18.11.2012

Alter Schwede – ein Monark aus den 50ern

Von: Katja Nicklaus
Dieses Monark-Damenrad aus den 50-er Jahren würde das Museum der Arbeit gerne in einer Ausstellung präsentieren.
Ein Metallkasten zum Aufbewahren von Schloss oder Flickzeug
»Geschenk der Schwedischen Kirche«

Ein schwedisches Luxusfahrrad in Hamburg

Monark, Fahrradproduzent aus dem schwedischen Varberg, ist heute bekannt für Lastenräder wie Long John oder Transportscooter. Auf dem Programm stehen aber ebenso Heimtrainer und Spezialräder für Menschen mit Behinderung. Erst in den letzten Jahren verkauft sich die seit 1908 bestehende Marke in Deutschland, in den 50er Jahren gab es sie hier jedoch nicht. Das Monark-Damenrad aus den frühen Jahren der Bundesrepublik ist also ein echter Zufall.

Eine Plakette am Sitzrohr weist es als Geschenk der schwedischen Kirche, vermutlich an eine Einrichtung der evangelischen Kirche Deutschlands, aus.

Wie es ins Museum der Arbeit kam, ist nicht dokumentiert. Es dürfte sich jedoch um eine Spende handeln.

Die schwedische Firma wurde bereits 1908 in Varberg von Birger Svensson gegründet und entwickelte sich in der Folgezeit zum größten Fahrradproduzenten des Landes.

Dabei war die Karriere des Unternehmers nicht voraussehbar. Svensson war ein einfacher Bauernsohn, dem es gelang, für die Firmengründung Kredite einzuwerben. In Spitzenzeiten lag die Produktion bei bis zu 1000 Zweirädern aller Art pro Tag, da Monark auch Motorräder produzierte. In den 60er-Jahren kam es jedoch zu Entlassungen, Werksstilllegungen und einer Bereinigung der Produktpalette.

Monark wurde 1973 an Volvo verkauft und gehört heute, ebenso wie Bianchi, zu Grimaldi Industri AB. Das hier gezeigte Fahrrad stammt also aus einer Zeit, in der Monark noch eine große Produktpalette anbot.

Das Fahrrad als aussagekräftiger Zeuge der Vergangenheit

Am interessantesten sind jedoch die Details am Museumsobjekt, die etwas über Fahrradgeschichte erzählen. So hatte beispielsweise das Rocknetz (jetzt nur noch teilweise vorhanden) am Fahrrad eine wichtige Funktion: Bis in die 50er-Jahre war das Hosentragen bei Frauen häufig verpönt. Eine Ausnahme stellten Sport und Freizeit dar. Fuhr nun eine Frau zur Arbeit, so war sie in jedem Fall auf das Rocknetz angewiesen, damit ihr Petticoat nicht zwischen die Speichen geriet.

Besonders hervorzuheben ist auch der Schwanenhals in einer atypischen Form (unten verlaufen die Rohre breiter auseinander). Er unterstreicht die Funktion als Damenrad. Anders als beim Diamantrahmen war ein niedriger Einstieg und somit das Tragen von Röcken möglich.

Fast in Vergessenheit geraten ist auch die kleine Feder zwischen Rahmen und Gabel, die verhindert, dass das Vorderrad umschlägt, wenn man es auf dem Ständer abgestellt hat. Weitere auffällige Komponenten weisen das Rad als komfortabel aus. So ist beispielsweise eine Weimann-Bremse mit Mittelzug montiert, die, ähnlich einem Schraubstock, eine sehr gute Bremswirkung vorne erzeugte. Ein zusätzlicher Rückstrahler und ein Metallkasten am Gepäckträger für Schloss oder Reparaturwerkzeug sind weitere Besonderheiten dieses Fahrrades.

Der Tourenbügel ist zudem so angebracht, dass eine aufrechte Sitzposition möglich ist. Dies unterstreicht die Bequemlichkeit des Fahrrades.

Zusammengefasst weist sich das Museumsobjekt als seltenes Fundstück für Räder aus den 50er-Jahren aus. Es wäre übrigens nach nur kleinen Instandsetzungsarbeiten fahrbereit.

Katja Nicklaus in RadCity 6/2012
Fotos: (c) Ulrich Gumz