ADFC-Blog zu den drei Etappen der Reise Hamburg – St. Petersburg

Von: Amrey Depenau, Johanna Drescher, Merja Spott

Der ADFC-Blog zur Reise Hamburg – St. Petersburg

Für den ADFC begleitete Amrey Depenau die ersten beiden Etappen der ADFC Radreise Hamburg – St. Petersburg. Im Juli 2011 radelte sie von Hamburg nach Danzig. In 2012 ging es von Danzig nach Riga. Die Etappe Riga – St. Petersburg fährt im Sommer 2013 Merja Spott. Im Blog beschreiben Amrey und Merja abends nach der Tour Wetter, Leute, Land und Laune. Und machen damit sicherlich Lust, die Strecke selbst zu entdecken.

Der Blog zur Reise-Etappe in 2013: Riga bis St. Petersburg

Die Orte, die Merja in ihrem Reiseblog erwähnt, können Sie auf der Karte der Reiseroute mitverfolgen.

Im Untergrund von St. Petersburg
Im Untergrund von St. Petersburg
Letztes gemeinsames Abendessen
Letztes gemeinsames Abendessen

Tag 11 – 20.07.13, St. Petersburg

Unser letzter Reisetag hält nochmal viel Eindrucksvolles bereit.

Wir beginnen mit einer U-Bahnfahrt. Die Bahnhöfe liegen bis zu 100 m unter der Erdoberfläche, sind schön und aufwändig gestaltet und eine echte Sehenswürdigkeit.

Es folgt eine Führung durch die Prachträume der Eremitage mit ihrer umfassenden und wertvollen Sammlung. Elena, unsere Fremdenführerin, kämpft sich wacker mit uns durch die Massen und zeigt uns die wichtigsten Punkte. Wir versuchen, das alles in der kurzen Zeit aufzunehmen.

Den Nachmittag verbringen wir in kleineren Grüppchen selbstständig. Ich denke, nach den zehn Tagen genießt es jeder ein bisschen, die Zeit wieder selber einteilen zu können.

In einem auch bei jungen, reichen Russen augenscheinlich sehr angesagten Restaurant nehmen wir unser letztes, gemeinsames Abendessen ein. So bekommen wir auch in diesen Teil des modernen Rußlands einen kleinen Einblick.

In der Bar unseres Hotels nehmen wir Abschied von unserer gemeinsame Zeit. Wir lassen die Erinnerung an die letzten zwei Wochen noch einmal aufleben. Der Start in Lettland scheint uns einerseits ganz nahe und doch weit weg, so viel Schönes haben wir zwischenzeitlich erlebt. Aber eines ist klar: Als unvergesslicher Moment wird allen die Einfahrt auf dem Schlossplatz vor der Eremitage in Erinnerung bleiben.

In den Vororten von St. Petersburg
In den Vororten von St. Petersburg
Am Ziel!
Am Ziel!

Tag 10 – 19.07.13, Peterhof – St. Petersburg

Nach drei Etappen in drei Jahren kommen wir heute in St. Petersburg an!

Die letzten Kilometer haben es noch einmal in sich. Ist doch das Terrain ein gänzlich anderes als in den Tagen (und Jahren) zuvor. Die Einfahrt in eine Metropole mit mehr als fünf Millionen Einwohnern, in der das Fahrrad kein selbstverständliches Verkehrsmittel ist, ist eine kleine Herausforderung. Andererseits erhalten wir so einen Einblick in die Struktur der Stadt, der vom üblichen Touristenprogramm abweicht.

Direkt in der Umgebung von Peterhof erinnern die vielen Kanäle daran, dass St. Petersburg in einem Sumpfgebiet entstanden ist. Wiederholt fahren wir durch Parkanlagen. Dann kommt eine kleine Lehrstunde in Stadtarchitektur: Ganz außen stehen die neuesten Hochhäuser und Einkaufszentren, dann folgen die Großwohnsiedlungen der 70er und 80er Jahre. Je mehr wir uns der Innenstadt nähern, desto mehr sehen wir Bauten der 40er und 50er Jahre im typisch stalinistischen Stil. Noch näher am Stadtkern werden die Kuppeln immer goldener, die Häuser immer imposanter. Der Straßenverkehr wird chaotischer und stärker, die Autos immer teurer ...

Wir fahren viel auf den Bürgersteigen, da die Fahrbahnen häufig zugestaut sind, was ein ständiges Auf und Ab für uns bedeutet hätte. Aber trotzdem sind alle froh, diese Stadt mit dem Rad »bezwungen« zu haben. Freundlich winken unterwegs die Passanten, obwohl sie zum Teil über die Rad fahrende Gruppe mit den leuchtenden Warnwesten erstaunt sind.

Am Nachmittag erreichen wir den Schlossplatz vor der Eremitage. Für uns alle ist das ein bewegender Moment. Ein Lebenstraum ist damit für viele in Erfüllung gegangen. Natürlich ist bei dieser Reise auch der Weg das Ziel, aber dennoch sind wir stolz, mit St. Petersburg das Ende dieses Abenteuers erreicht zu haben. Glücklich und zufrieden stoßen wir mit russischem Sekt an der Alexandersäule an.

Am Abend probieren wir ein weiteres Verkehrsmittel: mit dem Schiff machen wir eine Stadtrundfahrt bei sensationellem Abendhimmel. Derweil ist Claudia schon mit unseren Rädern in Richtung Finnland unterwegs.

Im Park von Pawlowsk
Im Park von Pawlowsk
Zufahrt zum Katharinenpalast mit dem Rad
Zufahrt zum Katharinenpalast mit dem Rad

Tag 9 – 18.07.13, Peterhof – Pawlowsk – Puschkin – Peterhof

Heute erkunden wir die Sommerresidenzen in der Umgebung von St. Petersburg.

Unsere Reiseleiter haben mit der Logistik (besonders der Räder) gut zu tun.  Aber es lohnt sich.

Wir fangen am Morgen in Pawlowsk an. Einer der schönsten europäischen Landschaftsgärten mit kleinen Teichen, Hügelchen, Waldstücken und Wiesen, die für Zerstreuung sorgen. Hier bewältigen wir doch noch einmal kleinste Steigungen und ein paar Meter Schotterwege, obwohl wir uns von diesen ja eigentlich schon verabschiedet hatten.

Zum nächsten Park im etwa drei Kilometer entfernten Puschkin fahren wir über schöne, autofreie Wege. Die Landschaft sieht so aus, wie ich mir Russland vorgestellt habe: Birken, Wiesen und weiter Himmel.

In Puschkin stärken wir uns mit guter russischer Suppe. Dann fahren wir noch einmal ein Stündchen durch den Alexanderpark. Im zweiten Weltkrieg ging die Frontlinie durch diese Anlagen, weswegen sie stark beschädigt wurden. Nach und nach ist man nun dabei, sie zu restaurieren.

Der Katharinenpalast in Puschkin ist der heutige Höhepunkt inmitten der Parkanlagen: Und der »erschlägt« uns: das viele Gold, die üppige Ausstattung. Zwar ist das faszinierend, aber eigentlich ist es auch immer etwas zu viel.

Zuviel sind auf jeden Fall die Menschenmengen, die sich durch den Palast schieben und von denen wir natürlich ein Teil sind ;-)

Wir sind froh, danach noch ein wenig durch den Katharinenpark zu laufen, um wieder frische Luft zu atmen.

Der Bus bringt uns zurück nach Peterhof. Das Essen im Hotel beschließt diesen besonderen Tag mit besonders kundenfreundlichem Service der Reiseleitung.

