20.05.2011

Aktive Klarinette

Von: Amrey Depenau
Hamburger Symphoniker 2010
Foto: matthias@mramor.de

Mit dem Rad zur Probe – Musiker der Hamburger Symphoniker fahren Rad

Laeiszhalle, am Sonntagabend, Bruckners vierte Sinfonie, oder lieber Symphonie, denn es spielen die Hamburger Symphoniker. Elegant schwarz gekleidete Damen und Herren, die ihren funkelnden Instrumenten leidenschaftlich romantische Klänge entlocken.

Wer würde vermuten, dass sich unter ihnen viele leidenschaftliche Radfahrer und Radfahrerinnen befinden? – Doch genau so ist es: ein Viertel des rund siebzigköpfigen Orchesters kommt häufig mit dem Rad zu den Proben, einige wenige sogar zu den Auftritten. Der Arbeitsalltag eines Orchestermusikers ist natürlich etwas anders angelegt als jener eines Verwaltungsangestellten. Manchmal wird auch zweimal an einem Tag geprobt und die Auftritts- und Probenorte wechseln häufig. So kommt das Fahrrad den Musikern mit seiner Flexibilität sehr entgegen.

Aktive Klarinette

Unter ihnen ist auch der Klarinettist Herbert Rönneburg, ADFC-Aktiver und passionierter Reiseradler. Vor einigen Jahren »outete« er sich im Orchester als ADFCler und ist seitdem Ansprechpartner für alles rund ums Rad. Im vergangenen Jahr ergriff er erstmals die Initiative, möglichst viele Symphoniker für die Teilnahme an »Mit dem Rad zur Arbeit« zu bewegen. 13 machten mit, darunter auch der damalige Gast-Dirigent Ulrich Windfuhr, der sogar durch ganz Deutschland mit Bahn und Birdy fährt. Die Teams traten unter so inspirierten Namen wie »Holzflüsterer« oder »Sturmbrausen« an und erfüllten die Vorgaben mit Bravour.

Normal

Für einige der Musiker war die Teilnahme an MdRzA eher so etwas wie eine »gute Tat«, da sie ohnehin mit dem Rad gekommen wären und den Ansporn nicht brauchten. Der Kontrabassist aus Pinneberg hat sein Instrument am Probenort und fährt die Strecke ausschließlich per Rad, ebenso der Pedelec-Fahrer, der sogar aus einem kleinen Ort noch hinter Ahrensburg anreist. Es gibt auch »Hardcore«-Radler im Orchester, die grundsätzlich alles mit dem Rad machen. Viele andere wurden jedoch durch die ADFC-Initiative inspiriert, einmal mehr aufs Rad zu steigen.

Steigerung

So gelang es Herbert Rönneburg in diesem Jahr sogar, 18 Musiker für die Aktion zu gewinnen. Sie mussten allerdings auch nur »ja« sagen, denn der Klarinettist hat Spaß daran, die Radfahraktivitäten im Orchester zu organisieren und bereitet alles perfekt vor. »Ich war elf Jahre im Orchestervorstand und hatte nun Zeit für ein neues Betätigungsfeld«, schmunzelt er. Eine gute Entscheidung, denke ich und nehme mir vor, häufiger ein Konzert der Hamburger Symphoniker zu besuchen – oder ihre Aktivitäten zumindest auf Facebook zu verfolgen.

Amrey Depenau in RadCity 3/2011

http://www.hamburgersymphoniker.de/index.htm

Ulrich Windfuhr, Sommerdirigent im Jahr 2010, macht immer B&B (Bahn und Birdy), wenn er seine über die Republik verteilten Termine wahr nimmt.
14 Kollegen der Hamburger Symphoniker nahmen im letzten Jahr an der Aktion »mit dem Rad zur Arbeit« teil. Einige haben sich zum Gruppenfoto vor der Hamburger Laeiszhalle versammelt. In diesem Jahr sind es schon 18 Musiker, die sich für den Weg zur Arbeit aufs Rad schwingen.