Sternfahrt 2012

Von: Online-Redaktion

Die diesjährige Fahrradsternfahrt am 17.6.2012 war eine eindrucksvolle und fröhliche Demonstration für eine lebenswerte Hansestadt und Mobilität ohne Dreck, Lärm und Umweltzerstörung durch Autos.

Der Verein »Mobil ohne Auto« hatte zum bundesweiten Aktionstag aufgerufen und viele tausende Radfahrerinnen und Radfahrer aus Hamburg und der Umgebung traten bei heiterem Wetter in die Pedalen. Vor der Auffahrt zur Köhlbrandbrücke reichte die Masse der Teilnehmer bis zum Horizont. Die Polizei zählte allein hier 7.000 Sternfahrer, die sich diese attraktive, aber leider normalerweise dem motorisierten Verkehr vorbehaltene Strecke nicht entgehen lassen wollte. Die Abschnitte der A255, welche dieses Jahr gesperrt worden waren, gehörten ebenfalls zu den Höhepunkten der Sternfahrtroute aus dem Hamburger Süden. Streckenweise war das Radverkehrsaufkommen derart hoch, dass manch einer gedacht haben mochte: Köhlbrandbrücke, Autobahnabschnitte und Bundestraßen sind optimale Verkehrsachsen für den Hamburger Radverkehr!

Insgesamt lag die Teilnehmerzahl laut den Veranstaltern bei 12.000 Menschen, die sich von allen Seiten dem Hamburger Rathausmarkt näherten, auf dem ab 14 Uhr die zentrale Abschlusskundgebung stattfand. Die nächste Fahrradsternfahrt startet am 16.6.2013.

(Dirk Lau, ADFC)

Einige Bilder von unterschiedlichen Strecken und FotografInnen:

 

Wortbeitrag von Dirk Pfaue, stellvertretender Landesvorsitzender, bei der Abschlusskundgebung:

»Liebe Radfahrerinnen und Radfahrer,

ich freue mich sehr Euch und Sie hier begrüßen zu können. Es ist ein tolles Gefühl, mit so vielen Radlern gemeinsam durch die Stadt zu fahren.

Wir werden derzeit Zeugen eines tiefgreifenden Strukturwandels. Das Auto verliert seine Bedeutung.

Das Auto hat in den letzten 60 Jahren unsere Lebensumwelt geprägt. Die Stadt wurde dem Auto unterworfen, mit allen negativen Konsequenzen, die wir heute erleben. Sehr eindrucksvoll zeigt das die Ausstellung „Die Stadt und das Auto“ im Museum der Arbeit.

All die Jahre wurde uns mehr Verkehr - mehr Autoverkehr - als mehr Mobilität verkauft. Doch Mobilität ist nicht gleich Verkehr. Die Förderung von Fahrrad, Bahn und des Zu-Fuß-Gehens ermöglicht eine vielseitigere Mobilität statt nur mehr Verkehr.

Wir sehen inzwischen, wie viele Menschen auf das eigene Auto verzichten. Lieber nutzen sie Fahrräder,  Skatebords, Bus und Bahn, gehen zu Fuß oder wollen sich im öffentlichen Raum einfach aufhalten.

Jeden Tag können wir erleben, wie das Fahrrad auf der Straße boomt. Bus und Bahn haben in Hamburg jedes Jahr ein sattes Wachstum. Die Menschen denken um. Nur beim Senat entpuppen sich die Aussagen zur menschen- und umweltfreundlichen Verkehrspolitik als Lippenbekenntnisse.

Zwar betonen alle Parteien, dass der Radverkehr gefördert werden muss und sind sich in der Radverkehrsstrategie einig. Doch der Senat rudert bei dem Ziel von 18 % Radverkehrsanteil bis 2015 zurück. Statt den Schwung zu nutzen, wird der Radverkehr weiter als Pflichtaufgabe einfach nur abgearbeitet. Es fehlt der Wille auf allen Ebenen etwas gemeinsam zu erreichen.

Statt innovativer Neuerungen sollen über die sogenannte Sanierung die bestehenden untauglichen Radwege festgeschrieben werden. Es gibt immer  noch viel zu viele benutzungspflichtige Radwege in einem unrettbaren Zustand. Die Bettelampeln bleiben weiter bestehen, selbst auf Velorouten.

Wir fordern daher

Die Stadt Hamburg muss den anstehenden Strukturwandel tatkräftig unterstützen.

Zwar gibt es inzwischen einzelnen Planungen, die gut sind, wie die Fahrradstraße in der Uferstraße oder die Fahrradstreifen auf der Alsterkrugchaussee und der Straßburger Straße. Aber wir brauchen mehr Mut, Veränderungen zu gestalten und zu erreichen. Und das überall. Legt endlich los!

Wir brauchen Tempo 30 in ganz Hamburg. Nur so ist ein menschenfreundlicher Straßenverkehr möglich.

Die Radgewebenutzungspflicht muss flächendeckend aufgehoben werden. Eine gute Radverkehrsanlage wird auch freiwillig genutzt.

Wir fordern alle Radfahrerinnen und Radfahrer auf: Seid selbstbewusst! Nehmt Euch Euren Platz in der Stadt. Lasst Euch nicht an den Rand drängen.

Der Verkehrsminister meinte, den Trend aufhalten zu können, indem er den Kampfradler erfand. Zum Glück ist ihm dieser Versuch des rückwärtsgewandten Populismus auf die Füße gefallen.

Wir aber sagen: Ja, wir kämpfen für den Radverkehr. Wir kämpfen für eine lebenswerte Stadt!

Unser Druck darf nicht nachlassen. Eine vernünftige Verkehrspolitik wird es nur mit starkem Rückhalt geben. Deswegen „Willkommen im Club!“ Werdet Mitglied im ADFC!

Vielen Dank«