05.06.2014

Großer Sport auf kleinen Rädern

Von: Jörg Maltzan

Bei der World Klapp 2014 in Berlin kämpften die besten Klapprad-Fahrer der Welt um Bestzeiten. Der Mix aus Radrennen, Szeneparty und Karneval wird immer beliebter. Kommt der World Klapp 2015 nach Hamburg?

Ganz cool schiebt der Typ im goldenen Glitzeranzug sein Klapprad zur Startrampe. Ihm folgen 127 weitere schräge Vögel in bunten Hemden, Perücken auf dem Kopf oder in fantasievolle Kostüme gewandet. Nur eines ist allen Startern beim World Klapp in Berlin gemein: der Schnauzbart. Er ist Pflicht.

Ohne Bart kein Start

So heißt es streng in den Qualifikationsbedingungen. Selbst der größte Spaß hat seine Regeln. Zu denen zählt, dass die Wettkampfmaschinen aus den 1970er-Jahren stammen, mit 20 Zoll-Rädern bestückt sind, auf keinen Fall eine Schaltung besitzen und über ein Klappscharnier verfügen. Rennmodus ist ein Vierer-Mannschaftszeitfahren. 32 Teams aus ganz Deutschland haben sich qualifiziert. Wer vorn sein will, braucht eine ausgefeilte Windschattentechnik. Die besten Fahrer erreichen über 50 km/h in der Spitze. Soll keiner sagen, Klapprad-Rennen seien kein Sport.


Noch wichtiger ist das ganze Drumherum. Mensch und Material sprühen nur so mit 70er-Jahre-Zeitgeist um sich. Denn mit der skurrilen Rennparty wollen die Veranstalter an das Lebensgefühl der Flokati- und Schlager­ära erinnern. Damals strampelte man mit einem Klapprad von Kalkhoff oder Liga über Campingplätze oder zum Bäcker. Heute werden sie rennmäßig umgebaut. Ganz Ambitionierte wechseln Kettenblatt und Reifen, drehen Lenker nach unten und montieren Rennsattel.

Klappe ab!

Dann geht es los: Drei, zwo, eins, Start – mit kräftigen Tritten düsen die Fahrer Richtung Brandenburger Tor. Die Rennszenen, die sich auf der Straße des 17. Juni abspielen, haben höchsten Unterhaltungswert. Zu große Männer auf zu kleinen Rädern stampfen in die Pedale, als ginge es um den Sieg bei der Tour de France. Die Zuschauer sind begeistert und feuern die Klapprad-Helden heftig an. Rennradfahrer kann man ja überall sehen. Aber 20-Zoll-Piloten mit Aerohelmen auf dem Kopf bieten offenbar ein größeres Spektakel.

Ach ja: Ein Siegerteam gibt es am Ende auch. Die schnellste Zeit erzielte die Berliner Mannschaft »Mad Kingxx« mit einer Zeit von 8:19 Minuten und einem Stundenmittel von über 40 km/h. Wann und wo der nächste World Klapp ausgetragen wird, steht noch nicht fest. Hamburg gilt dafür als ganz heißer Kandidat. Weil Klapprad-Enthusiasten das Spektakel unbedingt an die Elbe holen wollen, wird geprüft, ob der World Klapp im Rahmen der Cyclassics im August 2015 starten kann.

Jörg Maltzan in RadCity 3/2014

Fotos: Jörg Maltzan, S. Krieger

Info

Der World Klapp wird veranstaltet vom Pfälzer Klappverein e.V., c/o Peter Zürker, Frankenstr. 10, 67373 Dudenhofen, E-Mail: info@world-klapp.de