Pressemitteilung, Verkehr
01.06.2015

ADFC kritisiert Beschluss der Bezirksversammlung Altona und fordert Radfahrstreifen am Ring 3 in Osdorf

erstellt von Dirk Lau

Im Zuge von Straßenumbaumaßnahmen im Rugenfeld (Osdorf) plant Hamburgs Verkehrsbehörde die Anlage von Radfahrstreifen. Bisher werden Radfahrer dort auf miserable „unebene“ Wege auf dem Bürgersteig gezwungen. Weil bei deren Erneuerung etwa 100 Bäume gefällt werden müssten, soll es jetzt Radfahrstreifen auf der Fahrbahn geben. Doch SPD und CDU in Altona sperren sich gegen diese Pläne: Die Bezirkspolitiker wollen die Fahrbahn weiterhin ausschließlich für den Autoverkehr reservieren.

„Wir begrüßen es sehr, dass die Verkehrsbehörde jetzt die rechtlichen Mindestanforderungen für den Radverkehr auf dem Ring 3 streckenweise erfüllen will“, sagt Benjamin Harders vom ADFC Altona. Die bestehenden Radwege auf dem Bürgersteig unterschritten die gesetzlichen Mindestmaße erheblich, seien durch Baumwurzeln aufgebrochen und baulich in einem miserablen Zustand. Eine neue Radverkehrsführung sei daher auch rechtlich zwingend erforderlich, so Harders. Baubeginn sei Ende 2015. So der Plan.

Am 29. Mai hat nun die Bezirksversammlung Altona überraschend mit den Stimmen von CDU und SPD einen Beschluss gefasst, der sich gegen die Politik des neuen Senats stellt (Stichwort „Fahrradstadt“). Die Bezirkspolitiker lehnen den Bau der Radfahrstreifen im Rugenfeld ab und setzen sich für den Erhalt aller vier Fahrspuren für den Autoverkehr ein. Ihr Argument: Der Autoverkehr würde in Zukunft noch weiter zunehmen und die Fahrspuren benötigt.

Der ADFC kritisiert den Beschluss der Altonaer Bezirksversammlung als rückständig und nicht im Sinne einer modernen Verkehrspolitik. „Erhebungen der Verkehrsbehörde haben klar ergeben, dass im Rugenfeld ein Fahrstreifen für den Kfz-Verkehr pro Richtung völlig ausreicht“, sagt Harders. Zum Vergleich: Die Kfz-Verkehrsbelastung im Rugenfeld ist sogar etwas geringer als in der Elbchaussee, und die verfügt pro Fahrtrichtung nur über einen Fahrstreifen für alle Verkehrsarten.

Obwohl der Beschluss der Bezirksversammlung nicht bindend für die Fachbehörde sei und auch wenig Aussicht auf Umsetzung habe, sei es „ernüchternd zu sehen“, so Harders, „dass Politiker aller Fraktionen in Altona zwar beteuern, sie würden den Radverkehr fördern, aber keine wirksamen Maßnahmen unterstützen wollen, um den angestrebten höheren Radverkehrsanteil zu erreichen“. Eine gute, sichere Verkehrsinfrastruktur, wie sie u.a. mit Radfahrstreifen erreicht werden würde, sei aber für die meisten Noch-nicht-Radfahrenden ein wichtiges Motiv, um vom Auto aufs Rad umzusteigen. „Radfahrstreifen erhöhen die Verkehrssicherheit erheblich“, so Harders. „Durch bessere Sichtbeziehungen verhindern Radfahrstreifen typische Abbiegeunfälle.“ Wichtig sei hierbei, dass sich Rechts-Abbiegestreifen auch rechts von den geradeaus führenden Radfahrstreifen befinden.

Sollte der Beschluss der Bezirksversammlung, der sich gegen die Einrichtung von Radfahrstreifen richtet, von der Verkehrsbehörde übernommen werden, gäbe es aus rechtlicher Sicht nur eine Alternative im Rugenfeld: Mischverkehr – wie es grundsätzlich von der StVO vorgesehen ist – angepasste Fahrweise und größte gegenseitige Rücksicht aller Verkehrsteilnehmer.

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