Im Vordergrund die Hermannsburg, hinten rechts Ivanogorod
Im Vordergrund die Hermannsburg, hinten rechts Ivanogorod
Wasserspiele und Goldglanz in Peterhof
Wasserspiele und Goldglanz in Peterhof

Tag 8 – 17.07.13, Narva/Joesuu – Narva – Peterhof

Am Vormittag können wir in Narva und Ivanogorod sehen, was geschehen kann, wenn sich zwei Großmächte an einem Fluss gegenüber stehen: Jede Seite baut sich eine Burg. Wenn die eine Burg größer wird, wird die andere auch vergrößert. Erst fingen die Dänen mit der Hermannsburg in Narva an, dann bauten die Russen Ivanogorod. Später bauten die Schweden auf der westlichen Seite weiter aus und die Russen zogen nach. Nun stehen sich am Grenzfluss Narva, der Außengrenze der Europäischen Union, zwei beeindruckende Festungen gegenüber.

Die modernere Form der Machtausübung zeigt sich bei der Prozedur unseres heutigen Grenzübertritts. Die Abfertigung erinnert einige von uns an die Zeit, zu der Reisen zwischen der BRD und der DDR eine Tortur waren. Ganz so schlimm ist es hier nicht. Wir brauchen als Fußgänger dennoch eine Stunde, Claudia mit dem Bus und den Fahrrädern ungefähr sieben Stunden. Die Privilegien, die wir durch die Europäsche Union und das Schengen-Abkommen genießen, werden uns hier vor Augen geführt.

Nun sind wir tatsächlich in Russland!

Peterhof bietet einen ersten Eindruck von der Pracht, die uns in den nächsten Tagen begleiten wird. Nach den beschaulichen Tagen in den Wäldern der baltischen Staaten überwältigen uns das viele Gold und die Wasserspiele im Garten des Palastes. Doch die phantasievolle Gestaltung im Landschaftspark mit den unterschiedlichsten Fontänen und den unglaublich goldig vergoldeten Figuren faszinieren uns auch.

Das Fahrradfahren fehlt uns heute etwas, da wir die unattraktive Strecke mit dem Bus zurücklegen. Aber wir freuen uns darauf, morgen die schönen Parks per Rad zu genießen.

Fertigmachen der Räder
Fertigmachen der Räder
Zentraler Platz in Sillamae
Zentraler Platz in Sillamae
Der Blick in die Ferne
Der Blick in die Ferne

Tag 7 – 16.07.13, Saka Mois – Sillamae – Narva/Joesuu

Heute kommen wir nun ein wenig mehr in der Realität an: Auch Estland besteht nicht nur aus Feldern, Wäldern, Seen und niedlichen Holzhäusern.

Wir fahren um eine große Hafenanlage der Ölschieferindustrie. Der Raubbau an der Natur ist offensichtlich, die Abraumhalden der Bergwerke nicht zu übersehen.

Auch die Vergangenheit holt uns ein, denn diese Region hat einen langen Leidensweg hinter sich. Grausame Schlachten des 2. Weltkriegs fanden hier in deutschem Namen statt. In Toila gibt es heute einen Friedhof für 10.000 deutsche Soldaten. Umso mehr können wir diese Reise Wert schätzen, die noch vor relativ kurzer Zeit in dieser Form nicht möglich gewesen wäre.

In Sillamae ist die sowjetische Vergangenheit zu sehen, die nicht mehr so glänzt, wie einst. Die Stadt wurde in den 50er Jahren als neue Siedlung für die Industriearbeiter angelegt und ist auch noch so erhalten. Sozialistischer Städtebau stalinistischer Prägung wie aus dem Lehrbuch. Allerdings fällt auf, dass hier der Zustand der Häuser sehr viel schlechter ist als in den anderen Orten Estlands, die wir bisher gesehen haben.

Den Rest des Tages genießen wir es, ein langes Stück mit dem Fahrrad zu fahren. Zum letzten Mal können wir den Blick in die Ferne der Landschaft oder auf die Ostsee schweifen lassen. Wir fahren das letzte Stückchen Schotterpiste. In Russland werden wir weniger Fahrrad fahren und vor allem nicht mehr in so schöner Landschaft.

Es kommt ein wenig Wehmut auf. Aber schon bei den Ansagen zum Programm des nächsten Tages wird klar: Nun kommt das Abenteuer Russland und wir sind alle gespannt.

Im Laheema Nationalpark
Im Laheema Nationalpark
Mittagspause mit Aussicht
Mittagspause mit Aussicht

Tag 6 – 15.07.13, Palmse – Saka Mois

Es war wieder so ein voller und phantastischer Tag, dass ich gar nicht so richtig weiß, wie ich das alles berichten soll ...

Es ist der Tag der Gutshäuser und der Ostsee. Es beginnt im Lahemaa Nationalpark, den wir leider aber nur am Rand streifen. Aber was man sieht, ist verlockend: echter, wilder Mischwald. Die Luft ist hier so rein, dass die Bäume Bärte aus Flechten tragen.

Nach kurzer Fahrt im frischen Morgenwind erreichen wir die Gutsanlage Sagadi, die noch imposanter ist als jene, in der wir übernachtet hatten. Im Laufe des Vormittages steigert es sich aber noch weiter, das Gut Vikula ist nämlich noch beeindruckender und heute ein Nobelhotel. Am Nachmittag bekommen wir dann noch eines der vielen Güter zu sehen, mit denen die Geschichte keine Gnade hatte und das nun sich selbst überlassen ist.

Die Ostsee zeigt sich von ihrer besten Seite. Im tiefen Dunkelblau strahlt sie uns entgegen. Gespickt mit großen Findlingen und Schilfgras wirkt der Übergang vom Meer zum Land fließend. Hinzu kommen die weißen Farbtupfer der wilden Schwäne, die in großer Menge die Uferzone bevölkern. Die Mittagspause mit Meerblick genießen wir mit großer Zufriedenheit.

Am Nachmittag fährt ein Großteil der Gruppe mit dem Bus in die schöne Hotelanlage Saka Mois, direkt an der Steilküste. Ein Grüppchen von vier Leuten legt die Strecke mit dem Rad zurück. Wir machen mal richtig Tempo, da wir mit 60 km noch ein strenges Programm für den Nachmittag haben. Dabei erradeln wir uns einige wunderbare Ausblicke auf die Ostsee. Wir sehen idyllische Flussläufe aber auch schon erste Industrieanlagen, die für den Nordosten Estlands typisch sind. Zufrieden sind wir am Ende über die 100 km, die wir heute geschafft haben. Und jene, die nicht die Extrastrecke gefahren sind, sind mit einem gemütlichen Nachmittag am Meer ebenfalls sehr zufrieden!

Teestunde bei den Altgläubigen
Teestunde bei den Altgläubigen
Blumen im Bauerngarten am Ufer des Peipsijärv
Blumen im Bauerngarten am Ufer des Peipsijärv
Blick aus dem Hotelzimmer auf den Garten des Gutes Palmse
Blick aus dem Hotelzimmer auf den Garten des Gutes Palmse

Tag 5 – 14.07.13, Tartu – Koosa – Kolkja (Peipsiärv) – Palmse

Geschichten von Fischen und Zwiebeln erzählt uns die Bewohnerin eines der wunderschönen Dörfer am Ufer des Peipsijärv (Peipus-See). Die Einwohner werden Altgläubige genannt, da sie vor ca. 300 Jahren Reformen der russisch-orthodoxen Kirchen nicht folgten. Sie leben traditionell am Ufer des großen Sees (fünfmal so groß wie der Bodensee) und auch heute noch zählen der Fischfang und der Gemüse- besonders der Zwiebelanbau zu den Haupteinnahmequellen.

Am liebevoll gedeckten Tisch im Besucherzentrum nehmen wir Tee aus dem Samowar ein und essen Rhabarberkuchen und leckere Teigtaschen mit Zwiebelfüllung!

