17.02.2012

Ein bisschen Abenteuer

Von: Marcus Steinmann

allein mit dem Rad verreisen

Nordüstenweg in Dänemark
An der Nordspitze Seelands/Dänemark. Der »Nordküstenweg« ist keine nationale sondern eine regionale Fahrradroute und daher teilweise eher ein Wanderweg. Aber dafür soll auf diesem Stein schon Kierkegaard gesessen haben.

Birte Segger ist auf Radreisen ganz bewusst auch alleine unterwegs. Und das seit acht Jahren. Ihre Touren unternimmt die Lehrerin immer wieder in den großen Ferien. Bei kürzeren Radreisen ist sie auch mit Freunden und in der Gruppe unterwegs. Die RadCity wollte von ihr wissen: Alleinradreisen – wie geht das und was ist das Besondere daran?

»Tja, und dann habe ich in der Sauna übernachtet«, sagt Birte. Hier konkret auf der dänischen Insel Langeland: Sie befindet sich am späten Nachmittag auf der Spitze der langgestreckten Insel. Just zu dieser Zeit ist dort ein großes, beliebtes Festival. Alles ausgebucht. Sie sucht weiter, will an diesem lauschigen Plätzchen, am Zipfel der Insel bleiben. Sie klingelt an einem Haus mit Bed and Breakfast. Nichts. Sie verhandelt, erklärt ihre Situation. »Hm«, so die freundliche Dänin, „»sie könnten vielleicht in der Sauna übernachten, wenn das für sie in Ordnung ist.« Es war nicht nur »in Ordnung«, sondern letztlich richtig gut. »Ich hatte sogar ein eigenes Badezimmer. Die Frau war bildende Künstlerin, der Aufenthalt sehr interessant und das Frühstück reichhaltig«, erzählt Birte.

»So was geht nur, wenn ich alleine unterwegs bin«, sagt sie. Beim Alleinradreisen bin ich flexibel, kann eine sehr kurze oder besonders lange Tagesetappe zurücklegen und mir spontan einen Tag frei nehmen, um z.B. den Kölner Dom anzuschauen.

Birte Segger im Gespräch mit Marcus Steinmann
Birte Segger im Gespräch mit Marcus Steinmann

Gerne verbindet sie eine Alleinradreise mit einem Besuch bei Freunden oder Verwandten. So beginnt ihre Streckenauswahl oftmals mit der Frage, wo sie jemanden besuchen kann. Die Streckenlänge ist für sie im Vorhinein klar: 700-800 km; sie verbringt in der Regel zehn Tage auf dem Sattel und fährt im Schnitt 70-80 km am Tag. Mit diesen Eckdaten im Kopf sucht sie sich dann eine Strecke heraus. Oft entlang von Radfernwegen, auf die sie auch durch die Radwelt und das Radreise-Portal des ADFC aufmerksam geworden ist.

Von der Haustür los

»Am liebsten fahre ich direkt von meiner Haustür los«, berichtet sie. So z. B., als sie von Barmbek-Süd dem Ostsee-Radweg folgend nach Rügen gefahren ist. Zuerst war sie im Binnenland von Mecklenburg-Vorpommern unterwegs. Da es aber in diesem Sommer sehr heiß war und sie auf ihren Radreisen immer gerne abends schwimmen geht, zog sie im Laufe ihrer Tour die kühlere Ostsee den schon sehr aufgeheizten Binnengewässern vor. »Auch wieder so ein Beispiel«, sagt sie, »bei dem ich eine Tour kurzfristig geändert habe«.

Viele Jahre ist sie auch auf den längeren Touren zu viert unterwegs gewesen. Manchmal sei es aber schwierig gewesen, die unterschiedlichen Interessen (Kultur, Fotostopps, ausgiebiges Frühstück vs. gutes Essen am Abend) unter einen Hut zu bekommen. Wenn das angestrebte Ziel ihrer Tour weiter entfernt ist, nutzt sie für die An- und Abreise den Zug. Zu ihren Touren in Dänemark, wo sie gerne immer wieder unterwegs ist, da die Leute »besonders freundlich und hilfsbereit« sind, fährt sie mit dem Zug bis Kiel. Ansonsten hat sie unter anderem schon Holland durchradelt, den Schwarzwald erklommen und ist den Windungen der Oder, des Rheins, der Saar und der Mosel gefolgt.

Unterkunft

Da sie nicht gerne so viel Gepäck dabei hat, lässt sie das Zelt zu Hause. Sie übernachtet in Privatunterkünften (ADFC Dachgeber), günstigen Pensionen (Bett+Bike) oder Jugendherbergen. Je nach den Möglichkeiten vor Ort hat sie auch schon mal in einem teureren Hotel Halt gemacht. Auf ihren Reisen möchte sie immer auch ein wenig flexibel bleiben und keinem allzu starren Reiseplan folgen. Die Lehrerin orientiert sich »traditionell«, per Radwanderkarte. Ein GPS-Gerät hat sie nicht dabei. Einheimische fragt sie gerne nach dem Weg. Diese sind ihr schon oft eine große Hilfe gewesen. So erfährt sie Tipps und Alternativen, die einem der Radwanderführer mitunter vorenthält.

Wenn sie mit Leuten in Museen, die sie gerne besucht, oder mit Einheimischen am Wegesrand ins Gespräch kommt, reagieren diese vor allem in ländlichen Regionen mit Erstaunen auf ihr Alleinradreisen, »aber immer positiv«, sagt sie. »Es ist das größere Abenteuer, alleine unterwegs zu sein«. Wenn sie zu zweit unterwegs sei, sei die Herausforderung, der Nervenkitzel geringer. Zumal sie immer wieder gute Erfahrungen gemacht habe, im wahrsten Sinne des Wortes. »Es geht immer irgendwie weiter, es läuft immer alles gut«, lächelt Birte Segger.

So wie damals eben auch auf Langeland.

Marcus Steinmann in RadCity 1/2012