02.08.2009

Auf Goethes Spuren

Von: Carsten Stein

Ein Geheimtipp für Norddeutsche: Ein Kurztrip ins Weimarer Land, die Wiege der deutschen Geschichte, der deutschen Kultur und des deutschen Weinbaus in Mitteldeutschland.

Die Anfahrt mit der Bahn über Halle/Saale, Naumburg und Bad Kösen nach Weimar vermittelt erste positive Eindrücke der Saalelandschaft. Architektur, kleinstädtische Siedlungen und die in den Fels gebauten Burgen und Schlösser machen Lust, sofort aus dem Zug zu steigen und in die Toskana des Ostens einzutauchen.

Mit dem Zusammenfluss von Saale und Ilm in Kaatschen-Weichau erreicht man das Thüringer Becken. Man verlässt nicht nur Sachsen-Anhalt, sondern auch schlagartig das recht enge, gewundene Saaletal mit seinen Weinbergen und seinem südländischen Touch. Statt auf kleinflächige Weinberge blickt man nun rund um Apolda auf ausgedehnte Agrarflächen.

Kurz darauf erreicht die RadlerIn bereits Weimar. Überall in der Altstadt finden sich Anzeichen des Wirkens von Walter Gropius, dem Bauhausbegründer. Weitere bekannte Väter von Weimar sind bekanntlich Goethe und Schiller. So findet der Reisende hier Goethes Gartenhaus, zahlreiche Museen, ein Schloss und schön angelegte Parkanlagen.

Der Ilmtal-Radwanderweg stellt sich geradezu als Premium-Radweg dar. Auf einem Quadratmeter erlebt man mehr kulturelle Highlights als in der Heimat auf einem Hektar. Schon am Startpunkt in Allzunah/Rennsteig begegnet man Goethe, der den Radler auf den nächsten 125 km begleitet. Besonders zu erwähnen sind auch die Historische Mühle in Eberstedt, neben der ein knuffiges, schwimmendes Hüttendorf auf einem Fischteich zur Übernachtung einlädt, die Fahrradkapelle St. Margarete mit ihrer sympathischen und unkomplizierten Pfarrerin im selben Ort, sowie das Schloss Auerstedt mit dem Kutschenmuseum. Hier wird an die Schlacht gegen die napoleonischen Truppen vor rund 200 Jahren erinnert. Ums Eck in Bad Sulza befährt man durch das deutsche Weintor den Eingang des Saale-Unstrut Weinanbaugebietes in Sachsen-Anhalt. Die Dichte an Burgen und Schlössern entlang der Saale und der Ilm ist in Deutschland unerreicht.

Die Wegeführung entlang der Ilm ist weitgehend verkehrsarm, abwechslungsreich und gut befestigt. Die Strecke verläuft überwiegend in Flussnähe und die Topographie ist weitgehend flach. Abgesehen von ein paar hügeligen Abschnitten also eine familienfreundliche Route. Die Ilmtal-Beschilderung entspricht in Teilen nicht mehr dem »Stand der Technik«. Trotzdem ist sie überdurchschnittlich gut und fast lückenlos. Sich hier zu verfahren, ist schwierig. Das Bett und Bike-Netz auf dem Land ist ausbaufähig ...

Es bietet sich an, den Ilmtal-Radwanderweg mit anderen Radfernwegen wie der Saale, der Thüringer Städtekette, dem Rennsteig oder dem Werratal-Radwanderweg zu verbinden. Die Fahrradmitnahme ist übrigens dank des touristischen Engagements des Freistaates in allen Regionalzügen Thüringens kostenlos!

Carsten Stein in RadCity 4/2009

Infos

Die Anreise nach Weimar dauert mit dem Zug 5 Stunden. Ab 58 Euro bei rechtzeitiger Buchung. Die Strecke Weimar – Jena – Bad Sulza – Weimar ist an zwei Tagen zu bewältigen. Als zweiter Übernachtungspunkt bietet sich das schwimmende Hüttendorf in Eberstedt an. Es lohnen sich Abstecher nach Bad Kösen und Auerstedt.

Kartenmaterial gibt‘s vom Verlag grünes herz, Ilmenau, sowie vom Fremdenverkehrsverband Weimarer Land e.V. (Faltblatt mit Karte »Ilmtal-Radwanderweg«). Weitere Infos zum Radwandern in der Region über den Fremdenverkehrsverband Weimarer Land e.V. und die Thüringer Tourismus GmbH, Erfurt.

www.weimarer-land.de

Apfelblüte im Weimarer Land
Die schwimmenden Hütten von Eberstedt
Wegweiser an der Ilm
Weimarer Land