12.11.2011

Mit Jörg W. Lewin, SPD Nord

Von: Merja Spott, Ulf Dietze

Am 12. November 2011 fand die fünfte »Rollende Bürgersprechstunde« statt, diesmal mit Jörg W. Lewin (SPD) im Bezirk Nord. Er ist Sprecher für Umwelt, Verkehr und Verbraucherschutz der SPD-Fraktion in Hamburg Nord.

Die Gruppe von rund 16 verkehrspolitisch Interessierten startete am U-Bahnhof Dehnhaide. Lewin wies darauf hin, dass er selbst von Beruf Stadtplaner ist und zeigte sich enttäuscht bis frustriert darüber, wie stiefmütterlich Radverkehr in Hamburg seit Jahrzehnten behandelt wird. Auch die eigene Partei kritisierte er in diesem Zusammenhang: An einem Konzept und deutlichem Willen zur Gestaltung fehle es.

Er verwies auf die Wichtigkeit der Nahmobilität: Ziele, die einige hundert Meter oder auch ein paar Kilometer von der Wohnung entfernt liegen, steuerten die meisten heute mit dem Auto an. Hier sei ein wichtiger Ansatz, mit einem guten Angebot an Fahrradverbindungen und einer Steuerung der Zahl von Autoparkplätzen Anreize für eine umweltfreundliche und gesunde Verkehrsmittelwahl zu setzen.

Die Tour führte dann durch Barmbek, Winterhude und Eppendorf (Reesestr., Hufnerstr., Bramfelder Str., Steilshooper Str., Hellbrookstr., Saarlandstr., Wiesendamm, Krohnskamp, Dorotheenstr., Maria-Louisen-Str., Eppendorfer Baum, Eppendorfer Weg, Löwenstr, Martinistraße).

Die Auswirkungen des autogerechten Städtebaus behindern die Radfahrer in Barmbek, da die Kreuzungen überdimensioniert sind oder einfache Querungen nicht möglich sind. Ein Beispiel ist die Fahrbeziehung Barmbeker Straße Richtung Norden in die Steilshooper Straße. Hier sind Verbesserungen nur durch Umbaumaßnahmen zu erreichen.

Leichter umzusetzen wären Schutzstreifen, die verhältnismäßig kostengünstig und schnell durch den Bezirk umgesetzt werden können. Dafür geeignet wären zum Beispiel die gesamte Steilshooper Straße, der Rübenkamp, der Wiesendamm und die Dorotheenstraße. Gerade im Wiesendamm zeigt sich, dass (in zweiter Reihe) parkende Autos wichtiger genommen werden als die Sicherheit der Radfahrenden.

Ein asphaltierter Streifen auf dem Kopfsteinpflasterteil der Hellbrookstraße würde die Verbindung zwischen Barmbek und dem Stadtpark verbessern. Notwendig wäre ebenfalls eine benutzergerechte Führung auf der Saarlandstraße in den Südring, da die Radfahrer bisher nur mit absurden Umwegen legal in den Stadtpark fahren können.

Am Eppendorfer Baum sahen sich die RadlerInnen bestätigt, dass an Einkaufsstraßen Radwege auf Bürgersteigen nicht akzeptabel sind: Es ist zu eng zum sicheren Radfahren, die Fußgänger sind genervt. Hier ist die Aufhebung der Benutzungspflicht nach Informationen des ADFC bereits durch die Straßenverkehrsbehörde angeordnet. Es fehlen derzeit noch die fahrradgerechte Programmierung der Ampeln und das Abmontieren der Radweg-Schilder. Die vielen an Verkehrszeichen-Masten und Gittern angeschlossenen Fahrräder zeigen, dass es außerdem in dieser Straße an sachgerechten Abstellmöglichkeiten für Räder fehlt. – Will man die Menschen dazu bewegen, mit dem Rad statt mit dem Auto zum Einkaufen zu fahren, sind Fahrradbügel ein Muss.

Für die Eppendorfer Landstraße wird die Anordnung von Tempo 30 (bisher Tempo 50) im Bezirk diskutiert. Für den Eppendorfer Weg sollte das gleich mitbeschlossen werden: dann wäre die Öffnung des Einbahnstraßenabschnitts für Radfahrer in Gegenrichtung möglich und das absurde Stück benutzungspflichtiger Radweg im Kreuzungsbereich kostengünstig aufzuheben.

Viele Handlungsansätze diskutierten die TeilnehmerInnen der Tour mit Jörg Lewin. Der Austausch zwischen ihm und dem ADFC soll fortgeführt werden.