06.06.2010

Mit dem Rad zu Airbus

Von: Amrey Depenau, Vincenz Busch

Nicht wenige Airbus-Beschäftigte fahren täglich mit dem Rad nach Finkenwerder. Auch auf dem Werksgelände werden viele Wege so zurückgelegt. Nun soll sich sogar ein eigens dafür verpflichteter Student um den »Fahrradstandort Hamburg« kümmern.

Der erste wirklich sanfte Frühlingstag Ende April. Oberhalb des Fähranlegers Teufelsbrück, auf dem jüngst neu gestalteten Platz, empfängt uns ein Haufen glitzernder Räder. Wir rollen zum Ponton hinunter und holen uns erst mal ein Eis, da wir recht früh dran sind. Erst um vier erwarten uns Claudia Lessel und Bernd Everding am Airbus-Werksanleger. Sie wollen uns zeigen, wie Airbus-Mitarbeiter »mit dem Rad zur Arbeit« kommen und welche Möglichkeiten sich ihnen auf dem Gelände bieten.

Mit unserem Eis begeben wir uns auf die Fähre 68, den »Airbus-Shuttle«, der im 8-Minuten-Takt zwischen den Elbufern pendelt. Auch einige Radler wie wir sind unterwegs. Fährt man »mit dem Rad zu Airbus«, ist man also offensichtlich keine Exotin.

Nur zu Besuch

Ohne Airbus-Ausweis ist man aber doch ein Fremdkörper, wie wir erleben dürfen, als wir am Werkstor Kontakt mit dem Security-Personal aufnehmen. Es dauert einige Telefonate und Personalausweise, dann haben wir die Besucher-Legitimation. Wir befestigen sie sichtbar an unserer Kleidung und schieben unsere Räder auf die Brücke, die zum Werksgelände führt. Da nahen auch schon Bernd und Claudia, die uns herzlich begrüßen und sogleich die neuen überdachten Fahrradabstellanlagen präsentieren, an denen einige hundert Räder parken. Neben den Privaträdern der Mitarbeiter stehen hier auch unzählige der werkseigenen Gefährte, die an markanten Nummernschildern erkennbar sind. Modelle in den tiefen Hundertern haben offensichtlich schon einige Jährchen auf dem Buckel, während jene im vierstelligen Bereich neueren Datums sind. Sich auf dem Werksgelände mit dem Rad fortzubewegen hat also Tradition bei Airbus.

MiRAcle!

Die modernen Abstellanlagen deuten darauf hin, dass für mit dem Rad Anreisende etwas getan wird. Claudia und Bernd setzen sich mit ihrer Initiative MiRAcle!* für die Belange der Rad fahrenden Airbus-Mitarbeiter ein. Auf einer Intranet-Seite informieren sie über Angebote für Radler und animieren zum Mitmachen. Die Beschäftigten finden dort z. B. eine Liste der Duschen, die für sie auf dem Gelände zur Verfügung stehen.

Wir lassen uns zum Plausch an einem kleinen Teich nieder, wo Bernd begeistert von der Idee berichtet, am 2. Juni die weltweite Aktion Airbus International Cycle to Work (AIC2W) durchzuführen. In Airbus-Unternehmen von den USA bis China soll an diesem Tag das Fahrrad als Verkehrsmittel für Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen. In Hamburg sind unter anderem eine Lotterie und Infostände geplant.

Nicht immer Spaß

Im Alltag kämpfen die Radler oft noch mit Widrigkeiten: Die Fährverbindung zum Beispiel ist ein Nadelöhr (Titelfoto). Im Sommer sind die Fähren überfüllt, denn es sind rund 12.000 Menschen, die jeden Tag auf dem Airbus-Gelände ihren Job machen – Gäs­te noch nicht eingerechnet. So erklärt sich die eingangs erwähnte »Perlenkette«, denn viele Airbusler lassen ihr Rad einfach auf der anderen Elbseite und nutzen die Werksräder auf dem Gelände.

