06.02.2014

Jeder Kilometer ist ein guter Kilometer

Von: Michael Link

Sie müssen bei Anfällen von Radreisefieber nicht gleich zur »einmal Afrika-und-zurück«-Tour greifen. Es geht auch eine Nummer kleiner. Nur: Wie anfangen. Ein paar Tipps.

»Wollen hätte ich schon mögen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut!« Frei nach Karl Valentin enden viele Radtouren und -Reisen schon, bevor sie begonnen haben. Per Rad reisen ist halt doch schwieriger als mal eben einen Badeurlaub zu buchen. Doch wer träumt nicht davon, einmal eine »richtige« Tour mit dem Rad zu machen? Wer sich nicht gleich zu viel vornimmt, wird das auch schaffen. Ein paar Tipps von der RadCity helfen.

Vor einer Reise

Längere Touren brauchen zwei Dinge: Vorfreude und Vorbereitung. Das erste holen Sie sich, indem Sie das zweite tun: Wo wollten Sie immer schon mal hin mit dem Rad? Keine Ahnung? Dann recherchieren Sie im Internet (unter anderem hier: www.adfc.de/deutschland/alle-routen/uebersicht-aller-routen-aus-deutschland-per-rad-entdecken) und in den Katalogen der Veranstalter oder auf der ADFC-Radreisemesse nach lohnenden Gebieten und Touren. Stellen Sie sich vor allem die Frage, ob Sie lieber allein fahren wollen oder in einer Gruppe. Beides hat Vor- und Nachteile: Alleinfahrerinnen wählen ihr Tempo selbst, ebenso ihre Pausen und spontane Zwischenziele. In der Gruppe gibt's außer gegenseitiger Hilfe und Motivation auch Spaß – auch beim Verfahren, wenn sich jeder auf den anderen verlässt …

Per Veranstalter oder selbst organisieren?

Die Reisebuchung über einen Veranstalter nimmt Ihnen viel Arbeit ab, von der Planung der Tagesetappen über den Gepäcktransport zum nächsten Schlafplatz bis hin zum Leihrad. Die Preise für solche Reisen lesen sich gepfeffert, doch darf man nicht vergessen, dass bei solchen Touren ständig Menschen im Hintergrund werkeln, damit es Ihnen gut geht. Manche Touren sind jedoch nur mit einer gewissen Mindestteilnehmerzahl buchbar.

Unbenommen kann natürlich jeder auch auf eigene Faust losfahren – ins Blaue hinein oder Etappe für Etappe vorgeplant und vielleicht sogar schon gebucht. Sie müssen selbst entscheiden, was Ihnen lieber ist.

Verfahrversicherung: Mit einem Navi am Lenker verfranzt man sich nicht so leicht, vorausgesetzt, man hat sich in die Bedienung eingefuchst und es sitzt fest am Lenker.
Navi-App im Ausland? Das kostet happige Roaminggebühren. Greifen Sie lieber zur Karte oder zu einem richtigen GPS-Gerät.

Links geht’s längs

Wer erprobte Radtouren wie den Elbe- oder Weserradweg nachstrampelt, der kann sich meist auf Wegweiser verlassen. Trotzdem: Verschaffen Sie sich vor jeder Etappe einen Überblick auf einem größeren Kartenausschnitt, damit Sie die wichtigen Abbiegepunkte im Kopf haben. Für die kleinteilige Orientierung mit Abbiegeanweisungen gibt es Apps fürs Smartphone und auch spezialisierte Wander- und Radfahr-GPS-Geräte lassen sich mit etwas Einübung in deren durchaus vorhandene Tücken nutzen. Dafür brauchen Sie eine passende und wetterfeste Halterung fürs Rad sowie Ersatzakkus oder einen Stromspender wie das E-Werk (ca. 100 Euro).

Training vermeidet Tränen

Besonders wer beim Radfahren eine Winterpause macht, kennt die »popolären« Schmerzen im Frühling. Egal, ob Vielfahrerin oder Saisonpilot: Für eine Radreise sollten Sie über eine angemessene Kondition verfügen, sonst wird die Tour spätestens nach dem ersten Tag zur Qual. Damit Sie die Tour besser genießen könne, sollten Sie sich vorher an die Anforderungen gewöhnen. Dabei geht’s nicht nur um Ihre Fähigkeiten als Kilometerfresser. Im Flachland bei Sonnenschein auf einer Asphaltstraße 70 Kilometer zu radeln ist nun mal etwas anderes, als die gleiche Entfernung im Gebirge bei Gegenwind und Regen vollbeladen auf einer Schotterpiste zu ertrotzen. Fahren Sie im Vorfeld der Reise so oft und so lang Sie können. Auch mal mit Gepäck, denn damit ändert sich das Fahrverhalten und ihre Belastung.

Volle Karre

Üben Sie das richtige Packen: Das am häufigsten Gebrauchte muss nach oben. Für Mehrtagestouren ohne »Begleitschutz« empfehlen sich Radtaschen vorn und hinten, mit 60 Prozent des Gewichtes vorn. Das hat sich besonders im Gebirge positiv auf Lenk- und Bremsverhalten bewährt. Damit die Taschen nicht so dick auftragen und der knappe Raum gut genutzt ist, packen Sie am besten Zusammengehöriges ineinander, etwa Socken in die Ersatzschuhe. Nutzen Sie Beutel zum Ordnunghalten. Denken Sie daran: Was Sie mitnehmen wollen, müssen Sie selbst die gesamte Strecke lang bewegen – beschränken Sie sich also aufs Allernötigste.

Essen und Trinken

Trinken Sie viel, am besten Wasser, Säfte oder kalten Tee. Flüssigkeitsverlust macht sich nicht sofort als Durst bemerkbar, sondern als Kopfschmerz und als Motivationskiller. Nach einem guten Schluck geht's oft besser. Essen Sie unterwegs Kleinigkeiten, die den Magen nicht sehr belasten, so wie Sie es auch bei sportlichen Aktivitäten tun würden. Längere Pausen sollten Sie vermeiden, denn danach ist die Lust zum Weiterfahren oft gedämpft.

Notfall, Notfall: Der Schildgenerator ist defekt!

Wenn das Auto streikt, ruft man den ADAC oder seinen Werkstatt-Service. Bei Radreisen sieht es anders aus. Versicherungen mit Unterwegs-Hilfe bei Fahrradpannen gibt es zwar (etwa beim VCD), aber nur wenige haben so etwas. Daher kann jede Panne das Ende der Reise sein, wenn sie nicht schnell beseitigt werden kann. Einen Platten flicken, Gangschaltung und Bremszüge nachjustieren, eine Leuchte wechseln, das sollten Sie selbst können.

Am Schluss bleibt wieder ein Spruch. Bilbo hat im Herrn der Ringe gesagt: »Es ist eine gefährliche Sache, aus deiner Haustür zu gehen, Frodo. Wenn du nicht auf deine Füße achtest, weißt du nicht, wo sie dich hintragen.« Auch per Pedale.

Michael Link in RadCity 1/2014