13.03.2012

Von Hamburg nach St. Petersburg per Rad

Von: Ulf Dietze, Johanna Drescher

In drei Etappen umweltfreundlich zu Hamburgs Partnerstadt

Die Erlöserkirche in St. Petersburg

Das bietet der ADFC Hamburg in Kooperation mit »Die Landpartie Radeln und Reisen« in den kommenden drei Jahren. Auf die ReiseteilnehmerInnen warten Kultur, Erholung, einzigartige Erlebnisse und interessante Kontakte entlang der Ostseeküste durch sieben Länder.

Die beiden Partnerstädte Hamburg und St. Petersburg durch eine Radstrecke zu verbinden ist die Ausgangs-idee. Unsere Reise führt durch die Ostseeanrainer Deutschland, Polen, die russische Enklave Königsberg, Litauen, Lettland, Estland und hinein in das große Russland. Die Route könnte spannender nicht sein. Mit der Unabhängigkeit und ihrem EU-Beitritt sind die baltischen Staaten und Polen wieder in das Blickfeld der europäischen Geschichte gerückt. Mittendrin die Enklave Königsberg. Die kulturelle Vielfalt, die Geschichte und Gegenwart hier mitten in Europa geschaffen haben, ist beeindruckend.

Reiseabschnitte

Die Fahrt besteht aus drei je 14-tägigen Reisen. Sie beginnt 2011 mit dem Abschnitt Hamburg – Danzig, 2012 folgt die Etappe Danzig – Riga und in 2013 als krönender Abschluss Riga – St. Petersburg. Sämtliche Start- und Zielpunkte lassen sich ab Lübeck-Travemünde mit Fährschiffen der DFDS-Lisco und der Finnlines ansteuern. Die An- und Abreise über das Meer ist Teil des Gesamterlebnisses.
Die ganze Strecke über drei Jahre zu erkunden, macht den besonderen Reiz der Reise aus. Wer aber nur einzelne Abschnitte mitradeln möchte, ist genauso willkommen. Für alle Radlerinnen und Radler, die sich die Gesamtstrecke vornehmen möchten, garantiert die Landpartie Radeln und Reisen auf Wunsch die Plätze für die späteren Etappen.

So sieht ein typisches Mittagspicknick auf der Reise aus.

Tagesetappen

Jeder Reiseabschnitt stellt für sich ein einmaliges, erholsames und erlebnisreiches Reiseerlebnis dar. Inge Hauer von der Landpartie: »Das beginnt bei der Planung der Tagesetappen, die zwischen 50 und 70 km liegen. So ist genug Zeit für Besichtigungen, Führungen und Begegnungen. Wir werden das Gepäck transportieren und ein Begleitfahrzeug mit Fahrradanhänger vor Ort haben.
Einzelne Streckenabschnitte können wir so auch einmal mit Bus, Bahn oder Schiff überbrücken. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Der Tag beginnt mit einem umfangreichen Radlerfrühstück. Am Abend erwartet uns ein 3-gängiges Abendessen als Halbpension. Mittags werden wir, wo immer das Wetter und die Umgebung es zulassen, ein Picknick im Grünen vorbereiten. Hier wird der Einkauf nach dem Umlageprinzip unter den Mitreisenden verrechnet.«

Auch für Wasser, Obst und kleine Snacks unterwegs ist gesorgt. Übernachtet wird zumeist in Hotels mit 3-Sterne-Standard auf der Strecke. Hauer: »In größeren Orten achten wir auf zentral gelegene Unterkünfte, auf dem Land sind wir auch gern direkt am See oder in anderer landschaftlich schöner Lage untergebracht.«
Auf jeder Reiseetappe wird es mindestens einen radelfreien Tag geben. Zeit für einen Tagesausflug, zum Bummeln und Baden. »Aber auch zwischendrin können sich müde Radler gern einmal im Begleitfahrzeug erholen.«

Die Reise findet in drei Etappen statt.

Land und Leute

Natur gibt es auf dieser Radreise zu entdecken wie sonst nirgendwo in Europa – die Ostsee und ihre Küstenlandschaften bieten eine beeindruckende Vielfalt. Allein die Kurische und die Frische Nehrung bilden zusammen mit der Bernsteinküste eine über 400 km lange Küstenlinie. Ein einzigartiges Landschaftsbild aus Wanderdünen und feinen Sandstränden, Hafforten und Steilküste, ursprünglichem Küstenwald und kaiserlichen Seebädern zeigt sich in voller Schönheit.

Die Hansestädte der Ostsee Wismar, Rostock, Stralsund, das moderne Kaliningrad/Königsberg oder die ehrwürdige Hansestadt Danzig, Riga, die Metropole des Baltikums, oder das mittelalterlich anmutende Tallinn sind so unterschiedlich, wie man es sich nur wünschen kann. Ritterorden, Hanse-Kaufleute, Kaiser, Könige und Zaren verabredeten hier die Politik des alten Europa.

Auch die jüngere Geschichte mit den kulturellen Eigenarten der baltischen Staaten im modernen Europa ist während der Radreise allgegenwärtig. So allgegenwärtig wie die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen, die hier leben.
Den Abschluss bildet der Besuch St. Petersburgs; ein kultureller Höhepunkt der besonderen Art. Das Kultur-, Wirtschafts- und Forschungszentrum (unter anderem 120 Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen, 375 Forschungsinstitute) gilt als eine der schönsten Städte Europas. Die Innenstadt ist Weltkulturerbe der UNESCO. Fjodor M. Dostojewski nannte St. Petersburg »die ausgedachteste Stadt der Welt« – keine Mühen schienen zu groß, um die Stadt in vollem Glanz erstrahlen zu lassen.

Ulf Dietze in RadCity 1/2010

Interview mit Kirsten Pfaue zur Radreise Hamburg – St. Petersburg

Weshalb habt ihr dieses Reiseziel ausgewählt?
Kirsten Pfaue: Hamburg hat traditionsreiche Verbindungen zur Partnerstadt St. Petersburg und gleichzeitig auch in den gesamten Ostseeraum hinein. Der entwickelt und verändert sich seit einigen Jahren rasant. Mit der Landpartie als Baltikumspezialisten mit erfahrenen Reiseleitern wird das eine erlebnisreiche und kulturell interessante Reise.

Was macht die Tour so besonders?
Pro Reiseabschnitt wird es etwa zwei Begegnungen geben, die den verkehrlichen Hintergrund beleuchten. Das kann ein Treffen mit einem Stadtplaner in Danzig sein, der uns die Fahrradpolitik dort erklärt. Es kann aber auch die Begegnung mit Umweltschützern sein, die uns aus ihrer Sicht über ein geplantes Infrastrukturprojekt informieren.

Wir wollen die Ostseeanrainerstaaten in einem besonderen Gemeinschaftserlebnis erradeln, bei dem wir Erholung und Information verbinden. Ich denke, dass wir durch das Erradeln der Strecke und durch die persönlichen Kontakte einen besonderen Blick auf Natur, Kultur und aktuelle Entwicklungen im Ostseeraum bekommen werden.

Ist alles schon komplett geplant?
Nee! Wir haben bei der Vorbereitung noch viel zu tun und freuen uns über Anregungen und Unterstützung von Personen, die entsprechende Kontakte haben.

Plant ihr weitere Reisen?
Nein. Diese Reise bleibt einmalig.

Fragen: ud