27.05.2011

Bis der Arzt kommt – und zwar mit dem Rad

Von: Amrey Depenau, Vincenz Busch
Fahrräder am Geländer

25% Radverkehrsanteil – was im Hamburger Durchschnitt noch Utopie ist, hat das Personal der Asklepios-Klinik Barmbek schon realisiert. Ein geschätztes Viertel der 1430 Mitarbeiter fährt mehr oder weniger häufig mit dem Rad zur Arbeit. Vor allem Ärzte und Verwaltungsangestellte nutzen das Fahrrad als regelmäßiges Verkehrsmittel, darunter auch mehrere Chefärzte und -ärztinnen.

Die Initiative

Ideale Voraussetzungen, um sich als »Fahrradfreundlicher Betrieb« vom ADFC zertifizieren zu lassen. Das fand auch ADFC-Mitglied Dr. Hauke Heihn: Unterstützt von Sinje Sperber, einer weiteren »ADFC-Ärztin«, brachte er das Anliegen im Frühjahr 2010 bei der Klinikleitung ein. Schließlich ließ sich die Geschäftsführung überzeugen, nachdem sich auch die PR-Abteilung und der technische Leiter dafür ausgesprochen hatten. PR-Referentin Karen Schäfer, die selbst jeden Tag mit dem Rad kommt, koordiniert nun alle Aktivitäten auf dem Weg zum fahrradfreundlichen Krankenhaus.

Der Zaun

Ihrer Einladung folgend radeln wir an einem freundlichen Frühlingsmorgen zum Rübenkamp, um uns für die RadCity ein Bild von den Möglichkeiten zu machen, die die Asklepios-Klinik Barmbek ihren radelnden Mitarbeitern bietet. Am Haupteingang ein vertrautes Bild: Am Zaun, der die tiefer gelegenen PKW-Stellplätze umschließt, drängen sich Fahrräder dicht an dicht. Wir benötigen einige Sekunden, um freie Plätze für unsere Bikes zu finden. Beim Blick die Treppe hinunter sehen wir einen »Käfig«, in dem einige edlere Räder stehen. Die frei zugänglichen überdachten Stellplätze sind leider Felgenkiller. Nur wenige sind belegt.

Der Berater

Minuten später treffen wir Karen Schäfer und lassen uns in ihrem Büro eine kurze Einführung geben. »Ja, der Zaun wurde schon immer als Abstellmöglichkeit genutzt. Wir wollen das auch weiterhin gestatten. Die Felgenkiller werden demnächst durch ordentliche Bügel ersetzt, auch ein Hinweisschild zu den überdachten Abstellmöglichkeiten ist schon beauftragt«, kann sie uns beruhigen. »Das gehört auch zu den Hinweisen, die uns Herr Hörmann im vergangenen August gab.« - Wilhelm Hörmann berät Unternehmen, die fahrradfreundliche Betriebe werden wollen. Der ADFC-Fachmann prüfte damals das Krankenhaus anhand des Kriterienkatalogs sozusagen auf Herz und Nieren und gab Tipps zur Verbesserung.

MdRzA 2010

Seitdem ist viel passiert. Sinje Sperber organisierte in 2010 die Teilnahme an Mit dem Rad zur Arbeit: 65 Mitarbeiter in 21 Teams meldeten sich kurzfristig. Neben den Preisen der bundesweiten ADFC-Kampagne motivierte die Klinikleitung die Teams durch eine betriebsinterne Tombola, bei der es unter anderem Globetrotter-Gutscheine und eine Radtourplanungssoftware zu gewinnen gab.

Die Stellplätze

Nun reißen die Aktivitäten kaum noch ab. Die Asklepios-Kliniken haben ein Programm »Asklepios aktiv«, das die Gesundheit der Mitarbeiter fördern soll und in das die Barmbeker Fahrrad-Initiative eingebunden werden konnte. Im Dezember 2010 wurde der oben schon beschriebene Käfig eingeweiht. Für die 70 Stellplätze sind momentan sogar 85 Schlüssel ausgegeben – der Schichtdienst macht's möglich. Ein kleiner Wermutstropfen ist noch die Treppe, die auf dem Weg zu den Stellplätzen überwunden werden muss. Die Schiebeschiene für die Räder ist so schmal, dass Frau Schäfer in einem Selbstversuch (siehe Abbildung) fast daran scheitert. Ein Besucher, der sein Fahrrad vor unseren Augen hinunterträgt, beschwert sich ebenfalls. »Ja, das ist noch nicht optimal«, bestätigt die PR-Referentin. »Wir überlegen gerade, wie man die Schiene zu einer Rampe verbreitern kann, ohne auf der anderen Seite die Fläche der Treppe zu sehr einzuschränken.«

Der Service

Direkt an den Stellplätzen informiert ein Schaukasten interessierte Radfahrer. Auch die in loser Folge erscheinende Mitarbeiterzeitung »Wir Barmbeker« hat eine feste Rubrik, die über fahrradfreundliche Neuigkeiten berichtet. Zum Beispiel über die Kooperation mit Gräber Räder an der Fuhle, die den Krankenhaus-Angestellten im Februar einen Wintercheck zum Spezialpreis bescherte und dauerhaft einen Notfallreparaturservice beinhaltet.

Der Code

In der März-Ausgabe der Zeitung wurde auch die Codier-Aktion angekündigt, die just am Tag unseres Besuchs durchgeführt wird. Frau Schäfer zeigt uns die provisorische Werkstatt in der Garage, wo gerade auch ihr eigenes Rad mit der unverwechselbaren Zahlen-Buchstaben-Kombination versehen wird. Der anwesende Wachtmeister fragt, ob er das Infoblatt an das Klinikum Eppendorf weitergeben könne, da dort ebenfalls eine Codier-Aktion stattfinden soll. »Gerne«, lächelt Frau Schäfer.

Sie weiß, dass das Krankenhaus Barmbek auf dem Weg zum fahrradfreundlichen Betrieb schon ein gutes Stück zurückgelegt hat. Weitere werden folgen: »Jährlich sind zwei Aktionen geplant, z.B. ist ein Fahrradpflege-Workshop angedacht.« – Da teilt man doch gerne ;-)

Die Besucher waren Amrey Depenau und Vincenz Busch für die RadCity 3/2011

Karen Schäfer balanciert ihr Rad die Rampe hinunter.
Im abschließbaren »Käfig«.
Erst im Mai kamen die Fahrradbügel in die Abstellanlage, die zuvor nur Felgenkiller bot.
An einer fest installierten Standpumpe lassen sich die Reifen jederzeit auf den richtigen Druck bringen.
Komfortable Nasszellen sind im Krankenhaus Pflicht, genauso wie hier jeder seinen Spind hat.