Fischkopps Kolumne, Verkehr
03.09.2011

Bettelampeln nicht gezählt?!

erstellt von Ulf Dietze
Installation einer Ampel mit Anforderungstaster.

Der Verkehrsbericht 2010 gibt außer den Unfallzahlen auch noch weitere Daten preis. Darunter auch Spannendes zu Ampeln ...

»Von insgesamt 1771 Lichtzeichenanlagen (LZA) sind 1621 rechnergesteuert. Sie sind an die VLZ (Verkehrsleitzentrale, Anm. der Redaktion) angeschlossen, die im Jahr 2010 durch 82.646 Programmveränderungen Verkehrsstörungen minimiert oder vermieden hat«. (Verkehrsbericht 2010 der Polizei HH, S. 58)

Das sollen wir also über Ampeln wissen. Es klingt ein wenig stolz. Doch wir fragen uns, wie es eigentlich mit den Bettelampeln weitergeht. Das sind jene Ampeln, an denen Fußgänger und Radfahrer nicht automatisch mit dem Autoverkehr der selben Richtung Grün bekommen. Das Hamburger Wochenblatt gab vor kurzem angesichts umfangreicher Kritik an diesen Schaltungen die Aussage eines Behördensprechers wieder. Der meinte, es seien doch schon einige dieser Bettelampeln wieder auf automatisches Grün für den Rad- und Fußverkehr umgestellt worden.

Auf unsere Anfrage sieht sich die zuständige Behörde dann aber nicht in der Lage, mitzuteilen, welche bzw. wieviele Bettelampeln wieder zu »normalen« Ampeln wurden: »Diese und andere Anpassungen werden nicht gesondert statistisch erfasst«. (Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer am 21.08.2011)

Bettelampeln sind eines der größen Fahrrad-Schädigungsprogramme der Stadt. Statt ökologische Mobilität zu fördern, belohnen die Planer mit ihnen das Autofahren und bestrafen jeden, der sich umweltfreundlich fortbewegt. Und es ist auch erwiesen, dass VerkehrsteilnehmerInnen Ampelprogramme, bei denen sie sich auf den Arm genommen fühlen müssen, nicht akzeptieren. Das Missachten des Rotlichts nimmt zu. Und es gilt nach dem Verkehrsbericht der Hamburger Polizei: Das Missachten des Rotlichts ist eine der Hauptursachen bei den von Radfahrern verursachten Unfällen.

Die Entwicklung bei den Bettelampeln wäre also ein wichtiger Inhalt eines Verkehrsberichts der Polizei Hamburg. Und der Blick auf die Unfallursachen in der von ihr erstellten Statistik sollte die selbe Behörde dazu anregen, über die eigene Politik in Sachen Bettelampeln nachzudenken.

Aber hierzu schweigt sich das Papier aus.