30.09.2014

Mit Rad und Bahn durch Südfrankreich

Von: Susanne Timm

Der Urlaub beginnt am Bahnhof Altona

 

 

Die hohe Provence
Canal de la Robine
Fahrradtransport im City Night Line
Minerve
Wildzelten vom Feinsten

Bahnreisen sind richtig angenehm, wenn man sie als Teil der Reise plant. Wir nehmen in Altona unser Schlafwagenabteil in Besitz und verstauen Räder und Gepäck. Umstiege schaffen willkommene Pausen: Morgenkaffee im Bahnhof Basel, Picknick in einem Genfer Park und Spazierfahrt entlang der Isère in Grenoble. Vom Zugfenster aus bestaunen wir immer wieder wundervolle Alpenpanoramen.

Provence

Im Städtchen Veynes nahe Gap starten wir mit dem Rad. Die Gegend ist recht bergig, in Serpentinen geht es aus den Tälern hoch und über Pässe. Wunderschöne Landschaft und die verschneiten Bergketten der Alpen in der Ferne belohnen für die Mühen. Zu unserem höchsten Pass von knapp 1.500 Metern radeln wir durch Almwiesen. Nach Süden führt die Straße steil hinab und windet sich durch Schluchten bis nach Digne. Die Landschaft wird spürbar mediterran. Weiter geht es durch das Durance-Tal mit provenzalischen Orten und der Festung Sisteron in ein Seitental nach Westen. Im Tal dominieren Obstplantagen. Das Felsental der Méouge führt durch ein geschütztes Natura 2.000-Reservat: Karges, stacheliges Strauchwerk birgt eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt. Nach weiteren Pässen grüßt der Mont Ventoux mit seiner hellen Silhouette. Wir zelten am Col d’Aulan in 800 m Höhe und genießen den Sonnenuntergang und die Weite der Landschaft. Der fast 2000 m hohe Mont Ventoux ist der Traum jedes Rennradlers. An seinem Fuße verweilen wir einen halben Tag im idyllischen Toulourenc-Tal und zelten neben dem rauschenden Bach. Westlich öffnet sich eine liebliche Hügellandschaft hin zur Rhone-Ebene. An Vaison-la-Romaine mit römischen Ruinen und mittelalterlichem Stadtbild vorbei radeln wir durch Weinberge und Weinfelder nach Orange.

Languedoc

Mit dem Zug geht es nach Narbonne. Im Hinterland der Mittelmeerstrände und Hotelburgen fahren wir entlang von Kanälen und Lagunen. Dann kehren wir der Küste den Rücken und radeln in die Corbières. Mit Mühe finden wir im schroffen Gebirge zwischen Weinbergen ein Plätzchen für unser Zelt, bevor der Regen einsetzt. In der Dämmerung erschreckt uns jedoch lautes Wildschweingrunzen. Nach einer schlaflosen Nacht fahren wir am Morgen zum nächsten größeren Ort. Im Nebel sind die Berge nur schemenhaft zu sehen. Wir nähern uns einem merkwürdigen Geräusch – erst direkt daneben sehen wir das Windrad. Auch im Frankreich der Atomkraftwerke haben Windkraftanlagen Einzug gehalten! In Opoul-Périllos leitet uns ein Schild zum Bed & Breakfast, wo wir herzlich empfangen werden. Obwohl noch nicht einmal Mittag, können wir das Zimmer beziehen und bekommen einen Kaffee. Am nächsten Tag brechen wir gut ausgeruht und bei Sonnenschein auf, der Rückenwind trägt uns durch die Corbières nach Lézignan. Entlang des Canal du Midi und durch die Weinberge des Minervois radeln wir nach Béziers. Nach dem Wildschweinabenteuer nehmen wir lieber »richtige« Zeltplätze.

Zurück in den Norden

Der Zug bringt uns nach Mâcon nördlich von Lyon. Wir radeln im südlichen Burgund zwischen Weinbergen auf einer ehemaligen Bahnstrecke über Cluny nach Chálons. Höhepunkt ist der Tunnel du Bois Clair, in dem Fledermäuse ihr Winterquartier aufschlagen. Nach einer anstrengenden Stadtdurchquerung geht es hinter Chálons auf dem Fernradweg Eurovélo 6 an der Saône entlang zum Rhein-Rhone-Kanal. Wir radeln sehr bequem an Fluss und Kanal, während zu beiden Seiten die Hänge zum Juragebirge ansteigen. Ein Bonbon ist der 130 Jahre alte Tunnel de la Citadelle von Besançon. Bei Montbéliard wird die Landschaft um den Kanal von Schwerindustrie geprägt, ansonsten ist es meist ländlich. Vom Scheitelpunkt des Kanals führt eine Schleusentreppe hinab ins Rheintal nach Mulhouse. Hinter einem langweiligen industriellen Kanalstück bietet die Kleine Elsässische Camargue noch einmal Natur pur. Bei der letzten Schleuse stehen wir am Rhein. Wir haben noch etwas Zeit für einen Stadtbummel in Basel und genießen am Rheinufer die wunderschöne Abendstimmung, bevor es mit dem Nachtzug zurück nach Hamburg geht.

Susanne Timm in RadCity 5/2014

Fotos: Susanne Timm, Nicolai Berger

Tipps zu Südfrankreich mit dem Rad

  • Anreise mit Fahrrad im Nachtzug bis Basel mit Anschluss nach Genf.
  • In Frankreich haben alle Regionalzüge kostenlose Fahrradmitnahme.
  • Unterkunft in Bed & Breakfast (Gîtes de France). Zeltplätze häufig nur auf Wohnmobile ausgerichtet. Wild zelten ist in Frankreich – mit Einschränkungen – erlaubt.
  • Routenplanung und zahlreiche Tipps unter: www.radreiseblog.blogspot.de