05.04.2014

Geburtsstunde der Radwege (Teil 2)

Von: Katja Nicklaus

1913 erschien die Radfahrverordnung der Freien und Hansestadt Hamburg bereits in der zweiten Auflage. Es handelte sich um ein Konvolut aus 16 goldenen Regeln für den Radverkehr. Hier ein kleiner Auszug Beim Wort »Bankett« denkt man sofort an ein leckeres Festmahl zum Schlemmen. Uropa dachte dabei aber auch an unbefestigte Seitenwege neben dem holprigen Kopfsteinpflaster. Auf diesen musste er nämlich fahren, wenn er sich als Radfahrer außerhalb geschlossener Ortschaften bewegte.

Innerhalb der Stadt gab es Radwege und auf den Wegen und Plätzen, die für Fuhrwerke bestimmt waren, war das Radfahren ebenfalls gestattet. Allerdings konnte dieses geduldete Radeln jederzeit durch ortspolizeiliche Vorschriften oder für einzelne Fälle getroffene polizeiliche Verordnungen aufgehoben werden. Zum Radfahren gab es noch weitere Vorschriften, die Uropa vorsorglich einen Hang zum Rowdytum (modern: Kampfradler) unterstellten.

Verordnung betreffend den Radverkehr nebst Anhang von 1913 in der zweiten Auflage; Staatsarchiv Hamburg, Verordnung betreffend den Radverkehr 1913 (2. Aufl.).
Verordnung betreffend den Radverkehr nebst Anhang von 1913 in der zweiten Auflage; Staatsarchiv Hamburg, Verordnung betreffend den Radverkehr 1913 (2. Aufl.).

Mach die Pferde nicht scheu

Eine weitere Passage der Rad-ordnung informiert uns nämlich darüber, dass man weder Wettrennen fahren noch Fuhrwerke umkreisen darf und Tiere nicht zu beunruhigen sind.

Keine Regel ohne Ausnahme: Eine Personengruppe musste der Verordnung nicht folgen:

Zucht und Ordnung gelten nicht für alle

Uropa sollte den Polizeibeamten einfach an seiner Dienstmütze erkennen. Na, wenn da mal kein Hauptmann von Köpenick dabei war! Militärpersonen, Polizisten und ausnahmsweise auch Post- und Telegraphenbeamten war es gestattet, die Radordnung zu umfahren, denn für diesen Personenkreis war sie nicht gültig, solange er im Dienst war.

Alle anderen mussten die Regeln beachten und hatten darüber hinaus ab einem Alter von 14 Jahren auch noch eine Radfahrkarte bei sich zu tragen sowie einen Ausweis. Bei Zuwiderhandlung mussten unsere Vorfahren 60 Mark Strafe oder eine Haft von bis zu 14 Tagen verbüßen. Im Zweifelsfall war es also manchmal schlauer, abzusteigen.

Katja Nicklaus in RadCity 2/2014

Teil 1 dieses Beitrags konnten sie in der RadCity 3/2013 lesen.