»Die Zwiebeln sind hier sehr wichtig. Etwas anderes wächst hier kaum«, betont unsere Gastgeberin in ihrem Vortrag. Wir können uns bei unserer Fahrt durch die Dörfer mit ihren schönen alten Holzhäusern und wunderbaren Gärten selbst davon überzeugen.

Es herrscht in diesen Dörfern eine ganz eigene, tolle Stimmung. Das Blau des Sees blitzt immer wieder durch, die Häuser leuchten bunt und die Blumen in den Gärten blühen in allen Farben. Die Bewohner sitzen entspannt in ihren Gärten oder springen gerade in den See. Das können wir leider aus Zeitgründen nicht machen, aber dafür haben wir vor der Mittagspause Gelegenheit uns in einem kleinen Dorfsee abzukühlen. Das ist auch nötig, da die Temperaturen in den letzten Tagen immer weiter gestiegen sind.

Außerdem ist die Wegeführung am Vormittag so eindeutig, dass jeder heute mal in seinem Tempo fahren kann. Da wird mal kräftig in die Pedale getreten, weswegen das Bad vor dem Picknick sehr gut passt.

Nun sind wir im vornehmen Landgut Palmse mit ausgedehntem Landschaftsgarten und diversen Wirtschaftsgebäuden. In der ehemaligen Schnapsbrennerei befindet sich unser Hotel. Nach dem Abendessen lustwandeln wir gemeinsam um den Teich, durch den Apfelbaumgarten und vorbei am alten Tomatengewächshaus. Danach lassen wir den schönen Tag mit Wein oder Bier in milder Sommerabendluft im Garten mit Mücken oder im Restaurant ohne Mücken ausklingen.

Pause in der estnischen Schweiz
Pause in der estnischen Schweiz
Ruine der Domkirche in Tartu
Ruine der Domkirche in Tartu

Tag 4 – 13.07.13, Ötepää – Tartu

So sieht Sommer aus! So riecht Sommer! Am Vormittag fahren wir durch eine wunderbare, kleinräumige durch die Eiszeit geprägte Hügellandschaft. Immer wieder belohnt uns hinter der nächsten Kurve oder oben auf dem nächsten Hügel ein schöner Ausblicken auf Wald, Flur oder einen kleinen See.

Natürlich zahlt man dafür den Preis, dass man sich zuvor die Hügel auf dem Rad hinaufarbeiten muss. Unsere zwei schweizerischen Mitreisenden bemerken sicher, dass auch Hügel dieser Größenordnung uns anderen Radfahrenden eine gewisse Sportlichkeit abverlangen. Aber die Belohnung ist in der so genannten estnischen Schweiz die Gleiche, wie in der echten Schweiz: schöne Abfahrten mit erfrischendem Fahrtwind.

Am frühen Nachmittag manövriert Marco uns dann bei der Einfahrt nach Tartu souverän durch Widrigkeiten, die größere Städte immer am Stadtrand bereithalten: recht stark befahrene Ausfallstraßen, eine komplizierte Baustelle und verwinkelte Straßen.

Bei der fachkundigen, freundlichen Stadtführung sind alle ganz entzückt von Tartu, der lebhaften Studentenstadt am Ufer des Emajogi mit ihren ca. 100.00 Einwohnern. Die älteste Universität des Estlands hat ihre Institutsgebäude in der Stadt und besonders im Park des Domhügels verteilt, der eine wunderbare Stimmung ausstrahlt. Besonders beeindruckend ist die Ruine des Doms, die schon seit einigen Jahrhunderten so besteht und teilweise zu einem Museum ausgebaut wurde.

Nach dem Abendbrot kommen dann doch gar nicht mehr so viele wie ursprünglich erwartet mit zum Bier auf den schönen Marktplatz – die Mühen der estnischen Schweiz haben ihre Spuren in der Gruppe hinterlassen.

Mit großem Hunger am Mittagsbuffet
Mit großem Hunger am Mittagsbuffet
Gruppenbild mit Eiche
Gruppenbild mit Eiche

Tag 3 – 12.07.13, Valmiera – Jerceni – Valka/Valga – Ötepää

Vom Balkon meines Hotelzimmers Blicke ich auf Birken, Ausläufer des Pühajärv (Püha-See) und einen blauen Sommerhimmel und lasse den Tag Revue passieren.

Er fängt mit viel gerader Strecke an – natürlich auf einer Schotterpiste! Aber heute macht dieser Belag nur ca. 60% der Tour aus und ist viel besser zu befahren als die Route gestern.

Im Gutshaus Pasvaldiba berichtet eine rührige Bibliothekarin über den Geist des deutschen Barons, der in seinem ehemaligen Anwesen immer noch für Ordnung sorgen soll. Auch für die technischen Probleme, die bei kleinen Veranstaltungen im Fräuleinhaus – das hatte er für seine nicht verheiratete Schwester bauen lassen – auftreten, soll er bis heute verantwortlich sein ... Damit wolle er dafür sorgen, dass man ihn nicht vergisst.

Am Weiher des Gutshauses verwöhnt uns Claudia anschließend mit dem Mittagsbuffet, während im Hintergrund die Frösche quaken.

Am Nachmittag halten wir uns ein wenig ran. In Valka wollen wir nämlich noch einen Kirchturm besteigen. Von dort oben blicken wir auf die estnische Stadt Valga, die mit Valka eine Zwillingsstadt bildet. Hier spiegelt sich die wechselvolle Geschichte der Grenzsituation im letzten Jahrhundert: Die Stadt wurde durch die Grenze (für deren exakte Führung angeblich ein betrunkener Engländer verantwortlich ist) getrennt. In der Sowjetunion war sie relativ durchlässig, wurde aber dann mit der neuen Unabhängigkeit wieder geschlossen. Seitdem beide Staaten dem Schengener Abkommen beigetreten sind, versuchen sie wieder das Miteinander zu lernen.

Die letzten Kilometer bis nach Ötepää in Estland fahren wir mit dem Bus. Bei der hügeligen Landschaft nach einem langen Tag halte ich das für eine gute Idee.

Nach dem Essen nehmen wir heute noch ein Bad im See.

Hier endet der Asphalt und rauf geht's ...
Hier endet der Asphalt und rauf geht's ...
... auf die Schotterpiste.
... auf die Schotterpiste.
Lagebesprechung mit Karte.
Lagebesprechung mit Karte.

Tag 2 – 11.07.13, Sigulda – Cesis – Valmiera

Heute heißt es schottern! Der erste Tag mit 90% der Strecke auf Schotterpisten und dann auch noch mit einigen Steigungen. Aber das lässt sich gut aushalten, da sich die Strecke durch eine wunderschöne Landschaft zieht, die sich eben dadurch auszeichnet, dass sie gänzlich unaufgeregt ist.

Hier und da ein Grüppchen Bäume, ein Feld, das Holzbauernhaus mit üppigem Bauerngarten. Blauer Himmel mit Schäfchenwolken – man ist zufrieden, dass alles da ist. Wir genießen es, endlich auf den Rädern zu sitzen, den Wind und die Sonne zu spüren und uns einen neuen Landstrich mit eigener Kraft zu erobern.

Manchmal allerdings, besonders zum Nachmittag hin, ziehen sich die Schotterpisten ins Unendliche, man fühlt sich dem Ural schon unglaublich nahe.

Ich denke darüber nach, dass es in irgendeiner Sprache, ich glaube, es war die der Innuit, viele verschiedene Worte für die unterschiedlichen Arten des Schnees gibt. Im Lettländischen muss es solchen Wortschatz für die unterschiedlichen Arten von Schotterpiste geben. Die Befahrbarkeit der Schotterstrecken unterscheidet sich jedenfalls erheblich. Immerhin gibt es ein Straßenschild, das die Pisten ankündigt! Zwar ist die Oberfläche nicht optimal für Radfahrende. Aber es beruhigt doch, dass noch nicht die ganze Welt der Asphaltlobby zum Opfer gefallen ist.

