23.11.2013

Die 100 sind voll

Von: Anne-Karin Tampke

Sein Markenzeichen sind Kaffeepausen und Badestellen: Während der 100 Radtouren, die Tourenleiter Andreas Arendt für den ADFC geleitet hat, erlebte er so manches. Es ist Zeit, ihm mal Danke zu sagen!

Mit Andreas durch die Natur.
Mit Andreas durch die Natur.

Ein Mann, hundert Touren: Am 3. Oktober 2013, nach dreizehn Jahren Mitgliedschaft im ADFC, begrüßt Andreas Arendt um elf Uhr wie schon 99 mal vorher morgens seine Tourenteilnehmer. Vor dem Start spendiert Andreas zur Feier des Tages eine Runde Saft. Spätestens als Kirsten Pfaue, ADFC-Landesvorsitzende Hamburg, ihm als Anerkennung zwei Fahrradmäntel überreicht (für die nächsten 100 Touren?), ist wohl jedem klar: Auf die 85 Kilometer lange Tour führt sie bei wie bestelltem sonnigem Wetter ein Routinier und Fahrer aus Leidenschaft. Radfahren bei Wind und Wetter, gepaart mit entspannenden Pausen, das finden viele seiner Mitradler prima.

Los geht’s an der U-Bahn-Haltestelle Großhansdorf. Von dort führt die Route zur Domstadt Ratzeburg und später wieder zurück nach Großhansdorf. Wer schon öfters mit Andreas gefahren ist, dem fällt auf: Trotz der sehr milden Herbsttemperaturen gibt es diesmal kein Bad im Ratzeburger See. Das ist in der Tat ungewöhnlich, denn Andreas eilt der Ruf voraus, bevorzugt Radtouren mit Badestellen anzubieten. Heute genießen die Teilnehmer stattdessen den Blick auf den See und bekommen als unverhoffte Gratisbeilage sogar Rückenwind auf dem Weg zum Ziel.

Tour mit doppelt Muskelkraft

Eine beliebte Tour mit Vollbad ist beispielsweise diese: Beim »Picknick auf dem Deich« springen Andreas und viele Teilnehmer in den Boberger Dünen ins kühle Nass. Bei einer anderen ist die obligato(u)rische Badepause bei Kollmar. Sie gehört zur Fahrradtour mit dem vielsagenden Titel »Bade- und Kaffeepause in Kollmar«. Doch sie bietet auch noch etwas Anderes und Besonderes, nämlich eine Überfahrt mit der kleinsten Fähre Deutschlands »Kronsnest«. Die ist nach historischem Vorbild aus Eichenholz gebaut. Auch das Übersetzen geschieht wie im Vorbild mit Muskelkraft: Der Fährmann holt die Passagiere durch sogenanntes »Wriggen« mit einem »Riemen« auf die andere Uferseite der Krückau über. Maximal fünf Fahrräder kann er mitnehmen. »Die Überfahrt mit dreißig Personen dauert dann eben entsprechend«, sagt Andreas und lacht. Zeit zum Pausemachen.

Schiffchen gucken an der Elbe

Eine andere interessante Tour führt 75 Kilometer die Unterelbe entlang. Andreas: »Ich starte in Wedel und fahre von dort aus nach Glückstadt. Mit der Elbefähre geht es nach Wischhafen und dann über Krautsand am Deich entlang bis Stade.« Da gibt’s Elbe satt. Die ganze Strecke ist geprägt durch die maritime Flusslandschaft mit ihren alten Häfen, Kornspeichern und Leuchttürmen. Es geht vorbei an den typischen Obsthöfen, Viehweiden und durch kleine Naturschutzgebiete. Ebbe und Flut bestimmen den Rhythmus. Sogar Wattwandern kann man auf Krautsand, einer der vielen Binneninseln im Elbstrom. Typisch für die Insel sind reetgedeckte Häuser, die auf Erdhügeln stehen, den so genannten Wurten. Sie sollen vor Schäden bei Sturmfluten schützen. Und – na klar! – Andreas freut sich auf die Badepause.

»Pausen« als eines der Markenzeichen von Andreas Arendts Touren.
»Pausen« als eines der Markenzeichen von Andreas Arendts Touren.

