02.08.2009

Planung ist alles

Von: Hauke Heihn

GPS nützt im Alltag

ADFC-Mitglied Hauke Heihn ist ein GPS-Fan der ersten Stunde. Für die RadCity zeigt er an zwei Beispielen, dass GPS nicht nur bei der Tourenplanung über Land sehr nützlich ist, sondern sich auch im städtischen Alltag als praktischer Begleiter erweist.

Von Groß Borstel mit dem Rad nach Harburg

Wir wohnen in Groß Borstel und wollen mit dem Rad eine Ausstellung in Harburg besuchen: »Geht nicht!« ist der erste Gedanke. Von Groß Borstel nach Harburg mit dem Fahrrad? Unmöglich: Viel zu weit und hässliche Straßen.

Ein Blick in den ADFC-Radatlas zeigt: Man könnte mit dem Fahrrad ja durch den alten Elbtunnel, aber dann? – Da ist ja Wilhelmsburg, ganz dicht: Gleich hinter dem Spreehafen. Weiter durchs Grüne an den Vehringkanal: sieht schön aus auf der Karte. Dann geht’s auf einer Diagonalen durch Wilhelmsburg unter der Wilhelmsburger Reichsstraße durch und parallel weiter entlang den Kleingartensiedlungen.

Hört sich doch gut an. Ich werfe den PC an und lasse mir die Karte von Wilhelmsburg anzeigen: Mit dem Radatlas vor mir klicke ich die Etappenpunkte auf der Karte am PC an. Erstaunen: Gerade mal 13,3 km bis zum Harburger Bahnhof. Mit den 11 km von Groß Borstel also 24 km, kein Problem! Per Klick wird diese Route auf das GPS-Gerät geladen und wir rauf aufs Rad!

Nach dem alten Elbtunnel geht es an Blohm & Voss vorbei zum Reiherstieg: Wasser, Brücken und Wege in alle Richtungen. Prompt fahren wir falsch, aber schon nach kurzer Zeit klärt das GPS den Irrtum auf und bringt uns zurück in die Spur nach Wilhelmsburg. Ich bin verblüfft: Wir sind nur drei km von den Landungsbrücken entfernt.

Das GPS leitet uns nun weiter Richtung Harburg und wir entdecken eine stillgelegte Bahntrasse, die als Rad- und Fußweg quer durch Wilhelmsburg führt. Über die Süderelbbrücke erreichen wir schließlich die Stadt Harburg, aber dank der markierten Route auf dem GPS finden wir rasch und unkompliziert zum Ort der Ausstellung.

Wege finden mit dem GPS – ohne die Vorplanung, die Entfernungsberechnung und die Markierung einer schönen grünen Route wären wir nie mit dem Rad nach Harburg gefahren!

Zum Baden an den Großensee

Wir wollen zum Baden an den Großensee, natürlich mit dem Auto, geht ja nicht anders. Oder vielleicht doch? Mal schauen, ob es vielleicht doch einen schönen Weg gibt, der zu schaffen wäre. Ich setze mich wieder an den PC vor die elektronische Hamburg-Karte und schlage den Radatlas auf.

Der Start ist einfach – es geht durch den Stadtpark – aber wie weiter? Auf Übersichtskarten kläre ich die grobe Richtung: erst an der U-Bahn entlang bis zur Trabrennbahn, dann mitten durch die ehemalige Trabrennbahn und runter zur Wandse. Die markanten Punkte und Abbiegepunkte der Tour werden auf dem Bildschirm angeklickt und so für die Tour festgehalten: Merken könnte ich mir diese Punkte nie und sie wiederfinden schon gar nicht. Und ich will ja nicht an jeder Ecke stehen bleiben und die Karte studieren: Wo bin ich jetzt und wo wollte ich eigentlich fahren?

Der Weg entlang der Wandse ist einfach, aber wie weiter? Von früheren Touren erinnere ich den »historischen« Radweg auf der alten Bahnlinie von Glinde nach Trittau: Den müsste man nutzen! Also in Rahlstedt die Wandse verlassen, dann klicke ich mich im Zickzack-Verfahren durch Wohngebiete und die Feldmark und über die Autobahn bis zum Radweg nach Stellau. Weiter geht es Richtung Lütjensee, bis man hinter Papendorf zum Großensee abbiegen kann:
Die Routenplanung zeigt 31 km, was machbar wäre, obwohl ich die Distanz zuerst als »unmöglich zu radeln« eingeschätzt hatte. Die Tour besteht den Praxistest mit Bravour und nach dem Bad und einer Stärkung fahren wir mit der U1 von Kiekut zurück.

Möglich wurde auch dies erst durch die Vorplanung am Schreibtisch und das Festhalten der Route auf dem GPS: Dadurch finde ich neue Wege, muss nicht ständig anhalten und bewältige Distanzen, die ohne GPS nur mühsam mit vielen Orientierungsstopps zurückzulegen wären: Hätte ich früher ohne GPS nie gemacht und wohl auch keine Mitradler gefunden. Dank GPS wissen die nun genau, worauf sie sich einlassen: 31 km sind wirklich 31 km und sie können nach zwei Stunden tatsächlich ins kühle Nass springen …

Hauke Heihn in RadCity 4/2009

Ausstattung

  • Karte auf dem PC topographische Karten 1:25.000 oder 1:50.000 (von Magic Maps) und Openstreetmap (kostenlos, aber teilweise noch nicht mit allen Details)
  • GPS-Gerät Garmin GPSmap 60 Cx
  • Software zum Übertragen der Daten vom PC auf das GPS-Gerät »Mapsource« (von Garmin mitgeliefert) oder »TTQV« (komfortabler, aber teuer)
  • Kosten für solch ein Navigations-Paket? Je nach Ausstattung und Karten etwa 300,- bis 600,- Euro (man kann auch mehr ausgeben)
Das GPS-Gerät führt auf der am Computer ausgearbeiteten Route, ohne dass unterwegs noch ein Kartenlesen notwendig wäre.
So sehen die am PC ausgearbeiteten Strecken nach Harburg ...
... und zum Großenseee auf einer Karte aus.
»Zusätzlich zu der Investition in die Geräte benötigst du natürlich Lust, am Computer zu planen und die Bereitschaft, Programme und Karten zu installieren.« Hauke Heihn bei der Vorbereitung der Harburg-Tour.