04.10.2015

Auf den Spuren von Schweden und Häfen

Von: Anne-Karin Tampke

Von Stade nach Bremervörde und ins Teufelsmoor. Eine Tour mit viel Kultur und Natur

 

Humor auf dem Dorf?
TourteilnehmerInnen in Stade

Stade, Stade, hier ist Stade. So war noch vor 20 Jahren die Ansage auf dem Bahnhof der Stadt. Die Geschichte Stades reicht aber über 1000 Jahre zurück. Die Hansestadt war im 13. Jahrhundert der wichtigste natürliche Hafen zwischen Cuxhaven und Harburg.

Die Schweden beherrschten die Stadt bis 1712 und bauten sie zu einer wichtigen Festung mit großem Wallgraben aus. Im Schwedenspeicher, dem ehemaligen Provianthaus am alten Hansehafen, können heute ein Mammutknochen, ein Flintdolch, ein Goldarmreif und viele andere Funde aus der Region bewundert werden. Wir bestaunen die schöne Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern, bevor wir in Richtung Hagen und Deinste fahren. 

Ein Weg, von dem wir Radfahrer träumen: Glatte asphaltierte Straßen mit wenig Autoverkehr. Wir genießen den freien und weiten Blick über Pferdekoppeln und Getreidefelder. In den Dörfern finden wir hübsch restaurierte Fachwerkhäuser und imposante Gehöfte. Auf der Weide warten die Kühe darauf, gemolken zu werden. Wir probieren die wilden Himbeeren und Kirschen am Wegesrand. Ein Hochgenuss!

Frische Forellen gibt es im Restaurant »Deinster Mühle«. Recht schick geht es um das Herrenhaus Gut Deinste zu. Hier treffen sich Golfer zum Putten.

Die nächsten Ortschaften verraten, dass wir auf dem Land unterwegs sind. Wir fahren durch Bullenholz und Kutenholz und überqueren die Bahnschienen des Moorexpresses. Der historische Zug fährt in den Sommermonaten von Stade über Bremervörde nach Bremen durch das Teufelsmoor. Die Bezeichnung »Express« ist natürlich eine liebenswerte Übertreibung. 

An den Bahngleisen des Moorexpresses bei Mulsum stehen »Koffermenschen«. Der Maler und Bildhauer Gerd Rehpenning hat sie erschaffen. Er setzt sich dabei mit einem gerade wieder sehr aktuellen Thema vieler Menschen auseinander. Er meint, dass wir unsere Koffer nur für eine begrenzte Zeit packen, während Flüchtlinge sich innerhalb einer sehr kurzen Zeit entscheiden müssten, welche Dinge sie mitnehmen. Der Künstler nennt neun kürzlich erschaffene Skulpturen »Optimisten«. 

Ganz in der Nähe steht die schöne Windmühle »Anna Maria«. Die Mulsumer Windmühle ist ein sog. Galerieholländer mit Windrose. Von der Galerie aus konnte der Müller an die Flügel und den Steert heranreichen. 

Wir gelangen zum Hafen von Bremervörde. Bis 1970 war er Europas größter Umschlaghafen für Stackbusch. Das Gehölz wurde für die Uferbefestigung an den Deichen verwendet. Für unseren Abstecher durch das Teufelsmoor fahren wir durch den Auepark. Den früheren Lustgarten legten die Schweden während ihrer Herrschaft an.

Am Oste-Hamme-Kanal geht es durch das Klenkendorfer Moor nach Augustendorf. Der historische Moorhof ist eine frei zugängliche Hofanlage mit Rauchhaus, Torfscheune, landwirtschaftlichen Geräten und einem Torfkahn. Bevor der trockene Torf auf dem Torfkahn nach Bremen oder Bremervörde transportiert wurde, war viel harte Arbeit nötig. Auf dem Moorerlebnispfad Huvenhoopsmoor erfahren wir noch mehr über das Moor und die Pflanzen im Moor. Zum Beispiel wächst hier der Gagelstrauch. Er wurde als Mittel gegen Motten, zum Würzen des Biers oder gegen Zahnfäule verwendet. Ein Allheilmittel also! Vom Turm genießen wir den Blick über das Hochmoor und beobachten zwei Große Brachvögel, die ihr Nest am Ufer des Huvenhoopssees haben. Auf dem Weg zurück nach Bremervörde entdecken wir sogar eine Blindschleiche. 

»Schön ist´s auf der ganzen Erde, am schönsten doch in Bremervörde«, reimte einst Wilhelm Busch. Die Fahrradtour von Stade nach Bremervörde mit einem Ausflug an den Rand des Teufelsmoors war in jedem Fall sehr schön. 

Anne-Karin Tampke in RadCity 5/2015