Hinzu kommen Radverkehrsanlagen, die an manchen Stellen des weiträumigen Geländes ähnlich unkomfortabel gestaltet sind, wie man es vom Hamburger Stadtbild kennt. Auch die Möglichkeiten, sich umzuziehen, sind begrenzt. »Die Spinde sind ein Engpass«, erklärt Bernd, »so dass man oftmals ein Fahrradtrikot an erfindungsreichen Stellen im Büro versteckt sieht.«

Da ist es erfreulich, dass Airbus einen Studenten engagiert hat, der im Rahmen des Facility-Managements für den Fahrradstandort Hamburg zuständig ist. Das MiRAcle!-Team arbeitet schon an Vorschlägen für eine weitere Verbesserung des Service.

Insgesamt – überschlägt Bernd – fahren ca. 600 Beschäftigte überwiegend mit dem Rad zur Arbeit. Rund 200 beteiligten sich im vergangenen Jahr an »Mit dem Rad zur Arbeit« (MdRzA). Das will Bernd als Koordinator des Projektes in 2010 noch übertreffen. Sein Ziel: »Im Kopf-an-Kopf-Rennen unter den erfolgreichsten MdRzA-Betrieben die Nase vorn zu haben.«

Tour d'Airbus

Nun verschwindet langsam die Sonne von unserem Teich und Claudia und Bernd schlagen eine Fahrrad-Rundtour über das Airbus-Gelände vor. Selbst auf dem Rad beeindruckt die Weitläufigkeit des Geländes. Überall stehen fertige Maschinen in den Farben der verschiedensten Fluggesellschaften. Als wir uns der Startbahn nähern, hebt gerade ein Flugzeug ab. »Das ist die Maschine, die zwischen Hamburg und Toulouse pendelt«, klärt uns Bernd auf. Auf der Hochwasserschutzanlage geht es zurück zu unserem Ausgangspunkt. Plötzlich ein flappendes Geräusch. Vince hat einen Platten. Kein Problem: Bernd zaubert Werkzeug und Flicken aus der Satteltasche und in allerschönstem Teamwork wird in kurzer Zeit und warmer Abendsonne das Rad wieder funktionstüchtig gemacht. Dabei entstehen auch noch lustige Fotos.

Au revoir

Wir sind am Ende unseres Besuchs und Claudia begleitet uns noch ein Stück in Richtung Westtor. Nun zeigt sich auch, dass sie nicht umsonst vorher Rücksprache mit der Pressestelle gehalten hat: Während Vince noch ein bisschen herumfotografiert, nähert sich ihm die Security und fragt mit gerunzelter Stirn nach der Erlaubnis. Eine kurze Erklärung, dann dürfen wir weiterradeln. Am Ausgang geben wir unsere Besucherausweise ab. Nun sind wir wieder ganz normale Erdenbürger, die sich am Anleger Finkenwerder noch ein Eis kaufen.
Am 1. Juni beginnt MdRzA – dann werden wir sehen, ob das rührige MiRAcle!-Team seine Ziele erreicht. Wir drücken die Daumen!

Amrey Depenau (Text), Vincenz Busch (Fotos)

*MiRAcle!– Mit dem Rad zu Airbus – clever!

Die Firmenräder auf dem Gelände tragen eigene Nummernschilder.
Der Radweg führt über den »Taxiway« zur Startbahn – durch Schranke gesichert.
Claudia Lessel, Amrey Depenau und Bernd Everding im Gespräch.
Airbus bietet alles: alte, wenig taugliche Abstellplätze ...
... und moderne, überdachte Anlagen
An diesem Fußgänger­überweg müssen Radelnde von der linken Seite auf die Fahrbahn wechseln. Missverständnisse wegen der vielen VerkehrsteilnehmerInnen unbekannten Vorfahrtregelung sind häufig.
Fotograf Vincenz mit einem Low-Tech-Problem auf dem High-Tech-Gelände.
Auf dem weitläufigen Firmengelände helfen Fahrräder, die Wegezeiten zu verkürzen.