Das ist ja auch einer der Gründe, warum wir hier sind: Es gibt sie noch, traumhafte Eichenalleen mit Bäumen, die wahrscheinlich gepflanzt wurden, als der Zar noch regierte. Diese Bäume spenden uns in der Mittagshitze wunderbaren Schatten.

Die Gauja, der Fluß der uns den Tag über begleitet hat, darf hier noch im natürlichen Bett fließen.

Die Schlossanlange von Cesis, die wir nach der Mittagspause besichtigen, ist beeindruckend und entspannt ruhig. Wir Besucher erleuchten uns mit Kerzen den Weg über die dunklen Treppen der alten Gemäuer.

Die Pausen mit Picknick geben uns neue Kräfte, um die über 70 km dieses Tages zu schaffen. Einmal geht uns zwar die Vorhut verloren – für sie war der angekündigte Berg noch nicht Berg genug und so wartete sie nicht am Abwzweig. Doch wir finden uns alle immer wieder und kommen zufrieden nach unserem ersten Tag in Valmiera an.

Ankunft mit der Bahn - Der Bahnhof Sigulda
Ankunft mit der Bahn - Der Bahnhof Sigulda
Unser Hotel in den weitläufigen und grünen Straßen von Sigulda
Unser Hotel in den weitläufigen und grünen Straßen von Sigulda

Tag 1 – 10.07.13, Sigulda

Die TeilnehmerInnen unserer Reisegruppe erreichen Sigulda auf unterschiedlichen Wegen und mit verschiedenen Verkehrsmitteln. Es folgt ein fröhliches Zusammentreffen in diesem kleinen Städtchen, etwa 50 km östlich von Riga. Alle sind zwar etwas erschöpft von den langen Reisen aber gut gelaunt und gespannt auf die Tour, die vor uns liegt.

Es gibt ein fröhliches Hallo zu den alten Bekannten und die Unbekannten werden gleich beim guten Abendessen mit eingeschlossen. Bei einer kurzen Vorstellungsrunde bekommen wir einen ersten Eindruck, mit wem wir es in den nächsten zehn Tagen zu tun haben werden. Ungefähr zwei Drittel der MitfahrerInnen haben die ersten zwei Etappen von Hamburg bis Riga in den vergangenen Jahren selbst erradelt. Ein paar andere haben sich – wie ich – dazwischen »gemogelt«. Durch die Erzählungen der anderen werden wir sicher noch etwas von der Stimmung der vorigen Reiseabschnitte mitnehmen.

Nun gilt es, sich auf das Jetzt zu konzentrieren: Marco, einer unserer Reiseleiter, kündigt als Einstiegstour für Morgen die anstrengenste Tagesetappe überhaupt an.

Wer mit dem Schiff angereist ist, muss nach dem Essen eigentlich das Gepäck hochtragen, das Claudia, die zweite Reiseleiterin, inzwischen mit dem Auto gebracht hat. Aber die lange Helligkeit lädt natürlich zum langen Verweilen auf der Terrasse ein – da kann man sich nur schwer lösen.

Der Blog zur Reise-Etappe in 2012: Danzig – Riga

Im Jahr 2012 fuhr Amrey Depenau für den ADFC Hamburg die Etappe Danzig – Riga. Die Orte, die sie in ihrem Reiseblog erwähnt, können Sie auf der Karte der Reiseroute mitverfolgen.

Durch Rigas Altstadt mit Barbara

Tag 12 – 30.07.12, Riga

Nach dem Frühstück zur üblich frühen Stunde (warum die Routine verlieren?) werden wir um 9 Uhr von Barbara abgeholt, die uns sehr kundig durch die Altstadt Rigas und das Jugendstilviertel führt. Neben vielen historischen Gebäuden beeindrucken mich besonders die Art Nouveau-Bauten Michael Eisensteins, die üppig verziert mit Figuren verschiedenster Symbolik sind. Leider ist der Stadtteil geprägt von schweren Limousinen und teuren Sportwagen, die nicht selten ein CD-Kennzeichen haben. So liegt der Kaufpreis einer Wohnung hier schon mal bei 1700 Euro pro Quadratmeter.

Am Nachmittag zieht es einige von uns in die riesigen Markthallen, wo ganz Riga Fleisch, Gemüse und Tierfutter (!) zu kaufen scheint. Hier sehen wir einen breiten Querschnitt durch die Bevölkerung: Frauen auf High Heels ebenso wie gebeugte Mütterchen, Geschäftsleute und hagere Männer mit merkwürdigen Brillen. In einem versteckten Café gönnen wir uns den einfachen Mittagstisch. Danach schlendern wir an den Buden entlang ... – und wundern uns, als wir die Hallen verlassen wollen, weshalb im Eingang so viele Menschen stehen. Es regnet aus Kübeln!

Per Taxi kommen wir halbwegs trocken ins Hotel zurück. Und hier bin ich nun und verabschiede mich. Ein Termin in Hamburg zwingt mich, morgen getrennt von der Reisegruppe den Rückweg anzutreten. Daher kann ich nicht von der Fährfahrt mit dem Containerschiff berichten. Und der letzte gemeinsame Abend bleibt einfach mal unser Geheimnis.

 

G6-Gipfel in Saulkrasti

Tag 11 – 29.07.12, Sigulda – Riga

Wer gedacht hatte, die Hitze des Vortages sei einmalig gewesen, der sieht sich getäuscht. Sie kommt langsam, aber gewaltig. Angenehm kühl beginnt der Tag mit einer kurzen Radfahrt zur Burg Sigulda, die einen wunderschönen Vorab-Blick von oben auf die saftig-grün bewaldete Landschaft des Gauja-Nationalparks bietet. Durch diese radeln wir dann auch weiter zur Burg von Turaida, wo wir von der traurigen Geschichte Maijas, der Rose von Turaida, Kenntnis erlangen.

Die Anlage ist ein magischer Ort, der mit seinen großen Bäumen und sanften Hügeln ein wenig englisch anmutet. Ein kurzes Gewitter bringt Abkühlung, doch in seinem Rücken erwischt es uns doppelt heftig: 16 Kilometer sind es zum Meer, dem Badeort Saulkrasti, auf einer gut geteerten Straße allerdings. Doch nun brennt die Sonne unerbittlich. Gut, dass jede/r sein eigenes Tempo fahren kann und wir alle mit diversen Wasserflaschen ausgestattet sind. Mit hängenden Zungen erreichen wir den Strand und sind erfreut, einen Kiosk vorzufinden, der leckeres Fassbier serviert.

Als die Kühlung von innen nachlässt, gehen wir zum Wasser hinunter; um zu schwimmen oder nur die Füße hineinzustecken. Um 17 Uhr bringt uns ein gut gefüllter Nahverkehrszug nach Riga. Gemeinsam mit den Einheimischen schwitzen wir uns in die Stadt. Dort warten im Hotel glücklicherweise Duschen und erstaunlicherweise auch bald das Gepäck. So können wir erfrischt zu Abend essen und uns danach in den Trubel der Altstadt von Riga stürzen.

Otava Yo spielen auf einem belebten Platz – wir sind alle begeistert und machen die Band reich durch den Erwerb ihrer CDs (http://www.myspace.com/otavae). Mein leckerer Mojito hat mich müde gemacht und der letzte Landpartie-Tag geht zu Ende.

