Pressemitteilung, Verkehr
09.12.2010

Alle Jahre wieder? Schneechaos für Radfahrende!

erstellt von dl, ms, jd

Dezember 2010: Der erste Schnee ist gefallen und Hamburgs Radfahrer und Radfahrerinnen waren erst einmal wieder ausgebremst. Dabei ist das Fahrrad ein Alltagsverkehrsmittel – und viele Hamburger Bürgerinnen und Bürger sind darauf angewiesen, auch im Winter befahrbare Wege vorzufinden, um per Fuß oder Rad mobil zu sein.

Wer erinnert sich nicht noch daran? Über Wochen hinweg legte die „Hamburger Eiszeit“ die Wege für Fußgänger und Radfahrer lahm. Stürze, Unfälle, Verletzte – die Krankenhäuser hatten Hochbetrieb. Und die Stadt verwies auf das Hamburgische Wegegesetz aus dem letzten Jahrtausend und guckte zu.

Nach den katastrophalen Zuständen des Winters 2009/10 wollen die Stadt und ihre Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) nunmehr dafür sorgen, dass in diesem Winter immerhin ein Minimalnetz für Radfahrer von der Stadtreinigung geräumt werden soll. Diese verspricht einen „Winterdienst auf Radwegen (Kerngebiet)“.

Den Test des ersten Schnees hat die Stadtreinigung allerdings nur teilweise bestanden. Es gab Strecken, wie an der Alster und auf der Schröderstiftsstraße, wo benutzungspflichtige Radwege tatsächlich geräumt wurden. Am Mundsburger Damm, Am Schlump oder auf dem Ring 2 zum Beispiel sieht es aber für Pedalisten weiter hin gefährlich aus. „Beim nächsten Schneefall muss besser und schneller geräumt werden“, fordert Dirk Lau vom Vorstand des ADFC Hamburg. Außerdem müsse das Netz der geräumten Radverkehrsanlagen erweitert werden. Die Räumung wichtiger innerstädtischer Verbindungen wie Grindelallee und Stresemannstraße ist etwa bislang noch nicht einmal vorgesehen.

Wenn benutzungspflichtige Radverkehrsanlagen nicht geräumt oder vereist und damit nicht benutzbar sind, müssen Radfahrer laut geltender Rechtsprechung die Fahrbahn benutzen. Dann ist die Rücksichtsnahme der Autofahrer noch mehr gefragt. Dirk Lau appelliert an die motorisierten Verkehrsteilnehmer: „Radfahrer gehören auf die Fahrbahn, drängeln Sie sie also nicht an den Fahrbahnrand, sondern halten Sie mindestens 1,5 Meter Sicherheitsabstand zum Radfahrer beim Überholen“. Auch das Hupen gefährdet die Sicherheit und stellt darüberhinaus eine Ordnungswidrigkeit und Nötigung des vorausfahrenden Verkehrsteilnehmers dar.

Die vielen Radfahrenden auf Hamburgs Straßen auch bei strengem Winterwetter zeigen: Das Rad ist ein Alltagsverkehrsmittel in der Stadt und damit gleichwertig zu den anderen Verkehrsträgern. Der ADFC empfiehlt allen Radfahrenden, auf der Fahrbahn zu fahren und nichtgeräumte Radwege unbedingt zu meiden. Gehwege sind natürlich für erwachsene Radler auch im Winter tabu, zumal damit Radfahrer und Fußgänger gefährdet werden.

„Es würde der allgemeinen Verkehrssicherheit sehr dienen, wenn auch die Hamburger Polizei auf diesen Sachverhalt hinweisen und die Autofahrer gerade im Winter und bei Schnee zu noch größerer Rücksichtnahme auffordern würde“, fordert Lau.