Wasserscheue beobachten da lieber den Schiffsverkehr auf der Elbe, und das ist auch spannend. Denn die Fahrrinne verläuft sehr nah am Sandstrand. Weiter geht es flussaufwärts durch das Kehdinger Moor nach Stade, der hübsch restaurierten alten Hansestadt. Sie ist eine der ältesten Städte Nordeuropas. Am Schwedenspeicher, einem barocken Backsteingebäude aus dem 17. Jahrhundert, locken viele Cafés. Auch Andreas und seine Mitfahrer kehren dort gern ein. »Die Kaffeepausen kommen ohnehin immer sehr gut an«, sagt er. Besonders für den Fall, dass es mal regnet, hat er immer einige Einkehrmöglichkeiten parat.

Nicht immer geht es glatt

Andreas hat inzwischen so viele Touren im Angebot, dass er sie gar nicht alle in einem Jahr anbieten kann. Er plant eine neue, die von Rothenburgsort über den Zollenspieker nach Bergedorf führt. Zu seinen Plänen im nächsten Jahr sagt Andreas, dass auch wieder die Tour nach Ratzeburg dabei sein wird. Dann aber mit Badepause im Ratzeburger See. Sicher scheint auch zu sein, dass er seine im vorigen Abschnitt beschriebene Lieblingstour »Unterelbe« mit Kaffeepause in Stade anbieten wird.

Am 3. Oktober überreicht die ADFC-Landesvorsitzende Kirsten Pfaue ein kleines Präsent anlässlich von Andreas' 100. Tour.
Am 3. Oktober überreicht die ADFC-Landesvorsitzende Kirsten Pfaue ein kleines Präsent anlässlich von Andreas' 100. Tour.

Während der 100 Radtouren, die er für den ADFC geleitet hat, erlebte er so manches. Auch zwei Unfälle waren dabei. Glücklicherweise war eine Medizinerin unter den Teilnehmern, so dass sie sich um die Verletzten kümmern konnte. Für den Fall, dass er auf sich gestellt wäre, könnte Andreas aber Erste Hilfe leisten. Er ist nämlich Krankenpfleger. Macht mal was an einem Fahrrad schlapp, ist Fahrradwerkzeug und Flickzeug dabei. Eine Karte ist für alle Fälle im Gepäck – Andreas zieht sie aber selten aus der Tasche, denn markante Punkte auf den Strecken kann er sich gut merken.

Die unvermeidliche Frage: »Wie war denn deine erste Tour?« Da lacht er: »50 Teilnehmer fuhren damals mit. Ich war froh darüber, dass ich einen Co-Tourenleiter dabei hatte, der mit mir darauf achtete, dass alle Radler mitkommen und das Ziel erreichen.«

Das war am 8. April 2001. Die Sonne schien, als sie von der Christuskirche beim Wandsbeker Markt (Foto) am Wandsewanderweg entlang über den Höltigbaum nach Ahrensburg fuhren. Am Ahrensburger Schloss machten sie damals Pause. Zurück ging es nach Wandsbek über Stellau und Barsbüttel.

Was treibt Menschen wie Andreas an? Er sagt, dass er sich freut, anderen Menschen einen schönen Tag zu bereiten. Und er schätzt es sehr, dass er über den ADFC Freunde gewonnen hat. Einige seiner Freunde sind auch ADFC-Tourenleiter. Im letzten Sommer haben sie gemeinsam eine Wochenendreise zum Schaalsee unternommen.

Wir fragen: »Na, Andreas: Fährst du eigentlich auch im Urlaub Rad?« Ja, das macht er. Der Start ist meist in Hamburg, und dann geht’s irgendwohin in die nördlichen Bundesländer – am liebsten durch die Natur. Denn da gibt es häufiger Spannendes zu sehen. Wie etwa einen Seehund bei einer Tour nach Cuxhaven. Oder eine Eule bei einer anderen Tour.

In diesem Jahr hat Andreas noch einen Tagesausflug im Programm: Am 29. Dezember geht es zum Kaffeetrinken nach Bargteheide. Versprochen: Nicht zum Baden!

Anne-Karin Tampke in RadCity 6/2013

Für die Fotografin nochmal zum Startpunkt der ersten Tour: an der Christuskirche in Wandsbek

Portrait

Andreas Arendt ist leidenschaftlicher Radfahrer und ADFC-Tourenleiter. Er fährt das ganze Jahr über Fahrrad, auch im Winter. Andreas wohnt seit Mitte der 1980-er Jahre in Hamburg und fing dann auch bald an, die Umgebung auf dem Fahrrad zu erkunden. Seit mehr als 13 Jahren ist Andreas Mitglied im ADFC Hamburg. Er bietet hauptsächlich **-Touren an, also »flotte Touren« mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen 16 und 19 km/h.