Unerwartete und willkommene Erfrischung

Tag 10 – 28.07.12, Siauliai (LT) – Sigulda (LV)

Mit dem Bus geht es morgens zum »Berg der Kreuze«. Den Tag im Bus zu beginnen, gefällt den Radlern nicht, aber sie bekommen gesagt, es handle sich um eine echte Attraktion, die nicht anders zu erreichen sei. Tatsächlich lässt dieser Hügel, der mit tausenden von höchst individuellen Kreuzen gespickt ist, die wenigsten kalt. Der Bus bringt uns dann noch einige Kilometer zu dem Ort, wo wir endlich aufs Rad dürfen.

Mit der Hitze ist allerdings heute nicht zu spaßen. Da kommt es gerade recht, dass bei einem Zwischenstopp eine Dorfbewohnerin aus ihrem Haus gestürzt kommt und voller Entzücken juchzt ob dieser Attraktion. Schon zaubert sie eine riesige Wassermelone hervor, die sie mit einem Schlachtermesser in Stücke grob zerteilt. In Minuten gleicht das große Tablett einem Schlachtfeld.

Mit großem Hallo verabschieden wir uns und fahren über staubige Straßen und Schotterwege zum Stausee, an dem unser Picknick stattfindet. Dort kühlen wir die müden Füße im Wasser und stärken uns ausgiebig. Wieder auf dem Rad, erreichen wir nach wenigen Kilometern die Grenze zu Lettland, die in der Schengen-Welt nur aus einem Schild und zwei Grenzpfeilern besteht.

Schnell setzen wir die Tour fort, denn die Sonne brennt unbarmherzig. So sind wir mehr als froh, gegen 16 Uhr am Schloss Rondale anzukommen. Eine recht eigenwillige Führerin gewährt uns dort Einblick in das Leben der Fürsten des 18. und 19. Jahrhunderts. Mit dem Bus erreichen wir nach anstrengender Fahrt Sigulda, wo wir nicht ins vorgesehene Hotel können und nun etwas außerhalb einquartiert werden. So essen wir erst um neun zu Abend, genießen aber nach leckerem Mal noch ein Bier auf der Terrasse mit Blick auf eine stilvolle Teichlandschaft.

Ein heißer Tag!

Tag 9 – 27.07.12, Klaipeda – Šiauliai

28 km auf dem genialen Radweg 10. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Noch ein Schlenker durch den Nationalpark und das soll es gewesen sein. Dabei steht doch in der Reisebeschreibung etwas von 62 km. Das ist der Reisegruppe schwer zu vermitteln, denn sie ist heiß auf das, wozu sie angetreten ist. Rad fahren.

Also wird kurzerhand die Tour abgeändert. Eine gute Entscheidung, denn so fahren wir bei strahlendem Sonnenschein den Radweg 10 noch über Palanga hinaus, bis zu seinem Ende in Šventoji. Dort wartet ein bequemer Bus, der uns in den Žemaitija Nationalpark bringt. Ein Nationalpark, der es in sich hat: Auf unserer kleinen geführten Rundtour kriegen wir es mit einem Haufen Jugendlicher und einem Militärorchester zu tun, die wegen eines Basketball-Events vor Ort sind. Wir kämpfen uns durch dichte Reihen geparkter Autos. Natur pur.

Umso schöner, dass wir nun 12 km Zufahrtsstraße zum Park auf dem Rad vor uns haben, die wir nach Lust und Laune individuell genießen dürfen. Ich gebe richtig Gas und kriege einen puterrroten Kopf dabei. Am Ende trudeln alle unten zufrieden ein und genießen die Busfahrt über die Schnellstraße nach Šiauliai. Das Hotel liegt diesmal an einer Einfallstraße, also fern des Stadtzentrums. Wir machen keine Kompromisse, und nach dem leckeren Essen sitzt die fast komplette Reisegruppe auf der Terrasse des Hotels und pichelt sich einen. Ein überraschend schöner Tag!

Spaß im Hexenwald

Tag 8 - 26.07.12, Nida - Klaipeda

Der heutige Tag ist geprägt vom nationalen Radweg 10, der seinem Namen tatsächlich alle Ehre macht. Auf separater Asphaltspur gleiten wir überwiegend komfortabel durch den lichten Wald der Nehrung, zunächst auf der Haffseite, später parallel zur Seeküste, wo wir auch picknicken und ein kühles Bad nehmen. Zuvor aber machen wir einen Abstecher nach Juodkrante/Schwarzort, wo auf dem so genannten Hexenberg von lokalen Künstlern gestaltete Skulpturen aus Eichenholz die Sagenwelt Litauens lebendig werden lassen.

Nach der Pause geht es wie auf Schienen (Radweg 10!) durch eine abwechslungsreiche Dünenlandschaft, die an einigen Stellen noch geprägt ist von Waldbränden vergangener Jahre. Besonders markant sind die Brandschneisen, die ich zunächst für Reitwege hielt.

Nach angenehmer Tour kommen wir pünktlich an der Fähre an, die uns eine wahre Völkerwanderung entgegenspuckt. Mit gefühlten mehreren hundert Ausflüglern drängeln wir uns auf das Schiff und sind in kurzer Zeit in Klaipeda. Direkt am Hafen, in der rekonstruierten Altstadt begrüßt uns unser Hotel, dass diesmal 1a WLAN bietet. Ob nach dem Essen beim Stadtrundgang noch Ännchen von Tharau angestimmt wird, vermag ich nicht zu sagen, da ich mich zu einer kleinen Shopping-Tour absetze.

Der für die Nehrung typische Kurenwimpel zeigt die schwarzweißen Rechtecke von Nida

Tag 7 - 25.07.12, Ruhetag in Nida

Ganz ungewohnt: Morgens müssen wir keine Koffer packen und können ganz entspannt frühstücken. Trotzdem steigen wir pünktlich aufs Rad, denn wir wollen dem Touristenstrom an der Hohen Düne zuvorkommen. Das funktioniert natürlich nicht und so ist es reichlich voll auf der Aussichtsplattform, die einen Blick über die Landschaft in Richtung Haff wie in Richtung Meer bietet. Einige erkunden auch das steinerne Kunstwerk am Gipfel der Düne und wundern sich, weshalb bei der Sonnenuhr der Schatten auf 6 Uhr steht.

Nach dem Abstieg von der Düne radeln wir zum Bernsteinmuseum und gehen von dort über die evangelische Kirche zum Thomas-Mann-Haus, wo wir mit eigenen Augen den „Italienblick“ genießen, den der Künstler damals pries.

Danach geht jeder eigene Wege: Einige fahren zur Seeseite hinüber, andere erkunden den Ort oder setzen sich in ein Café. Ich möchte endlich ein paar Texte online stellen, doch das Hotel scheint nur auf dem Papier mit WLAN ausgestattet. Am Ende sitze ich in einer Bar am Hafen, die immerhin eine schwache Verbindung bietet, trinke ein Memelbräu und höre Reggae, während hinter mir ein kleines Mädchen herumspringt. Irgendwie gehen dann auch die Texte in den Äther. Nach dem Abendessen schlendern wir die Promenade entlang zum Sonnenuntergang, der einem Bild von Monet in nichts nachsteht.

Vogelwarte mit Netzen
Reisegesellschaft und interessierte Kuh

Tag 6 - 24.07.12, Rauschen – Nida

Wir verlassen das schöne Rauschen einmal mehr per Bus, der uns über eine nagelneue Autobahn nach Cranz bringt. Dort steigen wir auf die Räder und sind in wenigen Minuten am Eingang zum Weltkulturerbe Kurische Nehrung. Da wir radeln, müssen wir keine Umweltabgabe zahlen. Sie scheint allerdings nicht allzu hoch zu sein, denn die Straße ist gut gefüllt mit Autos aller Größen und Altersklassen.

