Pressemitteilung
09.08.2007

20.000 Citybikes verändern den Pariser Stadtverkehr – Hamburg sieht dagegen ein Problem bei Citybikes

erstellt von Stefan Warda

Paris will den Radverkehrsanteil mit 20.000 kommunalen Citybikes drastisch erhöhen – Hamburger Citybikes sind dagegen wegen angeblicher rechtlicher Probleme auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Seit dem 15. Juli stehen den Parisern 10.648 Citybikes, Vélib’ genannt, an 750 festen Stationen zur Verfügung, im September werden 15.000 Räder an 1.000 Stationen und Ende des Jahres insgesamt 20.600 Vélib’s an 1451 Stationen im gesamten Stadtgebiet bereitstehen und zum Rad fahren einladen. Die Vélib’s sind vergleichbar mit dem Call a Bike-System der Deutschen Bahn, das bislang in Berlin, Köln, Frankfurt, Stuttgart, München und demnächst auch Karlsruhe betrieben wird. Im Unterschied zu den Call a Bikes ist die erste halbe Nutzungsstunde jedoch kostenlos, das Pariser System hat feste Ausleihstationen im Abstand von maximal 300 Metern. Nach nur 18 Betriebstagen wurden die Pariser Vélib’s eine Million mal ausgeliehen, täglich sind es derzeit bis zu 70.000 Ausleihvorgänge. Mit dem neuen Fahrradleihsystem will die Stadt Paris einen Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgase und Verkehrsemissionen leisten und die Pariser fit halten, so der Bürgermeister Bertrand Delanoë bei der Eröffnungsveranstaltung.

Was den Parisern rechtlich möglich erschien, stösst nun bei der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt auf Ablehnung. Wegen kartellrechtlicher Bedenken wurde Hamburgs Citybike-Projekt vorerst zurückgezogen. Die »Koppelung« der Verträge für Werberechte, Stadtmöblierung und Fahrradverleihsystem seien womöglich unzulässig.

Stefan Warda, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Hamburg: »Das Pariser Citybikemodell ist bislang einmalig. Keine Kommune hat bislang ein Fahrradverleihsystem so konsequent und erfolgreich umgesetzt. Das Vélib’ wird in Paris als wichtiger Baustein für den Stadtverkehr gesehen. Die kommunalen Velos sollen das Angebot von Metro, Tram und Bus zeitlich und räumlich ergänzen und den Pariser Radverkehrsanteil weiter erhöhen. Paris hat mit viel Mut ein Modell auf die Beine gestellt, das nun als Maßstab für andere Großstädte gelten wird. Für Hamburg könnte ein solches integriertes Citybikesystem ein zusätzlicher Anschub für eine attraktive und lebenswerte Metropole sein, die sich verantwortungsbewusst den hausgemachten Klimakillern stellt. Es bleibt zu wünschen, dass die Hansestadt diese Chance nicht verpasst.«