Verkehr, Pressemitteilung
02.05.2017

ADFC: Hamburgs Innenbehörde bremst Radverkehr aus!

erstellt von ADFC Hamburg
links Bus-Wartehäuschen, mittig der Radweg, rechts Bäume, Stromkasten, Betonkübel, im Hintergrund die Nebenfahrbahn adfc hh/Ulf Dietze

Friedrich-Ebert-Damm, stadtauswärts. Der Radweg führt im Wechsel durchs Grün und durch Nebenfahrbahnen.

Am 27. April stellte das von der Stadt beauftragte Planungsbüro PGV sein Gutachten für die Prüfung einer Radverkehrsverbindung zwischen S-Bahn Friedrichsberg und U-Bahn Farmsen („Korridor A“) dem Verkehrsausschuss der Bezirksversammlung Wandsbek vor. Die Gutachter schlagen darin vor, den Radverkehr statt auf der lange Zeit favorisierten Walddörferstraße nun auf dem Friedrich-Ebert-Damm zu führen. Hintergrund: Hamburgs Innenbehörde lehnt alle diskutierten Alternativen für den Radverkehr in der Walddörferstraße ab.

»Wir sehen die Argumentation und das Ergebnis des Gutachtens sehr kritisch«, sagt Stefanie Miczka, Referentin für Verkehr beim ADFC Hamburg. Der Fahrradclub erwarte bei Neuplanungen auch eine abschnittsweise Betrachtung anderer Verkehrsführungen und eine jeweils an die Situation angepasste Lösung. »In der Walddörferstraße sind zum Beispiel streckenweise Radfahrstreifen möglich, und eine Neuordnung des ruhenden Verkehrs ist notwendig«. Davon würden insbesondere Fußgänger profitieren, die sich zurzeit mit Gehwegradlern den Straßenrand teilen müssen.

»Im Gutachten bleiben wesentliche Punkte unberücksichtigt: die kritischen Äußerungen aus der Onlinebefragung zur Situation in der Walddörferstraße, Umweltaspekte sowie mögliche positive Auswirkungen einer Umgestaltung für die Anwohner – obwohl aktuell die zulässigen Lärmwerte überschritten sind«, so Miczka. Die Routenführung über den Friedrich-Ebert-Damm sei im Vergleich zu den Velorouten 6 und 7 deutlich ungünstiger: Die genau zwischen diesen beiden Routen verlaufende Walddörferstraße würde eine wesentlich bessere Wirkung für das Radverkehrsnetz haben. Die höheren Gefahren für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer, die aus einem doppelt bis vierfach so hohen Autoverkehrsaufkommen auf dem Friedrich-Ebert-Damm resultieren, nehmen zudem alle Verantwortlichen billigend in Kauf.

Gutachter und auch Bezirksvertreter ließen aber durchblicken, dass Alternativen schon allein deshalb nicht weiterverfolgt worden seien, weil sie politisch als nicht umsetzbar in Hamburg gelten würden. Denn die Innenbehörde blockiert bislang sämtliche, auch von der Politik an sie herangetragene Konzepte und verhindert damit substanzielle Verbesserungen für den Rad- und Fußverkehr in der Walddörferstraße. Ihr Argument: Diese Straße werde zur Entlastung von Friedrich-Ebert-Damm und Ahrensburger Straße für den Autoverkehr gebraucht.

Stefanie Miczka: »Hamburgs Innenbehörde vertritt noch immer die Philosophie der ›autogerechten Stadt‹ aus dem letzten Jahrtausend«. Selbstverständlich sei der Busverkehr in der Walddörferstraße, den die Behörde außerdem als Argument anführt, wichtig und müsse zügig vorankommen. Aber das gilt auch für den Radverkehr. »Eine Straße, die wie die Walddörferstraße von fahrenden und parkenden Autos so erdrückt wird, dass sie für viele Radfahrer und Fußgänger einen Albtraum darstellt, muss sich in jedem Fall verändern«, fordert der ADFC. Sollte hier alles beim alten bleiben, müsse sich der rot-grüne Senat, der sich unter der Parole »Hamburg wird Fahrradstadt« für die Steigerung des Radverkehrs einsetzt, fragen lassen, warum fahrradfreundliche Konzepte von den eigenen Behörden blockiert würden.

 

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