Tapfer fahren wir an den rechten Fahrbahnrand geklemmt die lange, meist gerade Strecke durch den Wald. Immer wieder gehen links Wege in die Dünen ab, die gut besucht von Badegästen sind. Unser Highlight ist heute die Vogelwarte in Rossitten. Die riesigen Vogelnetze sind beeindruckend und wir dürfen zusehen, wie eine Schwalbe beringt wird.

Später geht es zurück über die Grenze nach Litauen, wo wir wieder EU-Boden unter den Füßen haben. Noch einige Kilometer, und wir sind in Nida, das direkt am Haff liegt, und Hafenatmosphäre atmet. Nach dem Essen sehen wir die Promenade (mit hohem Radverkehrsaufkommen auf zu schmalem Radweg!) und staunen über ein großes Sushi-Restaurant am Hafen. Man passt sich wohl den überwiegend deutschen Touristen an. Nachdem wir noch einige Worte mit dem Führer eines echten Kurischen Kahns gewechselt haben, lassen wir den Tag bei einem Bier ausklingen.

Bernstein

Tag 5 – 23.7.12, Kaliningrad - Rauschen/Svetlogorsk

Der Bus bringt uns aus der Stadt. Im Vorüberfahren sehen wir ein sehr viel farbigeres und ansprechenderes Bild von Kaliningrad, als es sich uns im Umkreis des Hotels bot. Wir durchfahren die grüne Vorstadt und steigen an einer Art Bahnhof auf die Räder. Vorbei an einer Reihe stinkender Geflügelfabriken geht es hinaus in die Natur. Die genießen wir heute in vollen Zügen, da ungetrübt von schwierigen Straßenverhältnissen.

Zwischendurch picknicken wir auf freier Wiese und sehen Kühe und Schafe. Am Nachmittag halten wir am Bernsteintagebau und buddeln wie glückliche Kinder selbst im Sand nach den Rohlingen. Zum Abend erreichen wir das mondäne Seebad Rauschen und genießen einen wunderbaren Strandspaziergang im Sonnenuntergang. Was soll da noch kommen?   

Picknick auf dem Kirchenparkplatz in Braniewo

Tag 4 - 22.7.12, Frombork – Kaliningrad

Noch vor der ersten sonntäglichen Messe soll der Frauenburger Dom besichtigt werden, so dass wir schon um halb neun starten. Nach einem Blick auf den Holzsarg, in dem Kopernikus' Knochen ihre wohlverdiente Ruhe gefunden haben, steigen wir auf den Turm hinauf, von dem aus der Astronom einst seine Studien betrieb. Von dort haben wir bei schönstem Sonnenschein einen traumhaften Panoramablick über das Kurische Haff. Die Welt ist in bester Ordnung.

Frohen Mutes radeln wir auf Betonplattenwegen nach Braniewo, wo wir uns eigentlich nur die Kirche anschauen wollen. Ein Wespenstich, der einen der Mitfahrenden kalt erwischt, wirft allerdings unsere Pläne um: Während der Arme ambulant behandelt wird, warten wir auf das Begleitfahrzeug und verlegen das Picknick kurzerhand auf den Kirchenvorplatz. Unser Treiben zieht einige Passanten an und es ergeben sich schöne Gespräche.

Zeitlich etwas zurückgeworfen beschließen wir, die Abkürzung über die Autostraße zu nehmen, um schnell zur Grenze zu kommen. Wir haben die Rechnung allerdings ohne die polnische Polizei gemacht, die eine Kleingruppe der Straße verweist. Nach gutem Zureden erteilt man doch eine Ausnahmegenehmigung – dann heißt es nur noch Geduld bewahren bei der Grenzzeremonie.

So ist es am Ende halb acht Uhr Ortszeit, als wir das Hotel in Kaliningrad per Bustransfer erreichen. Eine Bootstour durch den Hafen beschließt diesen Tag voller Überraschungen.

ADFC-Reise Hamburg-St. Petersburg
Die Hauptbeschäftigung
ADFC-Reise Hamburg-St. Petersburg
Käse- und Fischspezialitäten beim Picknick

Tag 3 – 21.07.12, Malbork – Frombork

Die Wolkendecke ist morgens deutlich höher und weist auch schon einige Lücken auf. Das lässt zu Recht auf besseres Wetter hoffen. Doch zunächst geht es zu einer ausführlichen Führung durch die Marienburg. Besonders beeindruckend ist die im Versammlungssaal eingemauerte steinerne Kanonenkugel, die den zentralen Pfeiler des Raumes einst um Haaresbreite verfehlte.

Mit dem Rad geht es überwiegend auf Straßen in Richtung Elblag. Kleine Gruppen sind notwendig, die den eher ungeduldigen polnischen Kraftfahrern Raum zum Überholen lassen. Diszipliniert fügen wir uns in unser Schicksal, werden allerdings etwas ungehalten, als in einer Seitenstraße plötzlich das Kopfsteinpflaster aus der Hölle auftaucht. Dann stehen wir vor einem Bauernhof. Alles zurück, die Stimmung am Tiefpunkt. Nun, wenigstens regnet es nicht.

Die richtige Abzweigung bringt uns relativ schnell zu unserem Picknick-Stop, wo uns ein fürstliches Mahl erwartet, das die Stimmung aufhellt. Gemeinsam meistern wir die Fahrt durch Elblag mit Bravour und erreichen in der Nachmittagssonne die Elbinger Höhen. Allerdings nicht ohne auf der Schlussabfahrt eine unserer Gruppen an einer Gabelung zu verlieren. Glück im Unglück: Gerade ist Armin mit dem Begleitfahrzeug in der Nähe und bringt das Team zurück auf den rechten Weg.

Auf dem Gelände des Kadiny Country Clubs laden wir unsere Räder auf den Hänger und fahren mit dem Bus in die Kopernikus-Stadt Frombork.

Auf der Fähre
Storchennest

Tag 1+2, 19.07.-20.07.12, Gdansk – Malbork

Erinnern wir uns: Im vergangenen Jahr verbrachte ich einige Zeit damit, zur Gruppe zu finden. Mindestens ebenso lange brauchte die Gruppe, um sich »einzugrooven«. Dieser ganze Prozess verkürzt sich in diesem Jahr auf die zehn Minuten am ZOB Hamburg, wo sich alle wieder treffen und direkt dort weitermachen, wo sie vor einem Jahr aufgehört haben. Sicher nicht ganz einfach für die sieben »Neuen«, die in dieses Hallo hineingeworfen werden. Bahn und Fähre bringen uns verlässlich nach Gdynia, wo wir am Freitagmorgen um 7:30 Uhr in den Hafen einlaufen, alle noch etwas zerknittert von der Überfahrt.

Per Bustransfer erreichen wir Danzig, wo wir nicht eben gastlich empfangen werden. Der anvisierte Novotel-Parkplatz wird uns verwehrt, eine Seitenstraße mit kläffendem Schäferhund muss schließlich herhalten, um die Reisegruppe radfein zu machen. Kaum auf dem Rad, fängt es an zu regnen. Ein Spaß, der uns durch den Tag begleitet: Regenjacke an, wieder aus, Kapuze ab, Kapuze wieder auf. Einmal auch komplett nass werden bei Regen wie aus Kübeln. Dazu einige Probleme mit der Wegstrecke, die sich manchmal wie von Zauberhand aufzulösen scheint, so dass wir einige Male in die Irre fahren.

Zum Abend entspannt sich die Situation und wir erreichen die Marienburg, auf der gerade ein Jahrestag der Schlacht von Tannenberg gefeiert wird. Nach einem schmackhaften Mal und einigen alkoholischen Getränken sinken alle in schlaflose Träume.

Der Blog zur Reise-Etappe in 2011: Hamburg – Danzig

Für den ADFC Hamburg berichtet Amrey Depenau von der Etappe Hamburg – Danzig.

