01.10.2013

Fahrradfreundlicher Kirchentag in Hamburg

Von: Merja Spott
Kirchentagsrückblick: Beim Abend der Begegnung auf der Ost-West-Straße waren 100.000 Menschen unterwegs - der ADFC war auch dabei
Der ADFC wirkte beim Hamburger Kirchentag mit - Foto: Stachowske

Irgendwann im Frühling war die Stadt ein Meer von blauen Tüchern, Menschen und Musik. Der Deutsche Evangelische Kirchentag war mit über 200.000 Teilnehmern zu Gast. Seit 2009 in Bremen ist der Kirchentag fahrradfreundlich – gemeinsam mit dem Bremer ADFC entwickelten die Organisatoren damals ein Radverkehrskonzept für die Großveranstaltung. Der ADFC Hamburg wollte dem in diesem Jahr nicht nachstehen. Wir bereiteten den Rad fahrenden Gästen einen fahrradfreundlichen Empfang und konnten das Ereignis auch für die radelnden Hamburger attraktiv machen. Dank der Finanzierung der NUE Stiftung war es möglich, das Projekt hauptamtlich zu koordinieren.

Auf die Straße

Im Rahmen des Straßenfestes »Abend der Begegnungen« thematisierten wir die »Lebenswerte Innenstadt«, indem wir die gesperrte Willy-Brandt-Straße zur Spiel- und Liegewiese machten. Der bunte Mix von Fahrradpolo, Straßenmalen, Liegestühlen mit Badeinsel, ADFC-HVV Faltrad-Wettbewerb und Spaßrad fahren zeigte, wie vielfältig sich die vielen Flächen nutzen ließen, wären sie nicht dem Kfz-Verkehr vorbehalten.

Jungfernstieg tabu

In den Vorbereitungen beriet der ADFC die Mitarbeiter des Kirchentags, die mit der Verwaltung Straßensperrungen, Fahrradrouten, Wegweisungen absprachen. Hier gingen leider die Vorstellungen auseinander, was man bei einer solchen Veranstaltung alles machen könne. An eine temporäre Sperrung der Bergstraße oder gar des Jungfernstiegs war nicht zu denken. Ebenso wenig an temporäre Fahrradstreifen, wie es Bremen vorgemacht hatte. Noch nicht einmal die Fahrradrouten, die ausgeschildert und im Kirchentag-Stadtplan ausgewiesen wurden, sollten über den Jungfernstieg geführt werden. Eine vertane Chance, die Gäste mit einer angenehmen, autoarmen Innenstadt zu begrüßen und gleichzeitig zu erleben, dass das Leben in der Stadt durch solche Maßnahmen eben nicht zusammenbricht.

Radelnder Kirchentag

Rad gefahren wurde trotzdem: Die Kirchentags-Leihräder, mit denen man zwischen den vier Verleihstationen fahren konnte, waren gut ausgelastet; mit den StadtRädern wurden gut 90.000 km mehr zurückgelegt als in einer gewöhnlichen Woche. Interne Botendienste und kleinere Lieferungen zwischen den vielen Orten des Kirchentags wurden mit »normalen« Fahrrädern und Lastenrädern zurückgelegt. Auf der Sternfahrt zum Fahrradgottesdienst, wie immer von Mobil ohne Auto organisiert, fuhren auf vier Strängen insgesamt rund 2000 Teilnehmer zum Fischmarkt.

Nicht zu vergessen die 250 Radler, die aus den verschiedensten Orten Deutschlands kommend sich vor den Toren der Stadt, in Marschacht, versammelt hatten und unter Leitung des ADFC Hamburg in die Innenstadt zur Pilgerbegrüßung fuhren.

Der fahrradfreundliche Kirchentag in Hamburg war also ein Erfolg, auch wenn der ganz große Wurf ausbleiben musste. Wir sind gespannt, wie Stuttgart in 2015 den Fahrradverkehr einbinden wird!