Pressemitteilung, Verkehr
16.06.2017

»Bessere Luft durch mehr Rad!« – ADFC fordert Wende in der Verkehrspolitik

erstellt von ADFC Hamburg

Rund die Hälfte des städtischen Lieferverkehrs könnte hinsichtlich Volumen und Entfernung problemlos auf Lastenräder verteilt werden.

Übermorgen, am Sonntag, den 18. Juni, demonstrieren wieder Tausende Hamburgerinnen und Hamburger unter dem Motto „Rad fahren – Klima schützen!“ für eine fahrradgerechte Stadt mit besserer Luft und weniger Lärm. Auch Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz will erstmals an der Fahrradsternfahrt teilnehmen.

»Wir demonstrieren für eine lebenswerte Stadt mit sicheren Verkehrsbedingungen und einem gesunden Klima«, sagt Stefanie Miczka, Referentin für Verkehr im ADFC Hamburg. Der Nachholbedarf der Hansestadt sei nach Ansicht des Fahrradclubs immens, und auch die Maßnahmen des neuen Luftreinehalteplans reichten nicht aus. »Nur durch eine deutlich stärkere Förderung des Umweltverbunds aus Fuß- und Radverkehr sowie öffentlichem Nahverkehr wird sich das Verkehrs- und Umweltklima in der Stadt verbessern". Je mehr Menschen vom Auto aufs Rad umsteigen, desto weniger Belastungen durch Lärm und Luftschadstoffe gibt es in der Stadt, desto besser für die Gesundheit der Menschen. Miczka: »Der Senat muss endlich den Mut zeigen, dem Umweltverbund Priorität vor dem Autoverkehr einzuräumen – sowohl bei der Neuverteilung des Straßenraums als auch bei den Investitionen.«

Nur durch Vorfahrt für den Umweltverbund ließen sich nach Ansicht des Fahrradclubs flächendeckende Fahrverbote für dreckige Dieselfahrzeuge in Hamburg vermeiden. Die Maßnahmen im aktuellen Luftreinhalteplan zeigten aber deutlich, dass der Senat nach wie vor aufs Auto setzt. Etwa bei der Elektromobilität: »Die Elektromobilität des Fahrrads wird sträflich vernachlässigt", wirft Miczka der Stadt vor. Der ADFC fordert Politik und Verwaltung daher auf, die Elektromobilität nicht nur beim Auto, sondern auch beim Fahrrad zu fördern, vor allem bei E-Lastenräder für den privaten und gewerblichen Gebrauch oder bei Kleinstfahrzeugen für Lieferverkehr.

Der Senat glaubt offenbar aber selbst nicht mehr daran, sein Ziel Fahrradstadt mit den geplanten Maßnahmen zu erreichen – ein Radverkehrsanteil von 25 Prozent wird laut den Prognosen des Luftreinehalteplans frühestens im Jahr 2040 erreicht, rechnet Miczka vor. „Wer will, dass mehr Menschen vom Auto aufs Rad umsteigen, muss auch entsprechend mehr Geld in die Hand nehmen und eine Infrastruktur schaffen, die den Sicherheitsbedürfnissen aller Radfahrenden entspricht“, sagt Miczka. Hamburg investiere derzeit jährlich aber nur knapp 6 Euro pro Einwohner und Jahr für die Förderung des Radverkehrs. Der Nationale Radverkehrsplan sieht ein Ziel von 19 Euro vor. Städte wie Kopenhagen stecken 30 Euro pro Jahr und Einwohner in den Ausbau des Radverkehrs – und das seit Jahrzehnten.

Die Forderungen des Fahrradclubs:

1. Mehr Raum fürs Rad!

Das Ziel: Alle Menschen – ob jung oder alt, ob erfahren oder ungeübt – fahren komfortabel und sicher in Hamburg Rad. Dazu braucht es Platz auf der Straße. Zum Vergleich: Fahrradspuren in Kopenhagen sind standardmäßig 3,20 Meter breit.

2. Mehr Tempo 30 und autofreie Zonen!

Die Einführung von Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts schützt das Leben und die Gesundheit der Menschen. Von geringeren Geschwindigkeiten der Autos profitieren fast alle, denn die Luft wird sauberer, der Lärm weniger und Radfahrende fühlen sich sicherer. Autofreie Zonen erhöhen die Aufenthaltsqualität und Verkehrssicherheit in Stadtzentren.

3. Mehr Wert(schätzung) fürs Rad!

Fahren mehr Menschen Rad, profitieren alle davon. Radfahrer fühlen sich in Hamburg aber immer noch als Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse. Neben handfesten Maßnahmen zum Ausbau des Umweltverbunds ist auch die öffentliche Wertschätzung durch die Politik wichtig. Georg Sommer, Landesvorsitzender des ADFC Hamburg: „Ich freue mich, dass Bürgermeister Scholz an der Sternfahrt teilnimmt – das ist das richtige Zeichen.“

Die komplette Stellungnahme des ADFC Hamburg zum Entwurf der 2. Fortschreibung des Luftreinhalteplans für Hamburg finden Sie unter: http://hamburg.adfc.de/fileadmin/verkehr/Tempo_30/laeuft/ADFC_Stellungnahme_Luftreinhalteplan_2017-06-16

Weitere Infos zur Fahrradsternfahrt

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