Pressemitteilung
10.11.2006

ADFC kritisiert mangelhafte Baustellen an Radwegen – Polizei hat angeblich kein Personal

Armutszeugnis für Hamburgs Polizei: Behörden haben nicht ausreichend Mitarbeiter für Einrichtung und Überwachung von Baustellen an Radwegen. ADFC fordert Senat auf, Radverkehr an Baustellen sicher und ohne Unterbrechungen zu führen.

Keine anderen Verkehrsteilnehmer werden in Hamburg an Baustellen derartig mit absurden und widersprüchlichen Verkehrsführungen konfrontiert wie Radfahrer. Dazu Stefan Warda, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Hamburg: »Radfahrern wird an Hamburgs Baustellen in der Regel zirkusreife Akrobatik abverlangt. Oftmals werden mehrere sich widersprechende Verkehrszeichen nebeneinander aufgestellt, die sich gegenseitig aufheben. Bei der Vielzahl der unsinnigen Beschilderungen ist das bekannte Schild "Radfahrer absteigen" noch harmlos. Für die miserablen Baustelleneinrichtungen an Radwegen gaben Hamburgs Radler den Behörden die rote Karte. Beim Fahrrad-Klimatest des ADFC bekam Hamburg dafür die Note 5,16.«

Falsche Verkehrszeichen an Baustellen, die der ADFC bei der Verkehrsdirektion seit 2005 kritisierte, blieben oft trotz wiederholter Beschwerden noch weitere Monate hängen. Laut der Verkehrsdirektion würde der Polizei das notwendige Personal fehlen, um die Radverkehrsführung an Baustellen zu überwachen. Oftmals würden die Baustellen von Fremdfirmen eingerichtet. Bedauerlich ist, dass deren Mitarbeiter scheinbar nicht hinreichend ausgebildet sind. Auch Mitarbeiter der Bezirksämter sind auf Anordnung der Straßenverkehrsbehörden für die Aufstellung oder Beseitigung von Verkehrszeichen zuständig. Jedoch kann es Monate dauern, bis diese die Anordnungen der Polizei ausführen, meistens zu spät.

Radfahrer nehmen unsinnige Verkehrsanordnungen an Baustellen nicht ernst und suchen sich notgedrungen ihre eigenen Wege. Dabei begeben sich ungeübte Radfahrer, z.B. Kinder, unter Umständen in unnötige Gefahren. In einer neuen Broschüre "Baustellenabsicherung im Bereich von Geh- und Radwegen" empfiehlt das Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen: »Die Summe aller Einschränkungen und Störungen führt dazu, dass weniger Rad gefahren wird. Baustellen sollen für den Radverkehr daher so gesichert werden, dass eine Fahrtunterbrechung nicht notwendig ist.«

Laut den Planungshinweisen der Baubehörde (PlaSt 9) soll das Schild "Radfahrer absteigen" in Hamburg schon seit mehreren Jahren nicht mehr aufgestellt werden. In NRW heißt es sogar: »Es gibt keinen vernünftigen Grund, das Schild "Radfahrer absteigen" überhaupt einzusetzen.« Warda resümiert: »Etwa 90% der Hamburger Baustellen an Radwegen entsprechen seit Jahren nicht den gängigen Vorschriften. Das ist ein Armutszeugnis für Hamburgs Polizei. Ist die Baustellenbeschilderung in sich widersprüchlich oder wird Akrobatisches abverlangt, müssen die Schilder nicht beachtet werden. Radfahrer sollten in diesen Fällen lieber gleich auf der Fahrbahn fahren.«