06.02.2014

Spreewaldtour auf dem Gurkenradweg

Von: Lutz Räbsch

Im Frühjahr 2013 begeben sich Lutz Räbsch und seine Lebensgefährtin auf diese Radreise, bei der Route, Etappen und Hotels vom Veranstalter vorgegeben sind.

Am Morgen wird unser Gepäck abgeholt und zum Hotel gefahren, in das wir am Nachmittag einchecken werden. Das gefällt uns. Erstens macht das Radfahren mit weniger Ballast mehr Spaß und zweitens braucht man sich keine Sorgen um unbewachtes Gepäck zu machen, wenn man eine der Sehenswürdigkeiten auf der Tour besichtigt und dazu die Räder verlässt.

Es ist Ende April, Startpunkt der Tour ist Cottbus. Die Anreise erfolgte, umweltpolitisch nicht ganz korrekt, mit dem eigenen Auto, die Fahrräder huckepack. Dort angekommen verschwindet die Blechkiste aber schon umgehend für acht Tage in der Tiefgarage des Hotels. Den Tag lassen wir bei Sonnenschein mit einem Bummel durch die Stadt und einem Bier auf dem Marktplatz ausklingen.

Freie Wahl

Nach dem Frühstück geht es am nächsten Tag los. Noch bevor wir starten, ist unser Gepäck schon unterwegs ins nächste Hotel. Karten für die Tour gibt’s vom Reiseveranstalter dazu, denn für  viele der Tagesetappen gibt es eine oder mehrere Alternativrouten. Wer mal keine Lust auf die lange Strecke hat, nimmt einfach die kürzere. So hat man zum Beispiel auf dem ersten Abschnitt von Cottbus nach Lübbenau die Auswahl zwischen 45 oder 58 Kilometern Strecke. Wir entscheiden uns für die längere, denn ohne Gepäck und vorzugsweise kurze Wege fahren, kann man im hohen Alter immer noch ...

Erste Sehenswürdigkeit ist die Slawenburg Raddusch. Eine runde Holzkonstruktion, die an ein Sportstadion erinnert. Von solchen runden Burgen gibt es etwa 50 in der Niederlausitz. Sie dienten im 8. und 9. Jahrhundert als Flucht- und Speicherort. Ob sie auch von der Oberschicht als Wohnraum genutzt wurden, ist bis heute umstritten.

Sehenswürdigkeiten sind eine Sache, uns geht es vor allem ums Radfahren in schönen Landschaften, möglichst abseits der verkehrsreichen Straßen. Der Weg ist das Ziel und da kommen wir bei dieser Tour voll auf unsere Kosten. Nur selten muss man direkt auf der Landstraße fah-ren. Meistens gleitet man auf gut ausgebauten, autofreien Radwegen dahin.

Es geht immer wieder durch kleine Dörfer, die man sich als Großstädter irgendwie genau so vorstellt. Pulsierendes Leben findet man hier nicht – oder es fehlt einem der Blick dafür – vielleicht fehlt einem auch nur der Blick dafür oder man hat einfach den falschen Zeitpunkt erwischt. Eine Gaststätte für eine Erfrischung findet sich aber überall.

Von der Benutzungspflicht verfolgt

Dem durch behördliche Willkür geplagten Großstadtradler fallen natürlich sofort die gleichen Schildbürgerstreiche auf, die man aus Hamburg kennen und hassen gelernt hat: Großflächige Verkehrstafeln, die dem Autoverkehr eine Umleitung ankündigen – und leider mitten auf dem benutzungspflichtigen(!) Radweg stehen. Ebenfalls wie in Hamburg sind die meisten der Radwegebenutzungspflichten rechtswidrig angeordnet. Darin unterscheiden sich kleine Dörfer nicht von der Großstadt. Nun ja, wir sind aber hier, um Urlaub zu machen, nicht um uns über Radwege und Hindernisse darauf zu ärgern.

Wenden wir uns lieber dem Kuriosen zu: Da gilt es zum Beispiel, einen Fluss auf einer Holzbrücke zu überqueren. Dazu muss man 12 Stufen erklimmen. Vor der Brücke ein Schild: »Radfahrer absteigen«. Schade, ich hätt's gern mal probiert...

Gurken und mehr Vegetarisches

Die Spreewaldtour verdankt natürlich dem gleichnamigen Fluss ihren Namen. Entsprechend oft gelangt man immer wieder ans Flussufer. Natürlich ist eine Bootsfahrt ebenso Pflicht, wie eine Kostprobe der legendären Gurken.

Wir haben Glück und es regnet so gut wie gar nicht während der gesamten Tour. Ein weiteres Glücksspiel ist die tägliche Frage, was für ein Hotel einen wohl heute erwartet, ob es ruhig ist und auch ein passables Frühstück bzw. Speisenangebot für Vegetarier bietet. Letzteres wurde zwar vorher beim Reiseveranstalter angemeldet und von diesem zugesichert. Doch das garantiert erfahrungsgemäß auch keine vor Kreativität strotzenden vegetarischen Gerichte. Bis auf eine Ausnahme, wo gerade das Hotel renoviert wird, ist es überall recht ruhig. Nach 50 bis 60 Fahrradkilometern gibt es eigentlich auch keine Einschlafprobleme.

Am Ende der Tour gibt’s noch einmal Kultur in Cottbus und am nächsten Tag geht’s wieder gen Heimat.

Lutz Räbsch in RadCity 1/2014

Für wen eignet sich diese Tour?

Für alle, die gern auf dem Rad durch wechselnde Landschaften, Dörfer und Städte fahren, ohne dabei zwingend ihre körperlichen Grenzen ausloten zu wollen. Besonders angenehm ist der Gepäcktransport. Dadurch ist man nur mit kleinem Tagesgepäck unterwegs und findet trotzdem alles, worauf man nicht verzichten will, am Abend im Hotel vor.

Wer viel »Action« und ein umfassendes Unterhaltungsangebot wünscht, wird vielleicht nicht so glücklich – aber das Angebot an Radtouren ist groß und bietet sicher auch in dieser Richtung Entsprechendes.

Bei der hier vorgestellten Reise ist die Anzahl der Tage vorgegeben, den Starttag kann man sich aussuchen. Ob andere Reisende dieselbe Tour fahren, weiß man nicht, man müsste sich zufällig erkennen, z.B. beim morgendlichen Start oder wenn man parallel fahren sollte.