Pressemitteilung, Verkehr
13.11.2012

ADFC kritisiert Absage der „Pro Rad“-Kampagne!

Hamburg spart weiter bei der Radverkehrsförderung: Hamburgs Regierung wird nicht fürs Radfahren und für mehr Verkehrssicherheit in der Stadt werben, gaben Vertreter der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) auf der letzten Sitzung des Fahrradforums Anfang November bekannt.

Grund: nicht genügend Mitarbeiter, die Personalressourcen reichten gerade einmal für die laufenden Arbeiten.

"Hamburg braucht endlich eine Kampagne für umweltfreundliche Mobilität“, fordert dagegen Dirk Lau, stellvertretender Vorsitzender des ADFC Hamburg. Die Stadt müsse klar sagen: „Wir unterstützen euch, wenn ihr Rad fahrt. Ihr tut damit was für Hamburg, für die Umwelt, für eure Lebensqualität und die anderer“. Nur durch offensive Öffentlichkeitsarbeit könne sich das Verkehrsklima ändern. „So eine Kampagne macht sich aber nicht von allein, dafür müssen dringend weitere Personalstellen her“, so Lau.

Indem der SPD-Senat dieser notwendigen Öffentlichkeitsarbeit eine Absage erteilt, verabschiedet er sich endgültig von der 2008 beschlossenen Radverkehrsstrategie für Hamburg. Deren Ziel, den Radverkehrsanteil bis 2015 auf 18 % zu erhöhen, hatte die SPD bereits im Frühjahr 2012 ad acta gelegt – angesichts des schleppenden Ausbaus der Radverkehrsinfrastruktur naheliegend. Auch hier ist Personalmangel das Problem: Derzeit hat das Sachgebiet ganze drei Mitarbeiter.

Öffentlichkeitsarbeit hat einen hohen Wirkungsgrad, gerade wenn man Menschen aufs Rad bringen möchte. Und sie ist kostengünstig. Beispiel München: Seit 2009 hat Bayerns Hauptstadt 2,15 Millionen Euro in seine „Radlhauptstadt“-Kampagne – etwa mit Aktionen wie der „Radl&Fashion Show“ oder dem „Radlstar“ – gesteckt und so den Anteil von Radfahrern auf den Straßen von mageren 10 % im Jahr 2002 auf beeindruckende 17 % im Jahr 2011 gesteigert! Die Kampagne kostete nicht einmal ein Prozent der 260 Millionen Euro, die für die Optimierung des Hamburger Bussystems ausgegeben werden. „Dabei sollen diese beiden Projekte nicht gegeneinander ausgespielt werden, aber die Investitionen in den ÖPNV sind nur sinnvoll, wenn gleichzeitig die anderen umweltfreundlichen Verkehrsmittel wie Rad- und Fußverkehr gefördert werden“, so Lau.

„Bei der Förderung des Radverkehrs geht es aber nicht nur um die Interessen der Radfahrer“, sagt Lau. Fast nebenbei würden auch andere dringende Aufgaben wie die Umsetzung von Lärmminderungs- und Luftreinhalteauflagen positiv beeinflusst, wenn mehr Menschen Rad fahren. Und nicht zuletzt immense Kosten im Gesundheitswesen eingespart.

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/www.radlhauptstadt.muenchen.de/
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www.hamburg.adfc.de/verkehr/themen/radverkehrsstrategie/
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Pressefoto: München macht’s vor: Die Kampagne „Radlhauptstadt“ läuft seit 2009 sehr erfolgreich.
Logo „Radlhaupstadt“ (jgp, 12 KB) (Copyright: Stadt München)
„ Radl&Fashion Show 2011“ (jgp, 1,6 MB) (Copyright: Stadt München / Andreas Schebesta)
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Pressekontaktdirk.lau@hamburg.adfc.de