Pressemitteilung, Verkehr
30.08.2016

Stadt muss gegen Lärm und Luftverschmutzung durch Autoverkehr handeln

erstellt von Dirk Lau, Georg Sommer, Marcus Pietsch

Hamburg spricht von intelligenter vernetzter Mobilität - und vergisst dabei den Radverkehr. Ähnlich passierte das schon bei der Planung der Hafencity.

Die jüngst von Bürgermeister Olaf Scholz und VW-Chef Michael Müller vereinbarte »Mobilitätspartnerschaft« der Stadt mit dem Autokonzern spricht von »intelligenter vernetzter Mobilität« – und meint damit ausschließlich selbstfahrende Autos, digitale Steuerungs- und Verkehrsleitsysteme oder emissionsarme Busse.

»Dass ein Automobilkonzern nur vierrädrig denkt, ist verständlich. Dass Hamburgs Bürgermeister nur mit Motor kann, ist einfach nur gestrig«, sagt Georg Sommer vom ADFC Hamburg. »Fahrradstadt? Fehlanzeige«.

»Unter dem Stichwort "intelligente Verkehrssysteme" kommt zeitgemäßes Nachdenken über Mobilität aber nicht um den Rad- und Fußverkehr herum. Das ist, als würde man Energiewende ohne Wind- und Sonnenenergie buchstabieren,« so Sommer.

»Umweltfreundlicher, sicherer und verträglicher Verkehr für Mensch und Stadtentwicklung braucht Fahrrad- und Fußverkehr, ÖPNV mit einer guten Vernetzung und eine flächendeckende, wirksame Verringerung der Geschwindigkeit,« führt Sommer aus. »Scholz muss endlich Farbe bekennen und für ein zukunftsfähiges Verkehrskonzept in Hamburg sorgen. Selbstfahrende Blechkisten sind dabei leicht verzichtbare Spielereien.«

Allein Verkehrslärm durch Kfz-Verkehr verursacht in Hamburg jedes Jahr einen volkswirtschaftlichen Schaden in Höhe von 230 Millionen Euro. Zu diesem Ergebnis kommt der ADFC Hamburg nach Auswertung des Hamburger Lärmaktionsplans unter Nutzung von Kriterien der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz (LAI) sowie des „Good Practice Guide“ der EU-Kommission. Davon entfallen etwa 45 Millionen Euro auf Gesundheitskosten, gut 176 Millionen Euro auf Immobilienwertverluste und ca. 12 Millionen Euro auf mietbezogene Steuerausfälle. Hinzu kommen Einheitswertverluste sowie Verluste bei der Grunderwerbssteuer.

„Die Auswertung macht klar, was es uns alle kostet, wenn die Stadt nicht aktiv gegen Verkehrslärm vorgeht.“, so Sommer, „Die Förderung von E-Mobilität, wie sie jetzt vom Hamburger Senat propagiert wird, kann zwar grundsätzlich ein wichtiger Baustein im Kampf gegen den Verkehrslärm in Hamburg sein. Gleichwohl hat das Umweltbundesamt bereits im Jahr 2013 nachgewiesen, dass Elektroautos nur bis zu einer Geschwindigkeit von bis zu 25 km/h tatsächlich leiser sind als Autos mit Verbrennermotor.“ Temporeduzierungen und Verkehrsberuhigung in der Stadt seien nicht nur die Lösung für viele Umweltprobleme der Stadt, sondern würden auch unmittelbar die Verkehrssicherheit auf Hamburgs Straßen verbessern.

»Wir fordern Olaf Scholz und den Senat auf, vorurteilsfrei und ergebnisoffen über mehr Tempo 30 zu diskutieren – zum Wohle aller Hamburgerinnen und Hamburger.«

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Link zur Auswertung 
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Pressefoto: ADFCHH_Hafencity_Radfahrer_vergessen.jpg (jpg, 4 MB).
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