht neben der klassischen FahrradGarderobe die Ständer zum Verkauf anbieten wollen. Zu den Interessenten gehören Hauseigentümer und Wohnungsbaugenossenschaften. Aus einer Idee beim Sonntagskaffee ist in kurzer Zeit ein aussichtsreiches Klein-unternehmen geworden. Ich freue mich schon darauf, im Februar bei der ADFC-Radreise-Messe mein Rad an die FahrradGarderobe zu hängen.

Amrey Depenau in RadCity 6/2014

kurz erklärt

Die FahrradGarderobe besteht aus Ständern, die durch ein langes Leichtmetallrohr verbunden sind. Das Fahrrad wird mit seiner Sattelspitze darüber gehängt. Als zweiter Fixpunkt steht das Vorderrad auf der Erde. Die Räder werden durchgehend von Aufsichtspersonal bewacht und sind umzäunt. Der Rahmen kann zusätzlich am Rohr angeschlossen werden. In der Regel übernimmt der Veranstalter die Kosten der FahrradGarderobe. In Einzelfällen wird eine Stellgebühr erhoben. Auf der Homepage fahrradgarderobe.de ist auf einem Terminkalender zu sehen, bei welchen Events die FahrradGarderobe angeboten wird.