Da ich den letzten Tag in Danzig mal ohne Kamera genießen wollte, ist dies ein Bild unseres Abendspaziergangs am Vortag.

07.+08.08.2011 Do widzenia!

Am Abreisetag in Danzig kommt trotz fehlender Räder keine Langeweile auf: Schon um 9 Uhr erhalten wir eine sehr kompetente Stadtführung, bei der Hinweise auf Langfinger und Nepp beim Geldwechsel ebensowenig fehlen wie ein Exkurs in die Bernsteinkunde. Danach haben wir genau 90 Minuten Zeit, um noch ein wenig zu bummeln. Da wir beim Rundgang die Ohren gespitzt haben, finden wir schnell schöne Mitbringsel aus Bernstein und andere lokale Spezialitäten. Es bleibt sogar noch Zeit für einen Kaffee, bevor es dann zur Solidarnosc-Gedänkstätte geht. Der Rundgang über das Werftgelände ist sehr berührend und wir nehmen die deutliche Bitterkeit wahr, die unsere Führer erkennen lassen: Die damalige Kraft der Bewegung hat aus verschiedenen Gründen nicht gereicht, um die Träume von Gerechtigkeit und echter Demokratie zu realisieren. Vor dem drohenden Regen flüchten wir in unseren Transferbus und erreichen wohlbehalten die Fähre. Am Abend sitzen wir alle zusammen an Deck, genießen den Sonnenuntergang und nehmen das ein oder andere Getränk, bevor es dann zeitig in die Kojen geht. Pünktlich am Morgen erreichen wir Rostock und fahren mit Bahn und Bus nach Hamburg zurück. Nach zwei Wochen fast immer guten Wetters begrüßt uns die Hansestadt mit 15 Grad und Regen. Ein wenig sehnen wir uns jetzt schon ins schöne Polen zurück …

06.08.2011 Ankunft in Gdansk

Der letzte Tag, an dem wir Rad fahren. Irgendwie spüren wir schon den Abschied. Dabei sind die letzten 50 km kein Zuckerschlecken: Beim Verlassen von Bytow setzt sich das Auf und Ab des Vortags nahtlos fort. Steigung und Abfahrt wechseln sich beständig ab. Nur sind wir das jetzt schon gewöhnt – ebenso wie die abenteuerliche Sandstrecke, auf der wir mehr schlingern denn fahren. Belohnt werden wir mit einer lieblichen Landschaft, in der immer wieder Seen aufblitzen. Leider meist nur durch die Kiefernwälder, da auch dieses Gebiet Naturschutzpark ist. Beim Picknick nehmen wir Abschied von der Schlacht am kalten Buffet, die wir zwölf Tage lang vollführten. Danach geht es noch mal ans Eingemachte: Eine Mischung aus Schotter, Sand und Kopfsteinpflaster verlangt uns alles ab, bevor wir dann auf einem Asphaltstück ausrollen. Die Tour ist vollendet, alle sind ins Ziel gekommen – nach rund 660 Kilometern, die der Tacho anzeigt. Nach einem kurzen Transfer noch ein bisschen Danzig-Sightseeing und dann geht es morgen heim!

05.08.2011 Durch die kaschubische Schweiz nach Bëtowò

Heute ist der Tag der langen Steigungen und „Zack“. Zack? – das sagt unsere Tourenleiterin, als sie uns die Route beschreibt: „Da ist Asphalt, da ein bisschen Sand und zack und dann wieder Asphalt.“ Zack hat es in sich und ist eine Kombination aus Sandflächen und übelstem Naturkopfsteinpflaster. Danach sind wir alle erstmal fertig mit der Welt und haben schmerzende Arme. Ansonsten fahren wir zwar überwiegend auf recht guten Straßen, dafür mit einem Auf und Ab, das nicht wenige an ihre Grenzen bringt. Gut, dass das Picknick uns nach knapp zwei Dritteln der Strecke die Kräfte zurückgibt. Im Endspurt geht es dann nach Bytow, das auf Kaschubisch Bëtowò heißt. Wir freuen uns auf das stilvolle Hotel Zamek, das in einer alten Burg angelegt ist. Leider ziehen nur 5 Parteien dieses Los, die anderen, mich eingeschlossen, werden in ein recht schäbiges Hotel am Ortsrand ausquartiert. Es gab da ein Problem …

04.08.2011 Ausflug in den Słowiński-Nationalpark

Heute sind alle ein wenig schwerbeinig nach der gestrigen, recht anspruchsvollen Geländefahrt. Da kommt ein entspannter Ausflug in die Dünen gerade richtig. Wir fahren – leider per Bus – nach Równo und von dort zum Jezioro Gardno, dem Garder See. Nachdem wir den Ausblick genossen haben, radeln wir über baumwurzlige Sandwege und abenteuerliche Plattenwege durch die idyllische Dünenlandschaft, später auch auf einem schönen Stück Asphalt, bis wir nach gut 25 km an den Wanderdünen angekommen sind. Dort erwartet uns ein deftiges Picknick. Während die meisten nun Richtung Dünen verschwinden, nehmen acht lieber den Transporter zurück nach Słupsk, was unseren Fahrer extrem ins schwitzen bringt. Nicht nur, dass einmal mehr die vermaledeiten Räder verladen werden müssen, nein, nun heißt es auch noch die Sitze freiräumen. Um halb vier sind wir wohlbehalten zurück und ich genieße den freien Nachmittag! Wer die Dünen sehen will, guckt hier.

 

03.08.2011 Kołobrzeg – Darłowo - Słupsk

Der Tag beginnt mit einer ziemlich ermüdenden Busfahrt – sind wir ja gar nicht mehr gewöhnt! Sie führte uns nach Rügenwalde, wo es leider keine Teewurst gibt. Polnisch heißt es Darłowo mit dem durchgestrichenen ł, das sich wie das englische w spricht. In einem historischen Museum sehen wir uns in einer Art lebensgroßen Puppenstube an, wie die Fürsten seinerzeit lebten. Einige hundert Meter weiter in der St. Marienkirche sehen wir dann, wie sie zur letzten Ruhe gebettet wurden: Dort stehen drei Sarkophage. Nun radeln wir über Stock und Stein an die Küste, wo wir in einem der unzähligen Badeorte ein Picknick nehmen und den Baggern beim Ausbau der örtlichen Infrastruktur zusehen. Gestärkt machen wir uns an das größere Stück der Tagesstrecke: 40 km Straße werden diszipliniert und den Gefahren durch rasende Wahnsinnige trotzend zügig zurückgelegt. Bei der Ankunft in Słupsk spürt so mancher seine Waden und Oberschenkel vom kräftigen Gegenwind und hügeliger Landschaft.

02.08.2011 Kamień Pom. – Trzęsacz – Niechorze – Kołobrzeg

Heute ist unser erster komplett polnischer Tag: Staubige Straßen, schlammige Waldwege, überall rosa gefärbte Badegäste mit meist rundlichen Bäuchen – das volle Programm. Wir schlagen uns tapfer, bleiben im Wald im Schlamm stecken und fahren todesmutig auf Asphalt, der den Namen nicht wirklich verdient. An jeder Ecke lauert polnische Geschichte, sei es in Gestalt eines Marienaltars, einer unterspülten Kirche, von der nur noch eine Mauer steht, oder eines Leuchtturms, der einst die Küste kontrollierte. Bei strahlendem Sonnenschein nehmen wir ein Bad in der Ostsee zwischen Tausenden Sonnenanbetern und fallen hungrig über das Picknick am Hang her, wo wir uns mit großen Ameisen um die Plätze streiten. Ab Niechorze, wo wir den Leuchtturm besteigen, geht es mit dem Bus über Trzebiatów nach Kołobrzeg, auf einer Straße, die ein blaues Schild ziert: Rad- und Fußgängersymbol rot durchgestrichen!

