Pressemitteilung
22.08.2006

ADFC schlägt Alarm: Brückengeländer an Hamburger Radwegen oft lebensgefährlich niedrig

Der tödliche Sturz eines Radfahrers von einer Brücke in Kiel lenkt den Blick auf ein sträflich vernachlässigtes Detail an Hamburgs Radwegen.

Ob Radwege die Sicherheit des Radverkehrs fördern oder selbst gefährliche Fallen darstellen, hängt von vielen Faktoren ab, u.a. von der Höhe der Geländer neben den Radwegen auf Brücken. Laut der »Empfehlungen für Radverkehrsanlagen – Ausgabe 1995« (ERA 95) gilt allgemein:

»Wenn Radfahrer unmittelbar neben einem der Absturzsicherung dienenden Geländer fahren müssen, sollte dies mit ca. 1,30 m, höher als für Fußgänger üblich, ausgebildet werden.« (Kapitel 6.1.5)

Erläutert wird diese Forderung mit dem im Vergleich mit Fußgängern »hochliegenden Schwerpunktes von Radfahrern«.

Diese Forderung wäre bei Brückenneubauten vergleichsweise einfach zu erfüllen, da die Höhe eines Geländers den Preis kaum beeinflusst. Lediglich die nachträgliche Erhöhung eines Geländers kann teuer werden. Dies ist jedoch gut angelegtes Geld. Allerdings sind viele Brücken in Hamburg für Radfahrer auf gemeinsamen Geh- und Radwegen und in Einzelfällen auf Radwegen lebensgefährlich, weil die Geländer viel zu niedrig sind. Die Geländer an alten Brücken sind oft nur 1,00 Meter hoch. Selbst an neuen Brücken werden nur 1,20 Meter Höhe erreicht.

Ein ADFC-Mitglied hat die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt im vergangenen Jahr wegen dieser Problematik angeschrieben. Er wurde abgewimmelt.

Nun geschah ein tödlicher Unfall auf einer über den Nord-Ostsee-Kanal führenden Hochbrücke, die Anlass gibt, die Erhöhung der Geländer ernsthaft einzufordern. Der Radfahrer war lt. dpa-Meldung auf der Brücke infolge eines Kettenrisses gegen das Geländer gestoßen und danach 40 Meter tief abgestürzt.

Dazu Frank Bokelmann vom ADFC: »Nach einem entsprechenden Unfall in Hamburg wird der ADFC nachmessen und Köpfe fordern. Dann kann auch der Stuhl des Bausenators wackeln. Was auf Hamburgs Brücken passiert, ist mit der Floskel "sträflicher Leichtsinn" noch zurückhaltend umschrieben. Hier wird bewusst mit dem Leben von Radfahrern gespielt. Die Vorgaben sind eindeutig und einzuhalten. Schließlich werden in Deutschland ja auch z.B. Mindestabstände fester Einrichtungen zum Fahrbahnrand penibel beachtet, um Schäden von vornherein auszuschließen.»

Wenigstens hat die Polizei in zwei Fällen Radfahrer entweder auf die Fahrbahnen verwiesen (Oberbaumbrücke vor dem Umbau) oder wenigstens getrennte Geh- und Radwege eingerichtet, die verhindern, dass Radfahrer direkt am Geländer fahren müssen (Rentzelstraße über Verbindungsbahn im Jahr 2003).