27.09.2013

Endlich in St. Petersburg!

Von: Merja Spott

Vor drei Jahren machte sich der ADFC Hamburg mit dem Radreiseveranstalter »die Landpartie« auf den Weg, die beiden Partnerstädte an den großen Flüssen miteinander zu verbinden. Von den bisherigen Abenteuern zwischen Hamburg und Riga haben wir bereits berichtet. Für die letzte Rad-Etappe von Riga bis St. Petersburg war Merja Spott mit unterwegs.

Die Gruppe hatte auch auf den Schotterpisten ihren Spaß.

In diesem Jahr sind wir nun wirklich am Ziel angekommen – in St. Petersburg auf dem Schlossplatz vor dem Winterpalast. Schön war es, die glücklichen und stolzen Gesichter meiner Mitreisenden zu sehen. Auch für mich war es etwas Besonderes – auch wenn ich nur die letzte Etappe mitgefahren bin. Denn allein auf dieser Strecke von Lettland über Estland nach Russland wurde uns eindrücklich die wechselvolle Geschichte Europas vor Augen geführt. Diesen Abschnitt nun auf dem Fahrrad relativ unkompliziert fahren zu können – das ist traumhaft.

Die Strecke

Für Freunde von glatten Asphaltbändern durch die Landschaft ist Osteuropa nichts. Das Straßennetz, besonders in Lettland, ist noch nicht komplett ausgebaut. Wir hatten also noch so manche Schotterpiste mit einigen Bodenwellen zu bewältigen. Einerseits mag ich diese Art von Entschleunigung, dadurch ergibt sich ein ganz anderer Blick auf die Landschaft. Andererseits reichte es mir auch am Endes des Tages, wenn die Strecke im unendlich scheinenden Wald nicht zu Ende gehen wollte. Umso mehr genossen wir das schnelle Radfahren auf den gut ausgebauten Straßen in Estland. Hier gab es streckenweise geführte Radwege, sogar ein Fernradwegenetz war ausgeschildert.

Zwei Partnerstädte – zwei Welten?

Glücklich am Ziel der dritten und letzten Etappe auf dem Schlossplatz in St. Petersburg
Glücklich am Ziel der dritten und letzten Etappe auf dem Schlossplatz in St. Petersburg

Die eine hanseatische Handelsstadt, die andere Repräsentanz des russischen Zarenreiches. Viel mehr können sich zwei Städte also auf den ersten Blick gar nicht unterscheiden. Aber bei der Einfahrt in die Stadt sahen wir eben auch die andere Seite. St. Petersburg ist genauso wie Hamburg eine Hafenstadt. Der Anblick auf die gestapelten Container ließ also Heimatgefühle aufkommen. Außerdem ist St. Petersburg ebenfalls wie Hamburg durch einen großen Fluss und viele kleine Kanäle geprägt. Der weite Himmel, das kühle Licht gibt der Stadt an der Newa einen ähnlichen reservierten Charme – es sind eben beides Städte des Nordens. Was die Größe, die Lebendigkeit und die kulturellen Schätze angeht, da kann Hamburg nicht mithalten. Zuerst überforderte mich und die anderen die Fülle der Stadt etwas – nach den ruhigen Tagen im Baltikum. Später genoss ich es, zum Abschluss der Reise in die Unmengen von Kultur und das fremde Russland einzutauchen.

Der Urlaub

Eine organisierte Reise, das heißt immer volles Programm und wenig Zeit zur eigenen Verfügung. Ich hatte dann auch noch jeden Abend die Texte für das ADFC-Blog zu schreiben. Aber es wurde nicht stressig, der Tag bestand ja nur daraus, auf dem Fahrrad zu sitzen und sich dabei an der Landschaft zu erfreuen – alles andere wurde von den Reiseleitern bestens für uns erledigt. Es bleibt eine ganze Menge schöner Erinnerungen: das Baden beim Sonnenuntergang im See von Otepää, der Sandsturm am Strand von Narva-Joesuu, die tollen Picknickplätze, der schöne laue Abend im gemütlichen Gut Palmse, die Wasserspiele und der Goldglanz in Peterhof, die freundlichen kleinen Holzhäuschen mit den schönen Gärten – und natürlich der erfrischende Fahrtwind und das gute Gefühl, jeden Abend eine schöne Strecke gefahren zu sein. Hinzu kommt eine Erinnerung, die uns allen auf jeden Fall bleiben wird: mit dem Fahrrad auf dem Schlossplatz in St. Petersburg einzufahren. Und wer noch mehr erfahren will, muss die Tour wohl einfach selbst machen.

Merja Spott in RadCity 5/2013