09.02.2016

Refugees welcome – Radfahren mit Geflüchteten

Von: Ute Brandt

Von Frauen für Frauen

Jörg Rosteck, IFFM
Im Dezember 2015 startete die ADFC-Projektgruppe »Radfahren mit Geflüchteten«.

Ein erster Erfahrungsbericht

Samstag, der 12. Dezember, 10 Uhr morgens, Hamburger Schmuddelwetter: Amrey und ich warten, ausgestattet mit kleineren Fahrrädern und Übersetzungshilfen, vor einem Wohnblock für Geflüchtete in Altona auf unseren ersten "Einsatz". Marc aus der Geschäftsstelle hatte uns per Aushang für ein erstes Treffen "Kennenlernen und Radfahren von Frauen für Frauen" angekündigt. Angesichts des nassgrauen Himmels fragen wir uns, ob eine Frau kommt, da biegt schon Rana* um die Ecke.

Die ersten Radfahrerfolge

Rana, syri­sche Kurdin, hat ein Baby, was ihren Aktionsradius einschränkt - etwa für Sprach- und Radfahrkurse. Wir verständigen uns mit ein paar Brocken Deutsch, Händen und Füßen, während Rana tapfer das Auf- und Absteigen, Bremsen und Radeln probiert. Bald kommt die Ägypterin Nayla hinzu. Sie spricht gut Deutsch und bringt ihr eigenes, gebraucht erworbenes 24-Zoll-Mädchenrad mit. Nayla dolmetscht Arabisch und wir erfahren, dass sie bereits einen Radfahrkurs absolviert hat, an dem Rana nicht teilnehmen konnte. Außerdem verrät sie uns, dass für viele Flüchtlingsfrauen kleine Räder besser seien. Und sie spricht ein wenig über die Bleiberechtsprobleme und beide Familien. Alle vier radeln wir in der näheren Umgebung, bis Rana, für die das neue Verkehrsmittel anstrengend ist, erschöpft und mit unseren Glückwünschen für ihre ersten Radfahrerfolge heimgeht.

Radeln & Klönen

Wir anderen drei radeln zur Ottenser Einkaufszone und zeigen Nayla, die immer besser fährt, wie sie mit dem Rad dorthin gelangt. Im Sommer können wir mit ihr weiter an die Elbe radeln. Regen und Kälte treiben uns dann per S-Bahn heimwärts, wobei Nayla stolz den Fahrstuhl ablehnt und ihr Rad trägt. Vor dem Wohnblock klönen wir noch, tauschen Handynummern aus. Wir verabschieden uns gerade, als Ranas Mann Jamal auf die Straße tritt und uns spontan zum Kaffeetrinken in die Wohnung einlädt. Dort treffen wir Rana, das Baby und zwei Kinder im Grundschulalter. Jamal, der perfekt Englisch spricht, ist es wichtig, dass alle Deutsch reden. Wir unterhalten uns über die Fluchtgeschichte der Familie, Schule und vieles andere. Trotz Schietwetter ein schöner Beginn mit für alle Seiten interessanten Gesprächen!Sobald es wieder wärmer wird, bieten wir wieder "Radtouren von Frauen für Frauen" an. Angedacht sind weitere Touren, die auf die Bedürfnisse von Geflüchteten abgestimmt sind.

Ute Brandt in RadCity 1/2016

*Namen wurden von der Redaktion geändert.

Mitmachen!

Der ADFC-Arbeitskreis »Radfahren mit Geflüchteten« freut sich über Unterstützung.