01.08.2011 Koserow – Ahlbeck – Wollin – Kamien Pomorski

Der letzte Tag in Euroland. Wir decken uns in der Apotheke mit Salben ein, im Fahrradladen mit allem, was am Rad so wackelt. Dann geht es an der Ostsee lang durch die Bäder: Basin – Heringsdorf – Ahlbeck. Auf dem Weg eine gerissene Kette und eine defekte Schaltung. Gosia, unsere polnische Tourleiterin, die uns ab jetzt begleitet, hat gleich alle Hände voll zu tun. Sie legt selbst Hand an und flickt die Kette. Im wunderschönen Ahlbeck pausieren wir bei strahlendem Sonnenschein, kühlen unsere Füße in den Wellen und suchen einmal mehr ein Fahrradgeschäft auf. Mit viel Emotion überqueren wir die Grenze und steigen in den Bus nach Wollin. Nach 20 km Straße und ersten Eindrücken polnischer Autofahrermentalität erreichen wir wohlbehalten Kamien. Im Abendrot genießen wir nach zünftigem Mahl Wodka und Bier auf der hoteleigenen Terasse.

31.07.2011 Barth – Stralsund – Wolgast - Usedom

Der Tag beginnt mit einem Plattfuß. Im Nieselregen wechsle ich mit Unterstützung einiger Radlerkollegen den Schlauch und entferne einen grünen Splitter aus dem Mantel. Wir starten verspätet. Kurz darauf scheitert eine Mitfahrerin beim Spurwechsel und reißt mich mit – sanft lande ich in den Brennnesseln. Der Regen hat unterdessen aufgehört. Bei bedecktem bis freundlichem Himmel radeln wir entlang der Ostseeküste nach Stralsund. Immer wieder blitzen Meer und Dünen auf, aber auch Waldabschnitte sind dabei. In Stralsund angekommen führt uns ein Stadtrundgang die Bedeutung der Hansestadt vor Augen. Trotzdem verlassen wir sie und fahren mit der Bahn nach Wolgast, wo uns ein letztes Mal Fabian mit dem Landpartie-Wagen erwartet. Da er uns verlässt, um eine andere Tour zu übernehmen, kommt es zu herzzerreißenden Abschiedsszenen. Die Tränen trocknen auf den letzten 20 km bis nach Koserow. Beim Abendessen gieße ich meinem Tischnachbarn mein Bier in den Schoß. Es ist nicht mein Tag.

30.07.2011 Rostock – Warnemünde –  Darß – Barth

Der Wetterdienst verspricht für heute wieder Unwetter, tatsächlich fahren wir aber mit sonnig-blauen Löchern am Himmel los. Locker radeln wir nach Warnemünde, setzen auf die andere Uferseite über und genießen ab jetzt eine traumhafte Fahrt durch die Dünen und den Wald. Stop! Ich vergaß das Wasser von unten: Wir haben viel Spaß mit Schlamm und Mini-Seen, die aus dem Radweg einen Hindernis-Parcours machen. Das idyllische Picknick im Hafen von Ahrenshoop entschädigt dann für manchen Schreck. Bis kurz vor Born genießen wir die Küstenlandschaft regenfrei und flüchten uns vor kräftigen Schauern wenig später auf die Fähre, die uns über den Bodden bringt. Beschwingt von geistvollen Getränken auf dem Schiff ist der Rest des Weges zwar nass, aber kurz. Unsere Freude auf das Hotel im Herzen der Stadt wird allerdings etwas getrübt durch eine Silberhochzeit, die im Haus gefeiert wird. Ich schlafe ein mit „Griechischer Wein“.

29.07.2011 Wismar - Kühlungsborn - Heiligendamm - Rostock

Wir sind noch mal davongekommen. Aus Wismar und Rostock werden sintflutartige Regenfälle gemeldet - wir huschen darunter irgendwie hindurch. Aufregung haben wir auch so genug: Bei all den Abzweigungen und den widrigen Bedingungen geht ein Gruppenmitglied verloren. Wohlbehalten wieder aufgetaucht, muss die Dame auch noch einen platten Reifen verkraften. Beim Bummel in Kühlungsborn und später im Grand Hotel Heiligendamm sind diese Schrecken jedoch bald vergessen. Der Ostseeküstenradweg soll uns nach Warnemünde führen, ist aber zu einer Seenlandschaft geworden, so dass wir todesmutig auf die parallele Straße ausweichen, auf der wir dennoch sicher ankommen. Ein Taxitransfer (Skandal!) bringt uns feuchten Fußes zu unserem Hotel in Rostock.

28.07.2011 Schwerin – Wiligrad – Dorf Mecklenburg – Wismar

Nach einer Führung vom obersten Türmchen bis zu den Katakomben des Schweriner Schlosses zeigen uns zwei Kollegen vom ADFC Schwerin die angrenzende Orangerie. Eine Flut von Eindrücken, unter denen historische Überführungssärge und das Konferenzzimmer des Ältestenrats des Schweriner Landtags hervorstechen: Er hat eine Rauschanlage gegen Lauschangriffe! Später verlassen wir Schwerin, nehmen im Skulpturen-Park von Wiligrad ein feudales Mittagsmahl ein und radeln zügig nach Wismar. Kaum angekommen, erwartet uns schon ein Stadtrundgang mit vielen historischen Informationen und zwei ausführlichen Kirchenbegehungen. Geschwächt von so viel Kultur freut sich die Mehrheit der Reisenden über die leckere Fischpfanne zum Abendessen.

27.07.2011 Kehrsen - Zarrrentin – Dümmer See – Schwerin

Mecklenburg Vorpommern begrüßt uns mit Buckelpisten: Viele Orte, durch die wir fahren, präsentieren uns gefühlt 200 Jahre altes Kopfsteinpflaster. Wir drücken uns auf schmalen Sandspuren am Rand vorbei – nur um dann irgendwo stecken zu bleiben. Dazu einige Ausflüge ins Grün, die auch nicht ganz ohne sind. Da freuen wir uns umso mehr über von Linden gesäumte Alleen und nehmen die hügelige Anfahrt auf Schwerin klaglos hin. Bis dahin haben wir aber schon einen sehr persönlichen Einblick in das Leben im damaligen DDR-Grenzgebiet bei Zarrentin bekommen, uns mit Saibling und Maräne am idyllischen Schalsee den Bauch vollgeschlagen und rund siebzig Kilometer radelnd hinter uns gebracht. Den Tag beschließt ein Mahl mit Blick auf den Sonnenuntergang über dem Ziegelsee.

26.07.2011 Bergedorf – Vierlande – Lauenburg – Büchen – Kehrsen

Die Reise beginnt auf dem P+R-Parkplatz am Bergedorfer Bahnhof und damit mit genervten Autofahrern. Etwas verspätet brechen wir auf und bahnen uns den Weg durch Bergedorf in die Vierlande. Dort gleich ein Highlight: Die Kirche St. Johannis in Curslack. Weiter geht es über alte Bahndämme Richtung Lauenburg. Wir sind noch gar nicht richtig warmgefahren, da ist schon Picknickzeit und Fabian serviert Wurst und Käse mit regionalem Bezug. Besonders der Seeluft-getrocknete Schinken ist ratzfatz weg. Wie eigentlich auch alles andere. Wir fahren nach Lauenburg und grooven uns langsam ein. Vom Alltagsrad bis zum Cross-tauglichen Renner ist alles dabei und so zieht sich das Peloton gerne mal auseinander. Am Abend sind alle froh, im Landgasthof Meincke ihr Rad im Partyraum abstellen zu dürfen.