10.02.2010

Deutsch-luxemburgisches Grenzgebiet

Von: Carsten Stein

Schroff präsentiert sich die Mosellandschaft ab Koblenz und macht die jungen Wilden unter den RadlerInnen heiß auf Steigungen von bis zu 25 Prozent. Die eigentlicheZielgruppe der Touristiker sind jedoch Familien und Best Ager, die einen guten Tropfen direkt vom Winzer dem Erklimmen der Felshänge vorziehen.

Eigentlich schade, denke ich. Warum verkauft sich die Eifel unter Wert und vermarktet nicht ihr radtouristisches Gesamtpotenzial? Radtourismus und Berge müssen sich ja nicht ausschließen. Die in Wasserbillig lokalisierte deutsch-luxemburgische Touristinfo ist auf Radsportler noch nicht eingestellt. Bei der Vermarktung steht derzeit steigungsarmes Genussradeln im Vordergrund.

Alte Bahnstrecken

Aus diesem Grund wurde der Bahnradelpark Eifel geschaffen. 90 % dieser neu geschaffenen Radwege verlaufen abseits der Straßen auf 2,5 Meter breiten, überwiegend asphaltierten ehemaligen Bahntrassen und weisen daher kaum Steigungen auf. Mittlerweile sind in der Eifel aus 350 km stillgelegter Bahntrassen 350 km Flussradwege geworden. In dieses Projekt wurden bislang stolze 20 Mio. Euro investiert.

Wer Steigungen scheut, hat in der Eifel nunmehr die Möglichkeit, Berge im Tunnel zu durchfahren, anstatt sie zu überqueren, oder auf eine der zahlreichen verbliebenen Eisenbahnstrecken auszuweichen. Historische Schienenbusetappen mit der Eifelquerbahn runden den Bahnradelpark Eifel ab.

Die Luxemburger haben übrigens gerade erst begonnen, das Radfahren für sich zu entdecken. Viele Luxemburger besaßen in der Vergangenheit zwar ein Velo, jedoch kaum einer fuhr damit regelmäßig oder längere Strecken. Die Brüder Schleck haben mit einigen Etappensiegen auf der letzten Tour de France das Radfahren in Luxemburg populärer gemacht und ein wenig geholfen, aktuell ein Umdenken in Sachen Radverkehrspolitik in Luxemburg einzuleiten.

Der Süden der Eifel wird durch die Flüsse Enz, Nims, Prüm, Kyll und Sauer geprägt, die alle in die Mosel münden. Die Sauer verläuft als Grenzfluss und kann ab Echternacherbrück beiderseits des Flusses befahren werden. Somit kann man ständig zwischen der deutschen Seite mit den gemütlichen Eifeldörfern und der luxemburgischen Seite mit französisch-südländischem Flair wechseln.

Getrübt wird das Bild allerdings durch die beiderseits der Sauer verlaufenden Schnellstraßen, an denen der Sauer-Radweg streckenweise entlang führt.

Aufgrund der steigungsarmen und autofreien Wegeführung ist der Sauer-Radweg familienfreundlich. Querungen an Hauptstraßen sind auf der luxemburgischen Seite ohne Drängelgitter realisiert und sind durch die rote Einfärbung der Furten und Warnschilder für den Kfz-Verkehr weithin sichtbar. Poller auf dem Radweg sind auf der luxemburgischen Seite eher die Ausnahme.

Der Radtourist kann in der Eifel aus einer großen Zahl von Bett & Bike-Betrieben wählen. Seit Herbst 2009 kann man überall an den Stationen von RentaBike miselerland Räder entleihen. Wer es ein wenig sportlicher mag, kann sich in der Jugendherberge Echternach ein MTB mieten und Ausflüge in die Luxemburger Schweiz unternehmen.

Trier

Die Altstadt lässt sich gut zu Fuß erkunden. Das Fahrrad parkt dann in der Fahrradstation direkt an der Porta Nigra. Dies empfiehlt sich nach Einschätzung der Mitglieder des ADFC-Bundesfachausschuss Radtourismus auch, da der Kfz-Verkehr in Trier ein riesiges Problem darstellt. Die Stadt ist ein einziger Stau. Besser also, mit dem Rad so lange wie möglich am Ufer der Mosel zu bleiben, bevor man den Abstecher in die Altstadt wagt.

Einmal im Jahr wird übrigens die 180 km lange Strecke Koblenz–Trier für Autos komplett gesperrt und entlang des Flusstales eines der größten »Mobil ohne Auto«-Events gefeiert: Happy Mosel. Zigtausende Rheinland-Pfälzer und Nordrhein-Westfalen sind an diesem Tag zu Fuß, mit Inlineskates oder dem Rad entlang der Moselweinstraße unterwegs und feiern das größte Volksfest der Region ganz ohne Auto.

Carsten Stein in RadCity 1/2010


Weitere Infos

Anreise: Bahnanschlüsse: Mit dem Intercity bis Koblenz, weiter bis Trier mit dem Regionalzug. Zahlreiche Ausstiegsmöglichkeiten entlang der Kylltalstrecke.
Bustransfer: Busverbindungen mit Fahrradmitnahme täglich an vielen radtouristischen Strecken der Eifel. Infos: www.regioradler.de oder www.moselbahn.de.
Kartenmaterial und weitere Infos: ADFC-Regionalkarte Eifel / Mosel, BVA, 6,80 Euro; Radatlas Südeifel, Verlag Roland Esterbauer, 12,90 Euro; Deutsch-Luxemburgische 5-Täler-Tour, Galli Verlag, 9,80 Euro; Diverse topographische Karten des Eifelvereins im Maßstab 1: 50.000 und 1: 25.000 im gut sortierten Fachhandel; Bezug des Radmagazins Eifel und sonstige Infos über www.eifel-radtouren.de oder www.eifel.info.

Schloss Weilerbach an der Sauer
Radwanderweg in der Eifel

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