06.06.2010

Skalpell! Tupfer! Fahrradbügel!

Von: Marcus Steinmann

Das Fahrradkonzept des UKE ist weitgehend umgesetzt.

Hunderte von Helfern setzen in mühevoller Kleinarbeit akkurat einen Stein hinter den anderen und reagieren euphorisch, wenn alle Steine nacheinander umfallen. Was beim »Domino Day« auf RTL das Ziel aller Träume ist, ist für viele Radfahrer des UKE mitunter ein Ärgernis gewesen: Der sogenannte »Domino-Effekt«. Vor dem Neuen Klinikum fielen immer wieder viele nebeneinander abgestellte Fahrräder um. Mangels geeigneter Abstellanlagen.

Das hat sich mit der neuen, großzügigen Abstellanlage geändert. In unmittelbarer Nähe zum Neuen Klinikum können die Räder jetzt hier parken. Seitdem stehen nur noch vereinzelt Räder frei vor dem Neuen Klinikum. Die neue Abstellanlage ist ein Ergebnis des »Konzepts zur Förderung des Fahrradverkehrs«.

Der Startschuss

Im Jahre 2007, im Zuge der Errichtung des Neuen Klinikums, brachte eine vom UKE beauftragte Erhebung zum »Verkehr im Bereich des UKE« Beachtliches zu Tage.

37,86 % der befragten Beschäftigten, Studierenden, ambulanten Patienten, Besucher und Lieferanten kommen demnach bei trockenem Wetter mit dem Fahrrad. Bei schlechtem Wetter sind es immerhin noch 25,39 %. Zum Vergleich: Der Anteil, der mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege an allen Wegen liegt in Hamburg aktuell bei 12%. Und die Mitarbeiter des UKE bildeten mit 61,30 % den Löwenanteil der Befragten. Angespornt durch die Ergebnisse der Befragung, beauftragte der Vorstand das Bau- und Projektmanagement des UKE mit der Erarbeitung eines »Konzepts zur Förderung des Fahrradverkehrs«. Durch die bewusste Förderung des Radverkehrs sollten die Gesundheit der Mitarbeiter erhöht, Parkplatzprobleme für KFZ reduziert und das Image des UKE verbessert werden.

Neue Abstellanlagen

Konkretes Ziel des Konzepts war es, genug Abstellanlagen auf dem Gelände des UKE zu schaffen. Hatte doch rund ein Drittel der Befragten 2007 mehr und bessere Abstellanlagen gefordert. Damit sie auch gut angenommen und genutzt werden, sind die Abstellmöglichkeiten auf dem Gelände des UKE überall dort errichtet worden, wo besonders viele Beschäftigte, Patienten oder Besucher einen solchen Parkplatz für ihr Rad brauchen. Laut Herrn Meyer-Mettegang, dem verantwortlichen Bauleiter im KFE-Baumanagement sind nun ausreichend Stellplätze vorhanden. Ob und wie sie sich bewähren, könne aber nur die Praxis, sprich der kommende Sommer zeigen. Noch befinden sich auf dem Gelände einige »Felgenkiller«, bei denen nur das Vorderrad eingeschoben werden kann. Diese sollen aber allesamt ersetzt werden.

Tempo 30-Zone und Mischverkehr

Auf dem gesamten Gelände des UKE gilt nun Tempo 30 als Höchstgeschwindigkeit. Radfahrende sind im Mischverkehr unterwegs, was gut funktioniert. Meyer-Mettegang sieht keine generellen Probleme mit zu schnell fahrenden PKW.

Einen Vorteil hat der Radverkehr an den mit Schranken versehenen Ein- und Ausfahrten. Hier gibt es eine eigene Spur, die an der Schranke vorbeiführt.

Gemeinsamer Fuß- und Radweg

»Ich konnte hier an der Martinistraße früher mit meinem Fahrrad nur über einen zu schmalen Fußweg oder durch das alte Hauptgebäude auf das Gelände gelangen«, sagt Meyer-Mettegang. Also eigentlich gar nicht. Denn man darf weder auf einem Fußweg noch durch Gebäude fahren. Diese Situation ist im Rahmen des Konzepts gelöst worden: Am alten Hauptgebäude führt jetzt ein gemeinsamer Geh- und Radweg aufs Gelände.

Fazit

»Insgesamt ist das Konzept fast umgesetzt«, meint Meyer-Mettegang. Ob er persönlich mit dem Konzept zufrieden sei? Ja, durchaus. Das größte Problem stellten ursprünglich die fehlenden und zu schlechten Abstellanlagen dar. Dies sei nun weitestgehend gelöst. Eine 2007 von den Befragten gewünschte Selbsthilfewerkstatt, in der man sein Fahrrad reparieren kann, soll noch eingerichtet werden.

Marcus Steinmann in RadCity 3/2010

Das UKE

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hat ca. 5800 Mitarbeiter. Davon sind 1085 als ÄrztInnen und NaturwissenschaftlerInnen beschäftigt. 2153 Mitarbeiter arbeiten in Therapie und Pflege. Das UKE verfügt über 1369 Betten. Am UKE werden pro Jahr ca. 50.000 Patienten stationär und 70.000 ambulant behandelt. Hinzu kommen noch rund 43.000 Notfälle. Damit ist das UKE eines der größten Krankenhäuser in Hamburg.

Die Gemeinschaftsflächen am neuen Haupteingang sorgen für ein friedliches Miteinander.
Fahrradbügel sorgen nun dezentral für sicheren Stand. Letzte Felgenkiller sollen noch ersetzt werden.
An den Zufahrten führen Radspuren an den Schranken vorbei.
Der neue gemeinsame Geh- und Radweg zur Martinistraße