09.08.2013

Radlerparadies Mallorca

Von: Fabienne Kollien

Auf Jan Ullrichs Spuren

Mallorca: über Berge und Täler - ein Erlebnis für Profis und Freizeitradler
Mallorca: über Berge und Täler - ein Erlebnis für Profis und Freizeitradler - Foto: Antoni Sureda

An meinem ersten Tag auf Mallorca trete ich aus dem Hotel und erblicke überall Radfahrer in Polyesteranzügen und mit sportlicher Sonnenbrille auf der Nase, soweit das Auge reicht. In dem Punkt hat mein Reiseführer Recht behalten: Mallorca ist die Insel der Radfahrer, vor allem im Frühjahr, wenn das Klima mild ist und die Sonne noch nicht vom Himmel brennt

Fahrradfreundlich

Auf allen Ausflügen sieht man Radfahrer in Scharen mit olympischer Höchstgeschwindigkeit über die Radwege von Mallorca radeln. »Die Gegenden hier sind wirklich gut für Radfahrer ausgerichtet«, erzählt mir einer von ihnen. »Es gibt fast überall Fahrradwege und wenn jemand auf der Straße fährt, ist das hier völlig normal. Darüber beschweren sich die Autofahrer hier nicht.« In Deutschland sei das eher der Fall.

Leihen oder mitbringen

Auf der Insel gibt es zudem reichlich Möglichkeiten, ein Fahrrad zu leihen, wenn ein Tourist nicht sein eigenes als Extragepäck am Flughafen aufgegeben hat. Ich selbst hätte das beinahe auch ausprobiert, wenn nur die Preise für ein Leihrad nicht so hoch gewesen wären, zumal ich gar nicht vorhatte, einen ganzen Tag darauf zu verbringen. Für andere, die beinahe schon Radsportfanatiker sind, lohnt es sich dagegen eher. Sie reisen nach Mallorca mit dem Ziel, Radsportferien dort zu verbringen, weshalb hauptsächlich Profi-Radfahrer auf den Straßen zu finden sind, die teilweise für den Iron Man oder die Tour de France trainieren wollen.

Für Radfahrer hat die Insel nämlich deshalb einen so großen Reiz, weil für jeden und jedes Niveau etwas dabei ist: Flache Wege im Landesinneren, von Natur umgeben, steinige Pfade durchs Tramuntana-Gebirge und weitläufige Radwege am Meer entlang. In den letzten acht Jahren ist Mallorca zu einem Zentrum für den Radsport geworden und lockt immer mehr begeisterte Radsportler an.

Ökologisches Gewissen?!

An sich ist die Fortbewegung auf dem Fahrrad eine gute Sache. Allerdings muss ich schon schlucken, wenn ich daran denke, wie viele Leute ins Flugzeug steigen, um sich und ihr Mountainbike auf die spanische Insel zu transportieren. Das belastet die Umwelt natürlich erheblich. Das gilt nicht nur für Radler, sondern auch für mich, die einen Frühlingsurlaub auf Mallorca verbringen will.

Eigentlich bin ich eine große Umweltschützerin, die sich seit ihrem dreizehnten Lebensjahr vegetarisch ernährt und schon länger bei der Greenpeace-Jugend aktiv ist. Wenn ich mich zwischen Auto und Fahrrad entscheiden muss, nehme ich lieber das Fahrrad, dem Planeten zuliebe. Und doch bin ich nicht so durch und durch perfekt, nicht einmal, was Umweltschutz betrifft, sodass auch ich eine Flugreise unternehme. Für den Sommer habe ich aber schon einen festen Vorsatz: Nicht in den Sommerurlaub fliegen und erheblich mehr Fahrrad fahren als sonst!

Fabienne Kollien in RadCity 3/2013